Iselisberg TG: Kanton zahlt nichts für 250 tote Schafe
Aktualisiert

Iselisberg TGKanton zahlt nichts für 250 tote Schafe

Wegen Gift aus einem Tierkadaver im Futter sind in Iselisberg (TG) hunderte Schafe verstorben. Auf Hilfe durch den Kanton hoffte Landwirt Urs Maier vergeblich.

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nab
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Der Hof in Iselisberg gilt als der grösste Milchschafbetrieb der Schweiz.

Der Hof in Iselisberg gilt als der grösste Milchschafbetrieb der Schweiz.

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In den vergangenen Tagen sind hier 250 Schafe an Botulismus verendet.

In den vergangenen Tagen sind hier 250 Schafe an Botulismus verendet.

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Laut dem Veterinäramt des Kantons Thurgau hat Maier einen Vorzeigebetrieb, der hochprofessionell geführt wird.

Laut dem Veterinäramt des Kantons Thurgau hat Maier einen Vorzeigebetrieb, der hochprofessionell geführt wird.

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«Wir hätten uns finanzielle Unterstützung gewünscht», sagt Landwirt Urs Maier aus Iselisberg TG, dem der grösste Milchschafbetrieb der Schweiz gehört. Weil das Futter durch einen Tierkadaver verseucht war, starben 250 kürzlich seiner Schafe an einer Vergiftung. Es war der zweite Fall innert kürzester Zeit im Kanton Thurgau, bei dem Tiere am sogenannten Botulismus verendeten. Auf Unterstützung hofften die Landwirte jedoch vergeblich: Für beide Höfe gibt es keine Finanzspritze des Kantons.

Für Maier ist dies unverständlich: «Wir rechnen mit einem Schaden von rund 300'000 Franken.» Ein solcher Verlust reisse ein riesiges Loch in die Kasse. «Wir Bauern sind in solchen Fällen einfach auf einen finanziellen Schutz durch den Kanton angewiesen.» Einige Seuchen seien durch den Kanton abgedeckt, so Meier und man bekomme einen Anteil zurück. Bei Botulismus sehe das jedoch anders aus: «Da es sich um eine seltene Seuche handelt, ist rechtlich nichts geregelt.»

Drei Franken pro Impfung

Das sei wohl auch der Grund, warum sich niemand für die damit verbundenen Kosten verantwortlich fühle. «Der finanzielle Verlust ist aber nicht das Schlimmste», betont Maier: «Die Trauer über die verlorenen Tiere sitzt viel tiefer.» Die Schafe seien Familienmitglieder gewesen – seit er denken könne, gehörten sie zu seinem Leben. «Erst jetzt realisieren wir wirklich, was passiert ist.» Rückgängig machen könne er den Vorfall leider nicht mehr. Aber: Um solch ein Unglück in Zukunft zu vermeiden, habe er nun alle seine Tiere geimpft – vorsorglich: «Eine Impfung kostet rund drei Franken pro Schaf.»

«Das soll keinem Landwirt mehr passieren»

Ein Ersatz für die verstorbenen Tiere ist ebenfalls geplant. «Schafe aus Frankreich sind im Gespräch», erzählt der Landwirt. Bis diese aber bei ihm auf den Hof kämen, ginge es noch eine Weile: «Frühestens im Dezember 2017 sind wir wieder vollzählig.»

Trotz allem will er dem Kanton aber keinen Vorwurf machen: «Auf so etwas Schreckliches war niemand vorbereitet.» Er werde nun das Gespräch mit den zuständigen Leuten vom Kanton suchen. Dabei verfolgt er nur ein Ziel: «So etwas Schlimmes darf keinem einzigen Landwirt mehr passieren.»

Botulismus

Bei Schafen ist Botulismus in der Schweiz bisher kaum diagnostiziert worden. Ursache für die Vergiftung ist meistens ein Tierkadaver, der beim Mähen ins Futter gelangt. Dort entwickelt sich das Nervengift Botulinumtoxin. Im konkreten Fall war offenbar das Silofutter betroffen. Dieses wurde nun eingefroren und soll untersucht werden. Die Krankheit kann nicht vom Tier auf den Menschen übertragen werden.

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