Seit zwei Jahren in Einzelhaft: Kanton Zürich baut für Gefangenen Brian das Gefängnis um
Publiziert

Seit zwei Jahren in EinzelhaftKanton Zürich baut für Gefangenen Brian das Gefängnis um

Für ihren bekanntesten Gefangenen Brian alias Carlos baut die Zürcher Justizdirektion einen Spazierhof im Wert von 1,85 Millionen Franken. Der Häftling soll so von seinen Aufsehern getrennt werden, da ihr Verhältnis zu angespannt ist.

von
Bianca Lüthy
Die Zürcher Justizdirektion baut für einen Gefangenen extra ihr Gefängnis um.

Die Zürcher Justizdirektion baut für einen Gefangenen extra ihr Gefängnis um.

KEYSTONE

Der 24-jährige Brian, besser bekannt unter dem Pseudonym Carlos, sitzt seit zwei Jahren hinter Gittern. Als «jugendlicher Gewalttäter» geriet er vor sieben Jahren in den Fokus der Medien. 23 Stunden pro Tag verbringt er in seiner Zelle, am Wochenende sogar 24 Stunden. Hofgang gibt es für Brian nur mit Fuss- und Handfesseln, was ihm grosse Schmerzen bereitet, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

«Kaum ein Mensch hält das aus», sagt sein Anwalt Thomas Häusermann. Brian versuche aber stark zu bleiben. «Sie wollen mich brechen, aber das lasse ich nicht zu», so Brian. Er sei oft sehr wütend und habe Ticks entwickelt, was er auf das lange Alleinsein und die fehlende Bewegung zurück führt.

Da Forensische Experten bei Brian «ein hohes Risiko für Gewalt innerhalb der Gefängnismauern» festgestellt haben, bleibt ihm nur die Einzelhaft. Um Brian von seiner Zelle über den Gang in den Spazierhof zu bringen, schicke der Justizvollzug Pöschwies sechs Aufseher, welche mit Helm und Schutzschild ausgerüstet seien.

Im November 2019 wurde Carlos vom Bezirksgericht Dielsdorf zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt, weil er den Chef des Pöschwies tätlich angegriffen haben soll. Dies bestreitet Brian jedoch. «Ich will nur meine Ruhe. Ist man korrekt mit mir, bin ich auch korrekt», so der Häftling.

Brian erhält das falsche Essen und zu kleine Kleider

Schon die Einzelhaft an sich sei rechtlich fragwürdig, sagt Häusermann. Dazu kämen weitere Vorfälle, die zu oft vorkämen, als dass man sie als ledigliche Versehen bezeichnen könnte. So erhalte Brian zum Essen immer wieder Fleischgerichte, obwohl er Vegetarier sei. Auch falsche Kleidergrössen oder zu kaltes Duschwasser würden seinen Aufenthalt im Gefängnis schwierig gestalten.

Mindestens zwei Mal sollen sich Aufseher gegenüber Brian gewalttätig verhalten haben. Der Anwalt erstattete daraufhin Anzeige. Die Staatsanwaltschaft stufte den Einsatz als verhältnismässig ein. Doch die Aufnahmen der Überwachungskamera würden ein anderes Bild zeigen. Darauf sei zu sehen, wie ein Aufseher mit erhobenem Schutzschild versucht, Brian durch eine offene Tür zu bugsieren, worauf dieser den Aufseher heftig schubst. Sofort stürzen sich die sechs Männer auf Brian, reissen ihn zu Boden – und dann sind deutlich mehrere Schläge gegen Brian zu erkennen, ausgeführt von mindestens einem der Aufseher.

Geschwollene Nase sei «geringfügige Verletzung»

Die Aufnahmen machten aber auch das Obergericht stutzig: «So kräftig Brian auch sein mag – das Kräfteverhältnis war deutlich unausgeglichen.» Auch ein weiterer Vorfall, wovon Brian eine geschwollene Nase davontrug, stuften die Pöschwies-Verantwortlichen als «geringfügige Verletzungen» ein. Sämtliche Vorwürfe von Brians Anwalt weist die Justizdirektion zurück. «Die Mitarbeitenden der Pöschwies haben in diesem Fall jederzeit hochprofessionell gearbeitet», schreibt Sprecherin Rebecca de Silva.

Sein Anwalt sagt: «Brian hat längst das Vertrauen in die Aufsicht verloren, dass Wohlverhalten belohnt wird.» Das habe auch damit zu tun, dass immer dieselben Aufseher für seinen Mandanten zuständig sind. Das bedeutet: Die Aufseher, von denen einige gleichzeitig Hauptbelastungszeugen gegen Brian sind, aber auch als potenzielle Beschuldigte einvernommen werden, begleiten Brian Tag ein, Tag aus.

Anstatt Verlegung Bau-Projekt

Der Anwalt verlangt Brians Umplatzierung in ein anderes Gefängnis oder, noch besser, in ein neues Sondersetting, und verweist auf Brians viermonatigen Aufenthalt in Burgdorf im Frühling 2018: «Dort klappte es gut.» Eine Mediation zwischen den Beteiligten im Pöschwies sei gescheitert. Dennoch sei eine Verlegung im Moment kein Thema, dafür sollen nun für 1,85 Millionen zwei Zellen mit direktem, von aussen gesteuertem Hofzugang gebaut werden. Dann soll Brian täglich eine Stunde selbständig spazieren gehen können. Bereits im September soll der Trakt stehen.

Deine Meinung