07.06.2019 07:21

Pionier am TaumelnKann Tesla überhaupt pleitegehen?

Der US-Elektroautopionier steckt in der grössten Krise seines Bestehens. Ist Tesla bald am Ende? Die wichtigsten Antworten.

von
Dominic Benz
1 / 17
Die Auslieferungskosten des Hoffnungsträgers bescheren dem Elektroautobauer tiefrote Zahlen: Tesla Model 3. (Archivbild)

Die Auslieferungskosten des Hoffnungsträgers bescheren dem Elektroautobauer tiefrote Zahlen: Tesla Model 3. (Archivbild)

AP/Justin Prichard
Tesla-Chef Elon Musk steckt mit seinem Unternehmen bis zum Hals in Problemen.

Tesla-Chef Elon Musk steckt mit seinem Unternehmen bis zum Hals in Problemen.

AP/jae C. Hong
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres fuhr das Unternehmen einen Verlust von 700 Millionen Dollar ein und verkaufte gegenüber dem Vorquartal knapp ein Drittel weniger Autos.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres fuhr das Unternehmen einen Verlust von 700 Millionen Dollar ein und verkaufte gegenüber dem Vorquartal knapp ein Drittel weniger Autos.

AP/jae C. Hong

Die Abwärtsspirale bei Tesla dreht sich immer schneller. Zwar prophezeien schon seit Jahren Analysten und andere Experten den baldigen Untergang des US-Elektroautopioniers. Und Tesla-Chef Elon Musk konnte bisher immer wieder seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Doch mittlerweile scheint die Lage so ernst wie nie zu vor zu sein. Sind die Tage von Tesla gezählt? Und ist eine Pleite überhaupt möglich? Die wichtigsten Antworten:

Wie schlimm steht es um Tesla?

Tesla steckt in der tiefsten Krise seit der Firmengründung. Das machen auch die Zahlen deutlich: Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs fuhr das Unternehmen einen Verlust von 700 Millionen Dollar ein und verkaufte gegenüber dem Vorquartal knapp ein Drittel weniger Autos. Weil das Geld immer knapper wird, musste Tesla Anfang Mai 2,7 Milliarden Dollar frisches Geld aufnehmen, obwohl Musk zuvor noch gross verlauten liess, man habe keine Geldspritze nötig.

Was sind die Probleme?

Schwierigkeiten bereitet unter anderem der Model 3: Die Produktion sowie die Auslieferung verlaufen schleppend. Befürchtet wird, dass der günstigere Model 3 die Nachfrage der Modelle S und X kannibalisiert. Hürden gibt es auch im für Tesla wichtigen Markt China: Gründe sind die lokale Konkurrenz sowie der Handelsstreit zwischen der Volksrepublik und den USA. Im April brachen die Verkaufszahlen zum Vormonat um knapp ein Fünftel ein. Zu kämpfen hat Tesla auch mit technischen Problemen wie dem Autopiloten.

Wie reagieren die Anleger?

Wie ernst die Lage bei Tesla ist, zeigt sich an den Börsen. Die Anleger flüchten angesichts der immer grösser werdenden Krise aus der Aktie. Der Kurs ist praktisch im freien Fall. Seit Anfang Jahr hat er über 40 Prozent nachgegeben und ist unter die Marke von 200 Dollar gerutscht. Die Technologie-Börse Nasdaq, an der die Tesla-Aktien kotiert sind, legte in dieser Zeit um weit mehr als 10 Prozent zu. In dieser Woche erholten sich die Tesla-Aktien wieder leicht.

Droht bald die Pleite ?

Ende Mai schrieb Musk in einem internen Mail, das die Cash-Reserven des Unternehmens in zehn Monaten aufgebraucht seien, wenn man die Kosten nicht sofort in den Griff bekomme. Ein düsteres Szenario beschrieb kürzlich der New Yorker Professor und Branchenkenner Scott Galloway: Das werde das Jahr sein, in dem sich Tesla aufzulösen beginne. Tesla selbst teilte auf Anfrage mit, man könne sich nicht zu spekulativen Themen äussern und auch keine zukunftsgerichteten Aussagen treffen.

Kann Tesla überhaupt pleitegehen?

Ein Unternehmen kann theoretisch immer pleitegehen. Die Marke dürfte aber weiter bestehen. «Die Chance ist gleich null, dass die Marke Tesla verschwinden würde, sollte sich die Situation zuspitzen», sagt Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer auf Anfrage. Die Marke sei viel zu viel wert, um sie einfach fallen zu lassen. Bei einem grossen Aktienabsturz würden andere Tesla übernehmen und weiterführen. «Ohne Musk gäbe es zwar weniger Innovationen. Aber das Unternehmen wäre dann wahrscheinlich breiter und stabiler aufgestellt», so Dudenhöffer.

Wer ist an Tesla interessiert?

Laut Dudenhöffer sind viele Unternehmen sowohl an der Marke als auch an der Technologie interessiert. «Viele dürften auf eine kritische Lage bei Tesla warten, um in eine Übernahme einsteigen zu können», so der Experte. Sinkt der Aktienkurs noch weiter, könnte Tesla schon bald zum Übernahmeziel werden. Neben Apple werden auch Google oder Amazon als potenzielle Käufer gehandelt. Aber auch Autobauer aus China oder Fiat Chrysler seien mögliche Kandidaten, so Dudenhöffer. Derzeit hat Tesla eine Marktwert von rund 34 Milliarden Dollar. Branchenkenner Galloway geht davon aus, dass ein anderes Unternehmen ab einem Börsenwert von 25 Milliarden Dollar zuschlagen könnte. Das wäre bei einem Aktienkurs von rund 150 Dollar der Fall.

Wer würde von einer Pleite profitieren?

Für Dudenhöffer ist klar: «Bekommt ein Innovationsführer wie Tesla grosse Probleme, profitieren praktisch alle Konkurrenten davon.» Das dürfte sich auch an den Börsen zeigen. Sollte Tesla das Geld tatsächlich ausgehen, wird das laut Analysten die Aktienkurse vor allem von europäischen Premiumherstellern wie BMW und Daimler beflügeln. Auch Zulieferer könnten profitieren.

Bleiben Sie über Wirtschaftsthemen informiert

Wenn Sie die Benachrichtigungen des Wirtschaftskanals abonnieren, bleiben Sie stets top informiert über die Entwicklungen der Business-Welt. Erfahren Sie dank des Dienstes zuerst, welcher Boss mit dem Rücken zur Wand steht oder ob Ihr Job bald durch einen Roboter erledigt wird. Abonnieren Sie hier den Wirtschafts-Push (funktioniert nur in der App)!

Social Media

Sie finden uns übrigens auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.