Ausbrüche nehmen zu - Kanton Bern fordert Maskenpflicht an Schulen in der ganzen Schweiz
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Ausbrüche nehmen zuKanton Bern fordert Maskenpflicht an Schulen in der ganzen Schweiz

Der Kanton Bern spricht sich für die Wiedereinführung der Maskenpflicht ab der 5. Klasse aus. Eine SP-Nationalrätin fordert indes die Rückkehr der präventiven Massentests.

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Der Kanton Bern will eine Maskenpflicht an Schulen ab der 5. Klasse.

Der Kanton Bern will eine Maskenpflicht an Schulen ab der 5. Klasse.

20min/Marco Zangger
Er bevorzugt dabei eine nationale Regelung wäre. Er hat deshalb beim Bundesrat einen entsprechenden Wunsch deponiert. 

Er bevorzugt dabei eine nationale Regelung wäre. Er hat deshalb beim Bundesrat einen entsprechenden Wunsch deponiert.

20min/Marco Zangger
An den Schulen im Kanton Bern wird nicht mehr regelmässig gespuckt. 

An den Schulen im Kanton Bern wird nicht mehr regelmässig gespuckt.

Franziska Rothenbuehler / Tamedia AG

Darum gehts

  • Der Kanton Bern will zusätzlich zum Ausbruchstesten die Maskenpflicht an Schulen wieder einführen.

  • Für SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen reicht das nicht: Sie kritisiert den Kanton dafür, dass er bei steigenden Fallzahlen die Breitentests abgeschafft hat – und fordert deren Wiedereinführung.

  • Die Berner Gesundheitsdirektion hingegen hält das Ausbruchstesten für effektiver.

Der Kanton Bern hat sich für die Wiedereinführung der Maskenpflicht an Schulen, genauer ab der fünften Klasse, ausgesprochen. Er hat einen entsprechenden Wunsch beim Bundesrat deponiert, wie Gundekar Giebel, Sprecher der Berner Gesundheitsdirektion, gegenüber der «Berner Zeitung» bestätigte. Die Berner würden eine nationale Regelung begrüssen. Es sei nämlich «schon passiert, dass der Kanton die Maskenpflicht in den Schulen regelte und wenig später der Bund dazu Vorgaben erliess, die dann nicht ganz kongruent waren mit der kantonalen Lösung, was die Schulen vor Herausforderungen stellte», so Giebel. Je nach epidemiologischer Lage behalte man sich aber vor, selbständig auf kantonaler Ebene Massnahmen zu treffen.

Andererseits hat der Kanton Bern die wöchentlichen Massenspucktests an den Schulen kürzlich abgeschafft. Getestet wird stattdessen nur noch bei Ausbrüchen. Das finden nicht alle gut. SP-Nationalrätin Flavia etwa kritisiert auf Twitter den Berner Weg, indem sie ihn der am Mittwoch vom Bundesrat beschlossenen Ausweitung der Zertifikatspflicht gegenüberstellt:

«Breitentests wären sehr wichtig»

Gesundheitsminister Alain Berset habe die Kantone erst Ende August dazu aufgerufen, dass sie flächendeckend an den Schulen regelmässige Corona-Tests durchführen, sagt Wasserfallen auf Anfrage von 20 Minuten. Seit dem Appell des Bundesrates habe sich die Situation weiter verschärft. «Wir haben im Kanton Bern derzeit an verschiedenen Schulen Ausbrüche. Die Zahl der Neuansteckungen bei Kindern steigt stärker als in allen anderen Altersgruppen. Das zeigt, dass Breitentests sehr wichtig wären», so Wasserfallen.

Ausserdem sei bekannt, dass Jugendliche trotz Ansteckung oft keine Symptome aufweisen würden. Es sei deshalb «unverständlich und verantwortungslos, dass der Kanton die Massentests in der aktuellen Situation abgeschafft hat.» Diese seien unvermittelt wieder einzuführen, fordert die Gesundheitspolitikerin. In der Wiedereinführung der Maskenpflicht sieht Wasserfallen keine Alternative: «Ich vermute, dass der Kanton hier aus Kostenüberlegungen einen falschen Entscheid gefällt hat. Testen kostet zwar, ist aber effizienter und schränkt die Schülerinnen und Schüler weniger ein, als eine Maskenpflicht.»

Teilnahmequote bei Massentests zu tief

Die Berner Gesundheitsdirektion entgegnet, dass finanzielle Überlegungen keine Rolle bei der Einstellung der wöchentlichen Massentests gespielt hätten. Vielmehr seien diese schlicht nicht mehr zielführend gewesen, sagt Sprecher Gundekar Giebel zu 20 Minuten: «Ein Abstand von einer Woche ist aus epidemiologischer Sicht zu lange, da eine infektiöse Person sechs Tage an der Schule sein kann. Man hätte auf zwei bis drei Testrunden pro Woche umstellen müssen.» Zudem hätten sich an den freiwilligen Massentests jeweils nur zwischen 50 und 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler beteiligt. «Die Teilnahmequote hätte auf etwa 80 Prozent erhöht werden müssen, damit die breiten Tests ihre Wirkung hätten entfalten können», so Giebel.

Hingegen könnten aufgrund der obligatorischen Teilnahme beim Ausbruchstesten Ansteckungen mit grösserer Sicherheit erfasst werden, sagt der Sprecher. Bei Personen, die den Test verweigern, kann eine Quarantäne angeordnet werden. Giebel ist deshalb überzeugt: «Durch gezieltes Ausbruchstesten mit Testpflicht können wir mehr zur Bekämpfung der Pandemie beitragen als durch freiwillige Massentests.»

Regierungsrat begrüsst Ausweitung der Zertifikatspflicht

Der Berner Regierungsrat beobachtet die Entwicklung der Covid-Situation mit Sorge. «Die in den letzten Wochen gestiegene Zahl, der auf die Intensivstationen verlegten Corona-Patientinnen und Patienten führt dazu, dass die Spitäler geplante Operationen verschieben müssen», schreibt die Kantonsregierung in einer Mitteilung vom Donnerstag. Dadurch würden die von einer Krankheit betroffenen Menschen leiden und es entstünden zusätzliche Kosten für die Allgemeinheit. Die vom Bundesrat beschlossene Ausdehnung der Zertifikatspflicht erachtet der Regierungsrat daher als einen «wichtigen Schritt zur Eindämmung der Pandemie und damit zur Entlastung des Gesundheitssystems».

Weiter appelliert er an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Die Zahl der im Kanton Bern erstmals Geimpften erreicht in diesen Tagen die Marke von rund 640'000 Personen, was über 60 Prozent der Bevölkerung entspricht. Es gehe nun darum, «jene im Kanton Bern lebenden Menschen zu erreichen, die aufgrund ihrer Kultur und Sprache bisher nicht für den Schritt zum Impfen gewonnen werden konnten».

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(sul)

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