Nach gefährlichen Begegnungen - Kanton ordnet Abschüsse für drei Jungwölfe an
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Nach gefährlichen BegegnungenKanton ordnet Abschüsse für drei Jungwölfe an

Ende August hat das Amt für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden ein Regulierungsgesuch für das Beverinrudel beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) eingereicht. Dieses wurde nun angenommen.

von
Pascal Eicher
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Der Kanton Graubünden hat Ende August ein Regulierungsgesuch beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) eingereicht (Symbolbild).

Der Kanton Graubünden hat Ende August ein Regulierungsgesuch beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) eingereicht (Symbolbild).

Pexels/Vincent M.A. Janssen
Dieses wurde nun angenommen, es sollen drei Jungtiere des Beverinrudels abgeschossen werden (Symbolbild).

Dieses wurde nun angenommen, es sollen drei Jungtiere des Beverinrudels abgeschossen werden (Symbolbild).

Pexels/Pixabay
Ein junger Wolf des Beverinrudels.

Ein junger Wolf des Beverinrudels.

Amt für Jagd und Fischerei GR

Darum gehts

  • Ende August beantragte der Kanton Graubünden eine Regulierung des Beverinrudels beim BAFU.

  • Diese wurde nun bewilligt, allerdings unter Schutz des Vatertieres.

  • Regierungspräsident Mario Cavigelli hat den unverzüglichen Abschuss von drei Jungwölfen angeordnet.

  • Die Wildhut wird den Eingriff vornehmen.

Wolfsrisse häufen sich diesen Sommer in der Ostschweiz, insbesondere im Kanton Graubünden. Das dortige Beverinrudel riss in jüngster Vergangenheit vermehrt Nutztiere aus geschützten Herden. Da der Schwellenwert für gerissene Nutztiere im Kanton erreicht ist, hat das Amt für Jagd und Fischerei (AFJ) Graubünden Ende August ein Regulierungsgesuch beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) eingereicht. Dieses hat nun dem Gesuch zugestimmt. Daraufhin hat Regierungspräsident Mario Cavigelli unverzüglich den Abschuss von drei Jungwölfen aus dem Beverinrudel angeordnet, wie der Kanton Graubünden in einer Mitteilung schreibt.

Nur Jungtiere zum Abschuss freigegeben

Das BAFU erachtet die Grundlage für regulatorische Massnahmen des Beverinrudels als gegeben. Dies weil die Wölfe des Rudels im Vergleich zu anderen Wölfen ein problematisches Verhalten aufzeigen und trotz getroffener Herdenschutzmassnahmen grosse Schäden angerichtet haben. Dies in Verbindung mit der Gefährdung von Menschen reichte aus, um dem Gesuch des AFJ Graubünden zuzustimmen. Das BAFU sieht aber die Voraussetzungen für den Abschuss des Vatertieres, welcher ebenfalls beantragt wurde, als nicht erfüllt an, weshalb nur die Jungtiere zum Abschuss freigegeben sind.

Amt für Jagd und Fischerei plant Eingriff

Das Amt für Jagd und Fischerei hat sich in den vergangenen Wochen auf diesen Eingriff vorbereitet. Die Wildhut wird die entsprechende Regulation vornehmen. Geplant ist ein rascher Eingriff. Es wird versucht, die Tiere im Rudelverbund zu erlegen, um eine zusätzliche vergrämende Wirkung zu erzielen.

Auf das Datum genau lässt sich der Abschuss aber noch nicht planen. «Der Eingriff wird im Zeitfenster vom 7. September bis zum 31. März 2022 durchgeführt werden», sagt Hannes Jenny, stellvertretender Leiter des AJF Graubünden, auf Anfrage. Ein genaues Datum könne nicht angegeben werden. Da das AJF beschränkte Ressourcen habe, müsse eine hohe Erfolgsaussicht für eine Aktion bestehen, sagt Jenny weiter. Man müsse deshalb auf einen geeigneten Zeitpunkt warten, um die Wölfe im Rudel zu erwischen.

«Abschuss des Vatertieres weiterhin notwendig»

Mit dem Entscheid des BAFU gegen den Abschuss des Vatertieres rückt dieses fürs Erste in den Hintergrund. Jenny erklärt: «Das Erlegen des Vatertieres ist momentan sowieso kein Thema, denn laut Gesetz dürfen wir es nur im Zeitraum vom 1. November bis 31. Januar erlegen», sagt der stellvertretende Leiter des AJF. Aber: «Wir halten den Abschuss des Vatertieres nach wie vor für unbedingt notwendig», sagt Jenny weiter.

David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz, äussert sich zum Abschuss: «Wir halten die Regulierung des Rudels für rechtmässig, der Eingriff entspricht den Vorgaben des geltenden Jagdgesetzes», sagt Gerke. Er weist aber auch darauf hin, dass die Regulierung den Konflikt nicht nachhaltig lösen werde, es führe kein Weg an einer Stärkung der Prävention und des Herdenschutzes vorbei.

Laut Gerke ist es aber auch denkbar, dass der Abschuss des Vatertieres nicht zwingend nötig sein wird. «Falls der Abschuss der Jungtiere in der Nähe von Nutztierherden vollzogen wird, könnte es sein, dass das Vatertier den Abschuss seiner Jungtiere mit diesen Herden in Verbindung bringt und folglich keine Herden mehr angreift», sagt er. Gerke geht aber davon aus, dass die Abschüsse eher dazu dienen sollen, die Wölfe scheuer gegenüber Menschen zu machen.

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