27.09.2018 18:18

«Kevin»

Kann dieses Gerät wirklich Einbrecher abschrecken?

Ein neues Gadget soll mit Geräuschen und Lichtshows simulieren, dass man zu Hause sei. Sicherheitsexperte Markus Stauffer ist skeptisch: Einbrecher seien zu schlau.

von
nzy

Mit dem Herbst wird es am Abend früher dunkel. Für Einbrecher beginnt dann die Hochsaison – sie räumen oft Wohnungen leer, bevor die Bewohner von der Arbeit heimkommen. Im Schnitt dringen Gangster pro Tag in 100 Wohnungen ein.

Das Schweizer Start-up Mitipi verspricht nun, dass sich mit einem Gadget Einbrecher verunsichern und abschrecken liessen. Das neu entwickelte Gerät soll die Anwesenheit der Bewohner simulieren. Co-Gründerin Laura Schilliger (31) erklärt, wie «Kevin» – der Name kommt vom Film «Kevin – Allein zu Haus» – genau funktioniert: «Er aktiviert sich, sobald man das Haus verlässt. Dann gibt er das normale Leben eines Menschen wieder, indem er programmierte Lichteinstellungen mit Hintergrundgeräuschen wie zum Beispiel jenen einer Familie beim Kochen oder einem Fussballabend einer Männergruppe an eine Wand projiziert.»

Schon 600 Vorbestellungen

Laut Schilliger ist die Nachfrage da. Mitipi hat schon neun Mitarbeiter und verbuchte schon rund 600 Vorbestellungen, obwohl die Auslieferung erst 2019 beginnt. Der Kaufpreis liegt bei etwa 250 Franken. Selbst Medien in England, den USA oder Deutschland seien aufmerksam geworden.

Für den Erfolg hat die Jungunternehmerin eine Erklärung: Für Kunden sei das Eindringen in die Privatsphäre das Schlimmste: «Viele hatten auch bleibende psychische Schäden nach einem Einbruch», sagt Schilliger. Sie hätten danach teilweise über mehrere Jahre hinweg Angst, wenn sie ihr Eigenheim verlassen. Mit einem solchen Gerät würden die Leute etwas beruhigter aus dem Haus gehen.

«Einbrecher sind intelligenter, als man meint»

Kritisch ist Markus Stauffer von «Sicher Wohnen Schweiz»: Das Gadget sei einfach eine neuzeitliche Version der Weihnachtsdeko-Timer beziehungsweise einer Zeitschaltuhr. Eine solche Installation funktioniere nur dann, wenn sie nicht einsehbar sei. Wenn die Storen nicht unten seien, könne der Einbrecher das Gerät sehen. «Meistens sind Einbrecher intelligenter, als man meint, und schlagen dort zu, wo es am einfachsten ist, in kurzer Zeit an Bargeld oder Schmuck zu kommen», sagt Stauffer. «Es ist fahrlässig, wenn man ein solches Gerät als alleinigen Schutz ansieht.» Die Idee einer Anwesenheitssimulation sei nicht falsch, aber sie müsse kombiniert werden, beispielsweise mit sicheren Fenstern oder Alarmanlagen, sagt Stauffer.

Schilliger entgegnet darauf: «Solche Dinge sind viel aufwendiger und kosten enorm viel Geld.» Trotzdem sei ihr bewusst, dass «Kevin» keine Luxusvilla schützen könne: «Wenn ein Einbrecher über mehrere Wochen dein Haus beobachtet und genau weiss, was er will, können wir schliesslich auch nicht mehr helfen. Dann sind die Einbrecher zu schlau.»

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