Legale Cannabis-Abgabe: Kanton Bern schiebt Joints aus der Apotheke den Riegel vor

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Legale Cannabis-AbgabeKanton Bern schiebt Joints aus der Apotheke den Riegel vor

Der Berner Regierungsrat befürwortet einen Vorstoss, der die regulierte Abgabe von Cannabis in Apotheken verhindern soll. Die Begründung sorgt bei einem Apotheker für Kopfschütteln.

von
Simone Quaderer
Simon Ulrich
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Stadt und Uni Bern setzen sich seit Jahren für Cannabis-Pilotversuche in den Apotheken ein.

Stadt und Uni Bern setzen sich seit Jahren für Cannabis-Pilotversuche in den Apotheken ein.

20min/Matthias Spicher
Geplant war, dass ab Herbst ausgewählte Studienteilnehmende Cannabis-Produkte kaufen können.

Geplant war, dass ab Herbst ausgewählte Studienteilnehmende Cannabis-Produkte kaufen können.

20min/Matthias Spicher
Diesem Projekt wurde nun ein Riegel vorgeschoben: Der Berner Regierungsrat lehnt die kontrollierte Cannabis-Abgabe in Apotheken ab.

Diesem Projekt wurde nun ein Riegel vorgeschoben: Der Berner Regierungsrat lehnt die kontrollierte Cannabis-Abgabe in Apotheken ab.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Forschende der Uni Bern wollten im Rahmen einer Studie Cannabis-Produkte an ausgewählte Teilnehmende in Apotheken abgeben. 

  • Der Berner Regierungsrat lehnte nun aber eine Abgabe zu nicht-medizinischen Zwecken in Apotheken ab.

  • Die Aufgabe der Apotheken bestehe darin, Heil- und nicht Suchtmittel abzugeben, argumentiert der Regierungsrat.

  • Diese Begründung sei realitätsfern, sagt ein Apotheker, Martin Beyeler. 

Seit Jahren setzen sich Stadt und Universität Bern für ein Forschungsprojekt zum Thema Cannabis ein. Geplant war, dass im kommenden Herbst ausgewählte Studienteilnehmende in Berner Apotheken Cannabis-Produkte kaufen können. Damit wollten die Forschenden untersuchen, wie sich der regulierte Verkauf auf das Befinden sowie auf das Konsum- und Kaufverhalten der teilnehmenden Personen auswirkt.

Nun aber hat das Projekt einen massiven Dämpfer erlitten: Der Berner Regierungsrat lehnt die Abgabe von Betäubungsmitteln zu nicht-medizinischen Zwecken in Apotheken ab und unterstützt damit eine Motion aus den Reihen von SVP und EDU. Die negativen Auswirkungen des Cannabis-Konsums seien seit vielen Jahren bekannt, schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort auf den im letzten März eingereichten Vorstoss. 

Seit Mai 2021 darf hierzulande Cannabis in Pilotversuchen kontrolliert abgegeben werden. Die Berner Kantonsregierung ist hingegen der Ansicht, dass Gras in Apotheken nichts verloren habe: Deren Aufgabe bestehe «in der Abgabe von Heilmitteln und nicht in der Abgabe von Suchtmitteln zu deren Konsum». Die Gemeinden, die sich bereits für eine Abgabe in Apotheken ausgesprochen hätten, sowie die Studienverantwortlichen sollen eine Abgabe in anderem Rahmen anstreben. Dem Regierungsrat schweben hierbei vor allem Institutionen vor, die auf Erfahrung mit Suchtkranken zurückgreifen können. 

«Schlicht realitätsfremd»

Martin Beyeler, der den Austausch zwischen den interessierten Stadtberner Apotheken und der Studienleitung koordiniert, zeigt sich befremdet über die Antwort des Regierungsrates. Die Begründung, Apotheken seien zur Abgabe von Heilmitteln und nicht von Betäubungsmitteln da, sei geradezu absurd: «Apotheken nehmen seit den 1990er-Jahren eine Pionierrolle bei der Abgabe von Methadon ein. Jetzt zu sagen, sie sollen keine Suchtmittel verabreichen, ist schlicht realitätsfremd: Wir machen das schon längst – und wir machen es sehr gut», sagt Beyeler, der die Unitobler-Apotheke betreibt. 

Gerade während der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, dass Apotheken für niederschwellige Angebote wie beispielsweise Impfungen, Tests und Beratungen prädestiniert seien, so Beyeler: «Ich sehe daher nicht ein, warum andere Institutionen, die erst noch teurer wären, für eine regulierte Cannabis-Abgabe geeigneter sein sollen als wir.» Zudem sei das Ziel der Studie ja gerade, einen risikoärmeren Konsum zu fördern, indem etwa die Teilnehmenden von THC- auf CBD-reiches Cannabis oder vom Rauchen auf eine weniger schädliche Konsumart umsteigen würden. «Der Regierungsrat hat offensichtlich nicht erkannt, dass die Studie einen wichtigen Beitrag zu einer wirksamen Prävention leisten könnte.» 

Grosser Rat entscheidet 

Ärgerlich sein dürfte die ablehnende Haltung des Regierungsrates gegenüber den Cannabis-Pilotversuchen auch für die Studienleitung, welche die Apotheken in ihr Konzept integriert hatte. Äussern will sich diese vorerst aber nicht. Man werde nun die Grossratsdebatte zum Vorstoss verfolgen und allfällige Auswirkungen auf die Studie prüfen, schreibt die Uni Bern auf Anfrage. Solange diese Gespräche und Prüfungen laufen würden, nehme man keine Stellung. 

Ganz vom Tisch ist die Cannabis-Abgabe in Berner Apotheken indes noch nicht. Der Regierungsrat beantragt dem Grossen Rat, die Motion als Postulat anzunehmen, wie er weiter schreibt. Stimmt das Kantonsparlament zu, werde sich der Regierungsrat «im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür einsetzen, dass die passenden alternativen Stellen zur Abgabe von nicht-medizinischem Cannabis herangezogen werden».

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