Streitpunkt: Kann Sie der Vermieter zu Vorhängen zwingen?
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StreitpunktKann Sie der Vermieter zu Vorhängen zwingen?

Unwillkommene Einblicke in Nachbars Wohnung können nerven. Eine Vorhangpflicht gibt es in der Schweiz aber nicht.

von
Daniela Gschweng
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Gerade in Städten, in denen Mehrfamilienhäuser dicht beieinander stehen, sehen Sie manchmal mehr von Ihren Nachbarn, als Ihnen lieb ist.

Gerade in Städten, in denen Mehrfamilienhäuser dicht beieinander stehen, sehen Sie manchmal mehr von Ihren Nachbarn, als Ihnen lieb ist.

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Der Herr gegenüber trägt gestreifte Pyjamas, die Dame daneben rosa Nachthemden und einer der Nachbarn mag es an heissen Tagen auch mal ganz ohne.

Der Herr gegenüber trägt gestreifte Pyjamas, die Dame daneben rosa Nachthemden und einer der Nachbarn mag es an heissen Tagen auch mal ganz ohne.

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Einblicke, die Mieter zwangsläufig bekommen, wenn sie nicht gerade in einem Einfamilienhaus auf dem Land wohnen.

Einblicke, die Mieter zwangsläufig bekommen, wenn sie nicht gerade in einem Einfamilienhaus auf dem Land wohnen.

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Der Herr gegenüber trägt gestreifte Pyjamas, die Dame daneben rosa Nachthemden und einer der Nachbarn mag es an heissen Tagen auch mal ganz ohne – Einblicke, die Mieter zwangsläufig bekommen, wenn sie nicht gerade in einem Einfamilienhaus auf dem Land wohnen.

Die meisten nehmen das locker. Es muss ja keiner hinsehen, im Restaurant starrt ja auch niemand ständig auf den Tisch daneben. Andere fühlen sich gestört. Wer dafür sorgt, dass man in die Wohnung sehen kann, will ja, dass man hinsieht, finden sie. Während die einen auf freie Aussicht und lichtdurchflutete Räume pochen, verweisen anderen auf ihr ästhetisches Empfinden.

Viel Licht versus zufriedene Nachbarn

Die Lage eskaliert spätestens dann, wenn die Nachbarin bemerkt, dass es schon mehrfach aufgefallen ist, dass man in Ihrer Wohnung alles sehen kann – mit Betonung auf «alles». Man möge doch bitte Vorhänge anbringen. Vielleicht kommt sogar der Vermieter und äussert dieselbe Forderung.

Argument gegen Vorhänge gibt es viele, das häufigste ist Licht. Speziell lichtdurchlässige Stoffe oder Papierrollos nehmen zwar nur wenig Licht weg, eine Barriere zwischen Sonnenlicht und Innenraum sind sie trotzdem. Danach folgt Praktisches: In umtriebigen Haushalten mit Haustieren und kleinen Kindern sind Vorhänge als Versteck und Klettergerüst eventuell gefährlich. Und Allergiker hassen sowieso alles, was Staub und Pollen aufsaugt, seien es Lamellenvorhänge, Schiebegardinen, Vorhangschals oder Papierrollos.

Und da wäre noch das liebe Geld: Gardinenstangen, Gleitschienen oder Ähnliches anzubringen und beim Auszug wieder abzuschrauben, ist nicht nur aufwendig, sondern unter dem Strich auch nicht ganz billig. Wer in einem modernen Gebäude mit sehr grossen, bodentiefen Fenstern wohnt, kann Durchblick sowieso nicht verhindern.

Man muss sich nicht alles anschauen

Aber ist es deshalb zumutbar, den Nachbarn beim Zähneputzen, Sex oder anderen persönlichen Dingen zusehen zu müssen? «Kommt darauf an», sagt das Bauchgefühl. «Ist es», sagt das Gesetz. Beides ist richtig. Die gute Nachricht für alle Vorhanghasser: In der Schweiz gibt es keine Vorhangpflicht, das bestätigt der Mieterverband.

Ob der Vermieter gern Vorhänge hätte oder ihm Ihre Vorhänge nicht gefallen, kann Ihnen egal sein. Ausnahmen könnte es in speziellen Fällen geben. Beispielsweise wenn es um das Erscheinungsbild eines Hauses in einem historischen Dorfkern geht.

Alles anschauen muss man sich dennoch nicht. «Im Erdgeschoss an einer Fussgängerzone greift allenfalls öffentliches Recht», sagt Walter Angst, Kommunikationsleiter des Mieterverbands Zürich. Das heisst, jemand muss sich wirklich massiv belästigt fühlen. Bisher sei ihm kein solcher Fall bekannt.

Die Schweizer regeln das Vorhangproblem unbürokratisch

Einschlägige Internetforen sind dennoch voll mit Beschwerden und Anfragen zum Thema Fensterverkleidung. Sei es, weil sich der Sohn eine Heavy-Metal-Fratze ins Fenster hängt, die Tochter gerade in der Grün- oder Rosa-Phase ist oder ein Mieter die Miete mindern will, weil er zu viel Durchblick beim Nachbarn hat. In Deutschland und Österreich, wo die Rechtslage ähnlich ist, beschäftigen solche Fälle regelmässig die Gerichte.

In der Schweiz sind gerichtliche Auseinandersetzungen zu Vorhängen eher unbekannt. Mieter, Nachbarn und Vermieter raufen sich auf informellem Weg zusammen. Beim Mieterverband habe es bisher nur Anfragen wegen Weihnachtsbeleuchtung oder blinkenden Adventskalendern gegeben, sagt Angst.

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