Hair Training: Kann man fettige Haare wirklich abtrainieren?
Beim Hair Training werden die Haare immer seltener gewaschen – in der Hoffnung darauf, dass sie so beginnen, sich selbst zu reinigen. 

Beim Hair Training werden die Haare immer seltener gewaschen – in der Hoffnung darauf, dass sie so beginnen, sich selbst zu reinigen.

Pexels/Karolina Grabowska
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Ärztin schätzt einKann man fettige Haare wirklich abtrainieren?

Dank sogenanntem Hair Training sollen Haare nur noch eine Wäsche pro Monat benötigen. Geht das? Und ist das gesund? Wir haben eine Expertin gefragt.

von
Malin Mueller

Die Tiktokerin _theredhead ist eine von vielen, die auf sogenanntes Hair Training setzt. Dabei soll die Mähne stückweise daran gewöhnt werden, weniger gewaschen zu werden und ihre natürliche Fettproduktion dementsprechend herunter zu fahren. Zu Beginn werden die Haare statt täglich, nur noch alle drei Tage gewaschen. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase wird der Zeitraum auf fünf Tage verlängert – und so weiter. Die Tiktokerin hat ihr Ziel nach über einem Jahr Training erreicht: Sie wäscht ihre Haare im Schnitt nur noch alle 30 Tage.

In ihren Videos erzählt sie, wie gut die natürlichen Öle für das eigene Haar seien und gibt Tipps, wie andere es ebenfalls schaffen können, ihr Haar zu trainieren. Aber auch wenn die Vorstellung verlockend scheint (der Zeitgewinn ist schliesslich enorm) – klingt ihre Geschichte doch zu gut, um wahr zu sein.

Wir haben bei einer Expertin nachgefragt, wie sinnvoll Hair Training wirklich ist. Dr. med. Mandana Péclard ist Fachärztin FMH für Allgemeine und Innere Medizin mit Tätigkeitsschwerpunkt Dermatologie an der Zürcher Praxis am Paradeplatz. Und sie ist alles andere als begeistert.

Was ist das Problem an Hair Training?

«Viele haben das Gefühl, sie können ihr Haar vom ständigen Shampoonieren entwöhnen, wenn sie es weniger waschen – wie ein Detox für den Kopf», sagt die Ärztin. «Dadurch erhoffen sie sich, dass das Haar lernt, sich selbst zu reinigen und weniger schnell fettet.» Das Problem dabei seien weniger die Haare selbst.

Wer würde schon auf die Idee kommen, sein Gesicht 30 Tage lang nicht zu waschen?

Dr. med. Mandana Péclard

Sorgen bereitet dem Profi die Kopfhaut: «Wie die Haut am Körper oder im Gesicht, will auch die Kopfhaut gereinigt werden. Lässt man diese Pflege einfach ausfallen, haben Bakterien und Pilzinfektionen leichtes Spiel. Dazu kommen noch all die Stylingprodukte, die sich absetzen. Durch die Ablagerungen bilden sich ein unangenehmer Geruch und Schuppen.» Die Ärztin ergänzt: «Wer würde schon auf die Idee kommen, sein Gesicht 30 Tage lang nicht zu waschen?»

Das Hautfett ist vorbestimmt

Und da wäre noch etwas, das nicht ganz aufgeht: «Jede und jeder von uns produziert natürliches Hautfett. Manche mehr, manche weniger. Die Häufigkeit, mit der wir unsere Haare waschen, ändert daran nichts. Wer hormonell- oder veranlagungsbedingt eine fettige Haut – und damit meist auch Kopfhaut – hat, muss damit leben.» Das Fazit von Dr. med. Péclard: «Die Kopfhaut kann man nicht trainieren.»

An einer regelmässigen Haarwäsche führt auch Hair Training nicht vorbei.

An einer regelmässigen Haarwäsche führt auch Hair Training nicht vorbei.

Pexels/Craig Adderley

Also die Haare doch täglich waschen?

Ab jetzt wieder täglich die Haare zu waschen, ist allerdings auch nicht die richtige Lösung: «Überpflegen kann man die Kopfhaut genauso. Wer täglich mit Shampoo gegen etwaiges Fett ankämpft, entzieht der Kopfhaut Feuchtigkeit und trocknet sie unnötig aus.» Dr. med. Péclard empfiehlt deswegen, ein Mittelmass zu finden. Wo das liegt, sei bei allen individuell.

Einen Richtwert nennt die Expertin aber: «Wer eine eher trockene Kopfhaut hat, kommt mit einer Haarwäsche pro Woche womöglich schon aus. Typen mit eher fettiger Kopfhaut sollten sich bei zwei bis drei Wäschen pro Woche einpendeln.»

Auf die richtigen Produkte setzen

Die Ärztin hat noch ein paar Tipps auf Lager: Beim Shampoo sollte man auf eine sulfatfreie Variante setzen, um die Kopfhaut nicht zu belasten. Zudem sollte die Mähne am Schluss der Haarwäsche nur lauwarm ausgespült werden. «So wird die Hornschicht der Haare wieder verschlossen und sie glänzen mehr».

Spülungen und Kuren haben auf der Kopfhaut nichts verloren

Dr. med. Mandana Péclard

Ein anderer wichtiger Punkt: «Spülungen oder Kuren gehören nur in die Spitzen, auf der Kopfhaut haben sie nichts verloren.» Nur so könne gewährleistet werden, dass der Schopf nicht schneller als nötig nachfettet. Und auch die Finger hätten mit ihrem natürlichen Hautfett nichts auf dem Kopf zu suchen. Ein Okay gibt es von Dr. med. Péclard dann aber doch noch: «Wer sich zwischen den Waschtagen eine Auffrischung wünscht oder durch ein Workout am Kopf schwitzt, macht mit Trockenshampoo alles richtig.»

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