Aktualisiert 14.02.2020 11:22

Wegen Swisscom-Panne

Kanton Schwyz führt «Steinzeit»-System ein

Wegen der Swisscom-Panne in der Nacht auf Mittwoch waren erneut keine Notrufnummern erreichbar. Nun setzt der Kanton Schwyz auf alte Funktechnik.

von
jab
1 / 7
Nichts ging mehr bei Swisscom: Der Telekomriese hatte am 11. Februar 2020 mit einer technischen Panne zu kämpfen. Auch Notrufe waren davon betroffen.

Nichts ging mehr bei Swisscom: Der Telekomriese hatte am 11. Februar 2020 mit einer technischen Panne zu kämpfen. Auch Notrufe waren davon betroffen.

Screenshot allestoerungen.ch
Damit zukünftig keine Notrufe mehr beeinträchtigt werden, wenn das Internet ausfällt hat der Kanton Schwyz zu einer bereits älteren Lösung gegriffen.

Damit zukünftig keine Notrufe mehr beeinträchtigt werden, wenn das Internet ausfällt hat der Kanton Schwyz zu einer bereits älteren Lösung gegriffen.

Screenshot allestoerungen.ch
Errichtet werden sogenannte Notfall-Treffpunkte, die meistens bei den Feuerwehrlokalen der Gemeinde liegen.

Errichtet werden sogenannte Notfall-Treffpunkte, die meistens bei den Feuerwehrlokalen der Gemeinde liegen.

Amt für Militär, Feuer- und Zivilschutz Schwyz

Bei Wartungsarbeiten hat die Swisscom in der Nacht zum Mittwoch grosse Teile ihres Netzes lahm gelegt. Betroffen waren erneut auch die Notrufe. Nach der zweiten grossen Panne innerhalb eines Monats will das Bakom die Ursachen nun selber untersuchen.

Von 22.33 Uhr am Dienstagabend bis 00.10 Uhr am Mittwochmorgen ging für viele Swisscom-Kunden gar nichts mehr: Keine 4G-Mobiltelefonie, kein mobiles Internet, aber auch keine Festnetzverbindung und kein Internet zu Hause.

Um dies zukünftig zu verhindern, reagierte der Kanton Schwyz bereits. Fest stand: Das Lösungssystem darf nicht auf dem Internet basieren. Deshalb entschied sich der Kanton für sogenannte Polycom-Funksysteme, welche an diversen Notfall-Treffpunkten anzutreffen seien, wie Regierungsrat André Rüegsegger gegenüber dem «Boten»erklärt.

«Es ist wie ein Rückschritt in die Steinzeit»

Solche Notfall-Treffpunkte soll es überall im Kanton geben. Das dort installierte Polycom ist ein notstrombasiertes nationales Funksystem, wie der «Bote» berichtete. Es wird von Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit eingesetzt. «Es ist wie ein Rückschritt in die Steinzeit», sagt Regierungsrat Rüegsegger, «doch wenn das Internet nicht mehr funktioniert, müssen wir auf Altbewährtes zurückgreifen.» So können Menschen bei erneuten internetbasierten Störungen trotzdem einen Notruf tätigen.

Einsiedeln habe bereits Hinweisschilder angebracht. Andere Gemeinden würden damit noch abwarten. Trotzdem hätten die Gemeinden Arth, Altdorf und Lachen die Bewohner bereits über die Notfall-Treffpunkte informiert. Vermehrt befänden sich die Treffpunkte bei den Feuerwehrlokalen der Gemeinde. In Bennau wurde das Schild zwischen Schulhaus und Kirche angebracht, berichtete der «Bote».

Polizei, Feuerwehr und Rega sind gewappnet

Das Polycom-Funksystem wird aber nur bei länger dauernden Ausfällen in Betrieb genommen. Ausserdem würde bei einem Totalausfall des Internets auch die Polizei Massnahmen ergreifen. «So ist vorgesehen, bei einem längeren Ausfall der Notfallnummern die Feuerwehrdepots personell zu besetzen, und seitens der Kantonspolizei Schwyz würde eine erhöhte Patrouillentätigkeit und Dienstbereitschaft erstellt», sagt Polizeisprecher Florian Grossmann zum Boten. Auch können die Einsatzkräfte der Feuerwehr mittels Sirenenalarm ins Depot aufgeboten werden.

Auch die Rega-Einsatzzentrale am Flughafen Zürich setze seit längerem auf alternative Kommunikationsmittel, «um bei einem Totalausfall des Swisscom-Netzes ständig in Kontakt mit ihren 12 Einsatzbasen zu bleiben», wie Adrian Schindler, Mediensprecher der Rega erklärt. die Einsatzzentrale in Zürich koordiniert jegliche Einsätze in der gesamten Schweiz. «Dank Funktechnologie können die Rega-Einsatzleiter die Rettungshelikopter jederzeit aufbieten und mit der Crew in Kontakt bleiben», so Schindler weiter. Zudem könne man so mit anderen Blaulichtorganisationen kommunizieren, und dies «unabhängig vom Swisscom-Netz», wie Schindler sagt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.