Autoservice: Kann Getriebeöl so teuer sein oder ist es Abzocke?

Bei der Qualität des Öls gibt es grosse Unterschiede – auch bezüglich Preisen.

Bei der Qualität des Öls gibt es grosse Unterschiede – auch bezüglich Preisen.

AGVS-Medien
Publiziert

AutoserviceKann Getriebeöl so teuer sein oder ist es Abzocke?

Regelmässig den Ölstand zu kontrollieren, ist äusserst sinnvoll. Bei einem Service lohnt es sich, neben dem Motoren- auch das Getriebeöl prüfen zu lassen. Selbst, wenn dessen Ersatz nicht immer preiswert ist. Der AGVS-Experte kennt die Details.

von
Markus Peter, AGVS

Frage von Andrea ans AGVS-Expertenteam: 

Ich musste bei meinem Auto mit Automatikgetriebe kürzlich den Service vornehmen lassen. Die Garage belastet mir nun Getriebeöl mit einem Preis von über 30 Franken pro Liter. Bei einer Menge von rund zehn Litern benötigtem Öl ein – meines Erachtens – teurer Spass. Ist dieser Preis gerechtfertigt? Im Internet habe ich günstigere Literpreise gesehen, weiss jedoch nicht, welches Öl verwendet wurde.

Antwort: 

Liebe Andrea,

Egal, ob es sich nun um Motorenöl oder Öl für ein Automatikgetriebe handelt: Der Fahrzeughersteller schreibt jeweils klare Spezifikationen vor, welche ein Öl aufweisen muss. Die Auswahl bei den Basisölen reicht von Mineralöl über teilsynthetische bis zu vollsynthetischen Ölen. Letztere kommen in der Regel als Basis bei Longlife- oder Leichtlauf-Ölen zum Einsatz. Durch die Zugabe von Additiven und die Veredelungsprozesse wird ein Basisöl auf den jeweiligen Einsatzzweck hin optimiert. So gibt es dann ganz verschiedene Viskositäten, Klassifizierungen und spezielle Spezifikationen des Fahrzeugherstellers – die müssen alle passen.

Hol dir den Auto-Push!

Heisse News aus der Auto- und Mobilitätswelt, die neusten Modelle im Test und Experten-Kolumnen zu  rechtlichen und technischen Fragen: All das erwartet dich, wenn du den Auto-Push abonnierst.


So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Auto» an – schon läufts.

Eine der wichtigsten Eigenschaften eines Öls ist die Viskosität. Einfach gesagt, geht es dabei darum, wie «zähflüssig» das Öl ist. Ein Öl mit hoher Viskositätszahl ist «zähflüssiger» als ein Öl mit tiefer Viskosität. Leichtlauföle sind, wie es der Name vermuten lässt, eher dünnflüssig und weisen eine tiefe Viskosität auf.

Daneben gibt es aber noch viele weitere Eigenschaften, welche in den Spezifikationen definiert sind, so zum Beispiel das Verhalten bei unterschiedlichen Temperaturen oder der maximal erlaubte Gehalt an Schwefel. Je höher die Anforderungen an ein Öl, umso eher handelt es sich dann um ein vollsynthetisches Öl.

Je höher die Anforderungen an ein Öl, umso eher handelt es sich um ein vollsynthetisches Öl.

Markus Peter, AGVS

Es liegt also nahe, dass es bereits bei der Qualität des Öls grosse Unterschiede geben kann – auch bezüglich Preisen. Gerade für Automatikgetriebeöle sind die Anforderungen sehr hoch, da das Öl nicht nur für die korrekte Funktion der hydraulischen Schaltkreise eine wichtige Rolle spielt, sondern auch für die Kraftübertragung im Drehmomentwandler verantwortlich ist. Dementsprechend hoch liegen die durch den Fahrzeughersteller vorgeschriebenen Spezifikationen.

Diese Grundlagen bilden somit den technisch bedingten «Preis» eines Automatikgetriebeöls. Hinzu kommt dann der wirtschaftliche Aspekt, das heisst, der Ölhersteller, sein Lieferant sowie der Wiederverkäufer beziehungsweise der Garagist kalkulieren eine Verkaufsmarge ein. Nicht zu vergessen zudem: Die korrekte Lagerung und Entsorgung des Altöls stellen erhöhte Anforderungen an den Umweltschutz (Stichwort Sonderabfall) und sind ebenfalls mit Kosten verbunden, die unter anderem durch den Verkauf von neuem Öl gedeckt werden müssen.

Gerade für Automatikgetriebeöle sind die Anforderungen sehr hoch, da das Öl nicht nur für die korrekte Funktion der hydraulischen Schaltkreise eine wichtige Rolle spielt, sondern auch für die Kraftübertragung im Drehmomentwandler verantwortlich ist.

Markus Peter, AGVS

Es liegt somit auf der Hand, dass ein Liter derselben Getriebeölqualität und -marke im Internet günstiger angeboten werden kann, als dies vor Ort beim Garagisten der Fall ist. Das ist ähnlich wie mit der Flasche Wein, die im Restaurant deutlich teurer verkauft wird als im Supermarkt oder beim Weinhändler. Mit dem Unterschied, dass beim Weinverkauf in der Regel kein alter Wein entsorgt werden muss ... Und wie beim Wein lohnen sich auch beim Öl die Beratung und das Wissen eines Experten. Zudem sollten Ölwechselintervalle eingehalten werden, selbst wenn man höherwertiges, synthetisches Öl nutzt, denn auch dieses wird durch feinen Metall- und Kunststoffabrieb verunreinigt und verliert mit der Zeit an Qualität, was sich negativ auf die korrekte Funktion und einen möglichst reibungsarmen Betrieb des Automatikgetriebes auswirkt.

Gute Fahrt!

Sende deine Frage(n) einfach per Mail an autoratgeber@20minuten.ch. Die interessantesten und aktuellsten Fragen und natürlich die Antworten publizieren wir jede Woche unter dem Vornamen des oder der Fragenden hier im Lifestyle-Channel von 20 Minuten. 

Der AGVS

Der AGVS ist der Verband der Schweizer Garagisten. 4000 Betriebe mit 39'000 Mitarbeitenden (darunter 9000 Nachwuchskräfte in Aus- und Weiterbildung) sorgen dafür, dass wir sicher, zuverlässig und energieeffizient unterwegs sind. Und dieses Expertenteam sorgt für Durchblick: Markus Aegerter (Handel und Dienstleistungen), Olivier Maeder (Bildung), Markus Peter (Technik und Umwelt) und AGVS-Juristin Olivia Solari (Recht).

Deine Meinung

416 Kommentare