06.07.2016 03:52

Heikle ÜbernahmeKanton schmeisst Events aus der St.-Jakob-Arena

Seit dem 1. Juli gehört die Arena dem Kanton: Dieser pfeift auf die Pläne privater Veranstalter. Ein Konzert von Biffy Clyro ist damit geplatzt, andere Events wandern jetzt nach Zürich ab.

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las
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Piero Vecchioli von der More Entertainment Group hat jahrelang Events für die Genossenschaft St.-Jakob-Arena vermarktet. Mit der kantonalen Übernahme der Anlage fallen diese nun ins Wasser.

Piero Vecchioli von der More Entertainment Group hat jahrelang Events für die Genossenschaft St.-Jakob-Arena vermarktet. Mit der kantonalen Übernahme der Anlage fallen diese nun ins Wasser.

20 Minuten/las
In die Arena passen rund 6000 Zuschauer. Auch ohne Eis ist sie ein attraktiver Veranstaltungsort.

In die Arena passen rund 6000 Zuschauer. Auch ohne Eis ist sie ein attraktiver Veranstaltungsort.

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Der Kanton will aber nur noch Eissport in der Arena, auch wenn dieser in Basel keine feste Grösse darstellt.

Der Kanton will aber nur noch Eissport in der Arena, auch wenn dieser in Basel keine feste Grösse darstellt.

Keystone/Georgios Kefalas

«Die Hauptnutzung der Eishalle St.-Jakob-Arena liegt in Zukunft beim Eissport und nicht bei Events», sagt Simon Thiriet, Sprecher des Erziehungsdepartements Basel-Stadt. Dieses ist seit knapp einer Woche für die Anlage verantwortlich. Die geplante Neuausrichtung ist seit dem 22. Juni bekannt, als der Kanton die Übernahme der Arena ankündigte. Erst jetzt wird aber klar, was dies für Event-Veranstalter bedeutet: Sie werden kurzerhand aus der Arena geschmissen.

«Bindende Vereinbarungen haben wir von der Genossenschaft nicht übernommen», so Thiriet über Reservationen bei der bisherigen Inhaberin, der Genossenschaft St.-Jakob-Arena. Deren Eventvermarkter, die More Entertainement Group, verliert damit 11 Events bis Anfang 2018, für die sie die Arena gebucht hatte. Ob diese nun in der St.-Jakobshalle stattfinden können, bleibt offen, denn diese hat ihren eigenen Eventplan und steht nicht im benötigen Zeitrahmen zur Verfügung.

Veranstalter stinksauer

Piero Vecchioli von More Entertainment ist fassunglos: «Ich wollte dem Kanton die Events ohne Provision übertragen. Statt einer klaren Antwort verwies man mich immer an jemand anderen. Jetzt wandern die Veranstalter nach Zürich ab.» Schon vier hätten wegen des Hin-und-Her abgesagt. Auf alternative Termine in der Halle wollten sie nicht warten, so Vecchioli: «Für den Eventstandort Basel ist das sehr bedauernswert.»

Als Kern des Problems sieht Vecchioli die Organisation unter Thomas Kastl. Dieser schiebe sich als vom Kanton angestellter Geschäftsführer der Halle selber Verträge zu, ohne Rücksicht auf die Künstler zu nehmen. Denn Kastls privates Unternehmen, die Levent AG, kassiert Provisionen, wenn Veranstaltungen in der Halle stattfinden – im Auftrag des Kantons, wie Thiriet bestätigt.

Dieses Doppelmandat wurde in der Vergangenheit bereits kritisiert. Schon 2006 rügte die Geschäftsprüfungskommission Regierungsrat Christoph Eymann (LDP), so die «Tageswoche», der Kastl als Chef der Halle installiert hatte. Kastl verliess die Position 2009, erhielt aber 2013 nach einer Ausschreibung erneut den Zuschlag für die Halle.

Schottische Shootingstars abgeschossen

Momentan sei Kastl auch Ansprechperson für Veranstaltungen in der Arena, so Thiriet. Ein Reservationsgesuch von More Entertainment für den Auftritt einer Band am 18. Oktober in der Arena wies er mit Verweis auf die neue Eventpolitik ab. Es handelt sich dabei um die schottischen Shootingstars Biffy Clyro, wie 20 Minuten in Erfahrung bringen konnte. Stattdessen wollte Kastl die Band in die Halle holen, wie er Vecchioli per E-Mail mitteilte. Nur finden dort zu dem Zeitpunkt die Vorbereitungen für die Swiss Indoors statt. Die Arena steht derweil leer.

Vecchioli vermutet, dass Kastl die Eventpolitik nur als Deckmantel nutzt, um Profit aus der Halle zu schlagen. Organisatorisch sei die Entscheidung nicht nachvollziehbar. Für die Eventveranstalter und die Band ergäben sich daraus nur Probleme.

«Die Auftritte werden Monate im Voraus gebucht», sagt Vecchioli enttäuscht. Grosse Künstler würden wegen solchen politischen Interventionen nicht einfach ihre Tourpläne ändern. «Sie gehen dann ins Hallenstadion in Zürich und machen künftig einen grossen Bogen um Basel», sagt er.

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