Kanton Graubünden gibt Problemwolf im Prättigau zum Abschuss frei
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Chur GRKanton Graubünden gibt Problemwolf zum Abschuss frei

Trotz vermehrtem Einsatz von Zäunen und Herdenschutzhunden kommt es im Bündnerland zu Wolfsrissen. Besonders ein Einzelgänger im Prättigau macht auf sich aufmerksam. Dieser wird nun zum Abschuss freigegeben.

von
Leo Butie
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Auf vielen Alpwirtschaften im Kanton Graubünden wurden die Massnahmen zum Schutz der Nutztiere verstärkt.

Auf vielen Alpwirtschaften im Kanton Graubünden wurden die Massnahmen zum Schutz der Nutztiere verstärkt.

20min/Community
Trotz der Verstärkung wurden in der bisherigen Weidesaison 106 Schafe und eine Ziege gerissen. (Symbolbild)

Trotz der Verstärkung wurden in der bisherigen Weidesaison 106 Schafe und eine Ziege gerissen. (Symbolbild)

Amt für Jagd und Fischerei Kanton Graubünden
Aus Angst vor dem Wolf wurden Ende Juni bei Klosters 700 Schafe abgezogen.

Aus Angst vor dem Wolf wurden Ende Juni bei Klosters 700 Schafe abgezogen.

Willi Däscher

Darum gehts

  • Der Kanton Graubünden hat den Herdenschutz verstärkt.

  • Es kommen nun mehr Herdenschutzhunde und Zäune zum Einsatz.

  • Trotzdem werden weiterhin Nutztiere vom Wolf gerissen.

  • Ein einzelner Wolf im Prättigau hat mehrere Nutztiere verletzt.

  • Dieser wird nun vom Kanton zum Abschuss freigegeben.

Auf vielen Alpwirtschaften im Kanton Graubünden wurden die Massnahmen zum Schutz der Nutztiere vor Wolfsrissen in diesem Jahr verstärkt. Mit der Präsenz des Wolfs erweisen sich die Herdenschutzmassnahmen als notwendig. Als Massnahmen gelten etwa Einzäunen von Herden sowie der Einsatz von Herdenschutzhunden.

Zudem gilt im Kanton eine neue Regelung für Weidegeburten. «Die Weidegeburt ist die natürlichste Form der Geburt für Nutztiere», sagt Peter Küchler, Direktor des Plantahofes. Da eine Weidegeburt Wölfe anlocken kann, gelten neue Regelungen. «Eine solche Geburt kann nun nur noch in einem eingezäunten Bereich in der Nähe der Hütte stattfinden», erklärt Küchler.

Trotz der Verstärkung des Herdenschutzes wurden in dieser Weidesaison bereits 106 Schafe und eine Ziege von Einzeltieren oder Wolfsrudeln gerissen, wie der Kanton Graubünden in einer am Dienstag veröffentlichten Meldung schreibt.

Ein auffälliger Einzelgänger

Besonders aufgefallen ist ein einzelner Wolf im Prättigau, der innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Schafe in einem geschützten Bereich gerissen hat. Zudem wurden am 22. und am 25. Juli am Schamsberg, im Streifgebiet des Beverin Rudels, zwei Esel in einem eingezäunten Bereich mit teils schweren Verletzungen vorgefunden, die alle auf einen Wolf hinwiesen. Am 23. Juli wurde ein zehn Monate altes Kalb von einem Wolf verletzt, das sich in einer Herde von 21 Tieren aufgehalten hat.

Nebst den verstärkten Herdenschutzmassnahmen möchte man nun auch die Wolfspopulation regulieren. Für die raschere Entnahme, sprich Abschuss, von schadenstiftenden oder verhaltensauffälligen Wölfen hat der Bund mit Wirkung ab Mitte Juli 2021 die Schwellenwerte herabgesetzt, welche die Kantone zum Ergreifen von Massnahmen gegen Einzelwölfe oder zur Regulation von Wolfsrudeln nach Schadenereignissen ermächtigen. «Es geht um eine wirkungsvolle Regulation», sagt Küchler.

Wolf wird zum Abschuss freigegeben

Wölfe, die Nutztiere in geschützten Bereichen reissen, könne man zum Abschuss freigeben. «Wir müssen uns an die gesetzlichen Vorlagen halten», sagt Adrian Arquint, Leiter des Amts für Jagd und Fischerei Graubünden. Verantwortlich für den Abschuss des Wolfes sind die Wildhüter, die dafür geschult sind. Trotzdem sei es schwierig, einen einzelnen Wolf in einem grossen Gebiet aufzuspüren und zu erlegen. «Es kommt darauf an, wo sich der Wolf aufhält», so Arquint. Es wäre beispielsweise möglich, dass man bei einem Riss wartet und der Wolf zurückkehrt.

Ob es in Zukunft weitere Abschüsse geben wird, ist derzeit noch offen. «Wir beobachten die Entwicklung», sagt Arquint. Über einzelne Problemtiere darf der Kanton verfügen. Falls ein ganzes Rudel entfernt werden müsse, werde das auf Bundesebene entschieden.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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