«Gottkanzler Schulz»: Kann man mit Memes Wahlen gewinnen?
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«Gottkanzler Schulz»Kann man mit Memes Wahlen gewinnen?

In Deutschland befeuert eine Flut von Memes den Wahlkampf der SPD. Auch in der Schweiz wird mit Memes Politik gemacht.

von
A. Schawalder
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Der Schulz-Zug rast ohne Bremsen Richtung Kanzleramt. Das verbreiten seine Fans überall im Internet. Reddit - /r/the_schulz

Der Schulz-Zug rast ohne Bremsen Richtung Kanzleramt. Das verbreiten seine Fans überall im Internet. Reddit - /r/the_schulz

Der Internet-Hype um Martin Schulz treibt interessante Blüten. Hier dem Bild von Che Guevara nachempfunden... Quelle: Reddit

Der Internet-Hype um Martin Schulz treibt interessante Blüten. Hier dem Bild von Che Guevara nachempfunden... Quelle: Reddit

So sieht Harry nicht seine Eltern im Spiegel Nerhegeb. Reddit

So sieht Harry nicht seine Eltern im Spiegel Nerhegeb. Reddit

Als die deutsche SPD die Kandidatur von Martin Schulz bekannt gab, löste die Mitteilung einen Hype aus in Deutschland. Viele hatten die Wahlen bereits abgeschrieben, plötzlich aber liegt die Partei in Umfragen gleichauf mit Angela Merkel.

Befeuert wurde die Euphorie unter anderem aus dem Internet mit Massen von Memes – lustigen Bildern und Videos, die Martin Schulz übertrieben hochjubeln. Sie nennen Martin Schulz «Gottkanzler». Sie parodieren Trump, indem sie etwa «Brücken statt Mauern» fordern und den Slogan «Make Europe Great Again» verbreiten. Ihre Witze drehen sich normalerweise darum, dass Schulz über «hohe Energie» verfügt und dass der Schulz-Zug ohne Bremsen ins Kanzleramt fahre.

Welches Polit-Meme würden Sie entwerfen? Rufen Sie dazu die Website Meme-Generator auf, klicken Sie auf «Meme-Bild erstellen» und wählen Sie eine Datei aus. Sie können auch ein Bild auswählen, das Ihnen die Website anzeigt. Abschliessend müssen Sie noch die Bildunterschrift hinzufügen («Caption this image») und «Generate» klicken — fertig ist das Meme.

Memes haben Politik erreicht

Dass Internet-Memes nicht nur eine Randerscheinung sind, zeigt die Reaktion der SPD. Martin Schulz bedankte sich in einem Video beim Reddit-Forum «The_Schulz» für deren Engagement. Auf Reddit war der Gottkanzler-Witz ursprünglich entstanden. Auch die Parteiführung hat gewisse Begriffe von den Internetwitzen übernommen. Beim Parteitag eröffnete eine SPD-Ministerpräsidentin mit: «Heute setzen wir den Schulz-Zug auf die Gleise.»

Auch in der Schweiz sind Memes auf dem Vormarsch. Die Operation Libero etwa setzte im Abstimmungskampf gegen die Durchsetzungsinitiative auf die lustigen Bilder. Ein Meme war ein Bild von einem kleinen Mädchen vor einem brennenden Haus. Dazu stand: «Ich säg eifach de Luca ischs gsi; denn wird er usgschafft.» Doch auch andere Organisationen wie die Auns, die Juso oder die Junge SVP setzen auf Memes.

Silvan Gisler von der Operation Libero erzählt: «Memes waren vor allem bei der Durchsetzungsinitiative ein effektives Mittel. Sie brachten komplexe Inhalte witzig auf den Punkt.» Die Leute hätten sie auch viel geteilt und so weiterverbreitet.

«Politik mit Zuckerguss»

Laut Social-Media-Experte Daniel Graf haben politische Memes mittlerweile die Nische verlassen und werden Mainstream. «Der Vorteil von Memes ist, dass sie kurz und knapp sind. Sie sind eine kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch und können trotzdem Inhalte transportieren.» Er bezeichnet sie als «Social Media Popcorn».

«Politische Memes sind Spass. Ein durchaus ernstes Thema erhält einen Guss aus Zucker – oder Säure», ergänzt Kampagnen-Spezialist Mark Balsiger. Gerade apolitische Leute seien so zu erreichen. «Wenn ein Meme viral gut dreht, kann es Aufmerksamkeit für ein Thema erzeugen.»

Die Betreiber der Facebookseite «Gottkanzler Schulz» sagen dazu:

«Martin Schulz war der Überraschungskandidat der SPD. Als die Kandidatur von unerwarteten Euphoriewellen im Internet begleitet wurde, horchten viele auf. Das hat das Interesse schon befeuert.» Ausserdem würden Umfragen zeigen, dass Martin Schulz besonders bei den Jungwählern beliebt sei. «Das ist genau die Altersgruppe, die sich von unserem Humor angesprochen fühlt.»

Memes allein sind nicht genug

«Memes allein haben aber noch keinen Effekt», vermutet Politologe Mark Balsiger. Sie seien vergleichbar mit Plakaten, die vor Abstimmungen überall hängen und als Reminder dienen. Plakat und Meme müssten eine klare Botschaft vermitteln können. Kommt diese bei den Leuten nicht an, bleibt auch die Wirkung aus.

Daniel Graf nennt ein anderes Beispiel aus der Schweiz: «Die SVP hat schon länger erkannt, dass Politik auch unterhalten muss.» Es gebe aber auch andere Methoden, online erfolgreich zu sein, als Memes. Beispiele dafür sind etwa das SVP-Maskottchen Zottel oder das Video «Welcome to SVP».

Die Operation Libero setzt inzwischen schon wieder andere Prioritäten und setzte in der letzten Kampagne nicht auf Memes. «Diese Art Wahlkampf funktioniert nicht mit allen Themen gleich gut», erklärt Silvan Gisler. Ausserdem könne man nicht immer die gleiche Strategie verwenden. Das wirke schnell durchschaubar und unoriginell.

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