Schaffhauser Kantonalbank kürzt Mitarbeiterinnen den Mutterschaftsurlaub
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Weniger Baby-ZeitKantonalbank kürzt Mitarbeiterinnen den Mutterschaftsurlaub

Junge Mütter erhalten bei der Schaffhauser Kantonalbank weniger Urlaubswochen. Wie die Männer erhalten die Frauen nun das gesetzlich vorgeschriebene Minimum. Laut Bank ist das «im Sinne der Gleichbehandlung».

von
Dominic Benz
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Frischgebackene Mütter, die bei der Schaffhauer Kantonalbank arbeiten, haben seit 1. Juli weniger Urlaubstage.

Frischgebackene Mütter, die bei der Schaffhauer Kantonalbank arbeiten, haben seit 1. Juli weniger Urlaubstage.

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Die Bank hat den Mutterschaftsurlaub gekürzt, wie der «Blick» schreibt. 

Die Bank hat den Mutterschaftsurlaub gekürzt, wie der «Blick» schreibt.

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Die Frauen erhalten nur noch 14 statt 16 Wochen Urlaub – das ist das gesetzliche Minimum. 

Die Frauen erhalten nur noch 14 statt 16 Wochen Urlaub – das ist das gesetzliche Minimum.

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Darum gehts

  • Junge Mütter bei der Schaffhauser Kantonalbank haben weniger Urlaub nach der Geburt.

  • Statt 16 Wochen wie bisher, gibt es nur noch 14.

  • Die Kürzung hat die Bank vorgenommen, weil auch der Vaterschaftsurlaub nicht länger als gesetzlich vorgeschrieben ist.

  • Aus der Branche gibts Kritik.

Die Mitarbeitenden der Schaffhauser Kantonalbank sind verärgert. Das Institut teilt ihnen mit, dass der Mutterschaftsurlaub gekürzt wird. Statt wie bisher 16 Wochen, gibt es neu nur noch das gesetzliche Minimum von 14 Wochen.

Eine Mitarbeiterin der Bank ist entsetzt. Zu «Blick» sagt sie: «Ich dachte, ich spinne, als ich die Mitteilung gelesen habe.» Die Angestellte ist eine von gut 330 Personen im Unternehmen. Gut die Hälfte sind Frauen.

«Im Sinne der Gleichbehandlung»

Die Kantonalbank reagiert mit der Kürzung laut eigenen Aussagen auf den Vaterschaftsurlaub, der im laufenden Jahr eingeführt wurde und zwei Wochen beträgt. «Der Gesetzgeber hat neu einen Vaterschaftsurlaub vorgesehen. Daher ist es im Sinne der Gleichbehandlung richtig, die Dauer des Mutterschaftsurlaubes auf 14 Wochen anzupassen», schreibt die Bank in einem internen Mail, das «Blick» vorliegt.

Die Bank kürzt den Frauen die Urlaubstage also, weil es auch bei den Männern das Minimum gibt. Auf Anfrage von 20 Minuten ergänzt die Kantonalbank: «Da der Gesetzgeber in diesem Jahr verschiedene personalrechtliche Anpassungen erlassen hat, haben wir neu den Grundsatz festgelegt, uns bezüglich der Dauer der Leistungen an den gesetzlichen Bestimmungen zu orientieren.»

In der Folge sei die Dauer des Mutterschaftsurlaubs und des Vaterschaftsurlaubes an die gesetzlichen Vorgaben angeglichen worden, teilt die Bank weiter mit. Der gekürzte Mutterschaftsurlaub ist bei der Kantonalbank am 1. Juli in Kraft getreten.

Kein Verständnis

Kein Verständnis für das Vorgehen des Unternehmens hat der Bankpersonalverband (SBPV). Die Kürzung des Mutterschaftsurlaubes sei absolut nicht branchenüblich, zitiert «Blick» Co-Geschäftsführerin Anne-Wienke. «Mich überrascht vor allem, dass das ausgerechnet bei einer Kantonalbank passiert. Die stehen normalerweise für familienfreundliche Arbeitsbedingungen.»

Die Urlaubstage aufs gesetzlich Minimum zu beschränken, findet Wienke gerade in der Finanzbranche nicht angemessen. In anderen Banken gehe die Tendenz hin zu sechs oder gar zwölf Monaten Mutterschaftsurlaub- Die 14 Wochen bei der Kantonalbank dagegen wirken geradezu mickrig, sagt Wienke im Bericht weiter.

Flexible Arbeitszeitmodelle bieten

Wie die Bank weiter auf Anfrage sagt, könne man die Kürzung aber nicht alleine betrachten. Das greife zu kurz. Die Attraktivität eines Arbeitgebers ergebe sich vielmehr aus einer Reihe von Massnahmen. «So werden im Mutterschafts- beziehungsweise Vaterschaftsurlaub nach Dienstjahren abgestuft bis zu 100 Prozent des effektiven Lohnes bezahlt.»

«Wichtig ist uns, Müttern und Vätern flexible Arbeitszeitmodelle bieten zu können, damit sie ihre Auszeit, den Wiedereinstieg und ihre Arbeitstätigkeit nach der Geburt ihres Kindes individuell gestalten können», so die Bank weiter.

Den Vorwurf, dass man mit der Kürzung der Urlaubstage sparen möchte, wehrt das Unternehmen ab. «Bei den Überlegungen standen zu keiner Zeit Kostenüberlegungen im Zentrum. Gesamtheitlich haben die verschiedenen Anpassungen nicht zu einer Einsparung geführt.»

Wie die Bank dem «Blick» mitteilte, habe man von den Mitarbeitenden keine negativen Reaktionen erhalten.

Mutter- und Vaterschaftsurlaub

14 WOCHEN SIND PFLICHT

Alle erwerbstätigen Mütter haben in der Schweiz laut Gesetz Anrecht auf einen bezahlten Mutterschaftsurlaub, die «Mutterschaftsentschädigung». Der Mutterschaftsurlaub endet 98 Tage (14 Wochen) nach seinem Beginn. Die Mütter erhalten 80 Prozent ihres Lohns in Form von Taggeldern, höchstens aber 196 Franken pro Tag. Kantonale Bestimmungen, Personalreglemente und Gesamtarbeitsverträge können weitergehende Lösungen vorsehen. Im vergangenen September hat die Schweizer Stimmbevölkerung zu einem zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub Ja gesagt. Dieser ist seit dem 1. Januar des laufenden Jahres gesetzlich vorgeschrieben.

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