Giswil OW: Kanton untersucht Herkunft von überfahrenem Wolf

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Giswil OWKanton untersucht Herkunft von überfahrenem Wolf

Am frühen Sonntagmorgen wurde in Giswil OW ein Wolf von einem Auto überfahren. Woher der junge Rüde kommt und was ihn in Siedlungsnähe brachte, wird jetzt untersucht.

von
Yann Bartal
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In Giswil OW wurde am Sonntag ein Wolf von einem Auto überfahren.

In Giswil OW wurde am Sonntag ein Wolf von einem Auto überfahren.

Amt für Wald und Landschaft OW
Das Tier war im Gebiet Gehri in Siedlungsnähe unterwegs, als es zum Unfall kam. 

Das Tier war im Gebiet Gehri in Siedlungsnähe unterwegs, als es zum Unfall kam. 

Google Maps
Wölfe im Kanton Obwalden stellen laut Experten keine Gefahr für die Bevölkerung dar. (Symbolbild)

Wölfe im Kanton Obwalden stellen laut Experten keine Gefahr für die Bevölkerung dar. (Symbolbild)

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Am frühen Sonntagmorgen wurde ein Wolf im Gebiet Gehri, Kleinteil Giswil überfahren.

  • Nach ersten Einschätzungen handelt es sich um einen jungen männlichen Wolf, der sein Rudel verliess.

  • Das Auftauchen des Jungtieres in Siedlungsnähe in Obwalden halten Experten für unproblematisch.

  • Die genetische Untersuchung des toten Wolfes soll nun Hinweise über die Abstammung und Herkunft des Tieres liefern.

Beim zuständigen Wildhüter ging am Sonntag um 4.20 Uhr die Meldung ein, dass im Gebiet Gehri ein Wolf von einem Auto überfahren worden sei. Sofort begab sich der Wildhüter an die Unfallstelle. Vor Ort konnte er nur noch den Tod des Wolfes feststellen, schreibt das Amt für Wald und Landschaft in einer Mitteilung. Gemäss Ersteinschätzung der Wildhut handelt es sich ein junges männliches Tier.

Woher der junge Wolf kam, ist noch völlig unklar, erklärt Cyrill Kesseli vom Fachbereich Wildtiere und Jagd auf Anfrage von 20 Minuten. Da der Aktionsradius eines Wolfes relativ gross sei, kann er von irgendwo her gekommen sein.

Wölfe in Obwalden immer noch ungefährlich

Der junge Wolf war offensichtlich unterwegs. Da Rüden in ihrem Rudel irgendwann nicht mehr toleriert werden, müssen sie sich ein frisches Gebiet suchen. Die meisten Jungwölfe verlassen daher ihr Rudel vor dem Erreichen der Geschlechtsreife mit ein bis zwei Jahren. 

Der Wolf wurde in einem Wildtierkorridor von regionaler Bedeutung überfahren. Und im Kanton gibt es sehr viel Streusiedlung. Dass der Wolf in der Nähe eines Siedlungsgebiets auftauchte, sei daher nicht weiter auffällig, meint Kesseli. «Die Wahrscheinlichkeit, dass der Wolf an einem bewohnten Gebäude vorbeikommt, ist einfach relativ hoch.»

Im Kanton Obwalden war das letzte gesicherte Ereignis mit einem Wolf am 28. April 2022. Eine positive DNA-Probe ergab damals mit Sicherheit, dass der Wolf ein Wildtier gerissen hatte.

«Der Unfalltod eines Wildtieres ist unabhängig der Tierart bedauerlich.»

David Gerke, Gruppe Wolf Schweiz

David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz bedauert den Unfalltod des Wolfes. Weiterhin sei aber die Siedlungsnähe des Fundortes völlig unproblematisch. «In Kulturlandschaften kommen Wölfe immer in Kontakt mit Siedlungen, das geht gar nicht anders. Solange die Wölfe den Menschen nicht mit Futter in Verbindung bringen, sind Wölfe in Siedlungsnähe völlig unproblematisch.»

Autopsie soll Klarheit schaffen

Das Tier wurde am Montagmorgen zur weiteren Untersuchung ans Institut für Fisch- und Wildtiergesundheit FIWI nach Bern gebracht. Dort werden der Gesundheits- und Nährzustand des Jungtieres sowie die genaue Todesursache untersucht. Nach Möglichkeit soll eine genetische Untersuchung Hinweise über die Abstammung und Herkunft des Wolfes liefern. Der Autopsiebericht dürfte erfahrungsgemäss etwa in einem Monat zu erwarten sein, meint Cyrill Kesseli.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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