Lieber Phil Geld: Kann man auch Schulden erben?
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Lieber Phil GeldKann man auch Schulden erben?

Mayas (27) Eltern haben Schulden. Was passiert damit beim Erbgang?

Erben haften auch für Schulden des Erblassers.

Erben haften auch für Schulden des Erblassers.

Lieber Phil Geld

Meine Eltern haben einen Verlustschein. Erben meine Geschwister und ich diesen Schein auch, wenn sie sterben? Müssen wir dann die offene Schuld bezahlen?

Liebe Maya

Erben haften auch für Schulden des Erblassers. Bei einer Überschuldung können die Erben aber eine Erbschaft auch ausschlagen. Sie müssen das aber innerhalb von drei Monaten tun. Sonst gilt die Erbschaft als angenommen. Die Erben haften ebenfalls für Schulden, die möglicherweise erst viel später zum Vorschein kommen. Denn wer einmal eine Erbschaft angenommen hat, kann später nicht mehr davon zurücktreten.

Falls du nicht sicher bist, ob mehr Schulden als Vermögen vorhanden sind, kannst du innert eines Monats nach dem Tod der Eltern bei der zuständigen Behörde ein sogenanntes öffentliches Inventar verlangen. Dabei werden alle Gläubiger und Schuldner des Verstorbenen über die Amtsblätter oder eine Tageszeitung aufgefordert, ihre Ansprüche innert einer bestimmten Frist anzumelden. Ein solches Verfahren ist nicht ganz billig (Kostenpunkt rund 5000 Franken). Dafür weisst du dann, woran du bist. Die Erben haften nur für die Schulden, die im öffentlichen Inventar aufgeführt sind. Eine Ausnahme sind mögliche Steuerschulden. Steuerämter sind nicht verpflichtet, ihre Forderungen ins öffentliche Inventar eines Verstorbenen einzugeben.

In deinem Fall handelt es sich um eine besondere Schuld, nämlich um einen Verlustschein. Offensichtlich mussten deine Eltern einmal ein Betreibungsverfahren über sich ergehen lassen. Nach der Betreibung sind ungedeckte Forderungen zurückgeblieben. Dieser noch fehlende Betrag wurde dem Gläubiger mit einem amtlichen Verlustschein bestätigt. Verlustscheine verjähren innert 20 Jahren. Allerdings beginnt diese Frist immer von Neuem, wenn eine weitere Betreibung oder eine Teilzahlung der betriebenen Person stattfindet. Im Todesfall verjährt der Verlustschein spätestens ein Jahr nach der Eröffnung des Erbganges.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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