Steueroasen-Affäre: Kantonalbanken halfen bei den Mauscheleien
Aktualisiert

Steueroasen-AffäreKantonalbanken halfen bei den Mauscheleien

«Offshore Leaks»-Dokumente zeigen, dass in der Schweiz nicht nur Grossbanken in die Affäre um Steueroasen verwickelt sind. Trotzdem gibt es Lob von einem der ehemals härtesten Kritiker des hiesigen Finanzplatzes.

von
hhs
Laut den «Offshore Leaks»-Unterlagen soll ein Angestellter der Zürcher Kantonalbank versucht haben, reiche Kunden zu gewinnen, die ihr Geld in Steueroasen parkierten.

Laut den «Offshore Leaks»-Unterlagen soll ein Angestellter der Zürcher Kantonalbank versucht haben, reiche Kunden zu gewinnen, die ihr Geld in Steueroasen parkierten.

Nicht nur die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse sind in die Affäre mit zwielichtigen Steueroasen verwickelt – sondern auch Kantonalbanken. Darunter jene aus Zürich, Luzern, St. Gallen und Graubünden, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Sie stützt sich dabei auf die Auswertung zahlreicher Dokumente aus den sogenannten «Offshore Leaks».

Das Blatt berichtet von einem Geschäftsmann, der in der Schweiz in den Verwaltungsräten diverser Firmen sitzt. Unterlagen mit Bezug zu den Kantonalbanken zeigten, wie dieser in Etappen 500'000, danach 740'000 US-Dollar und 1,7 Millionen Neuseeländische Dollar von einer Offshore-Firma auf die Luzerner Kantonalbank überweisen liess – insgesamt rund 2,5 Millionen Franken. Die Bank nahm gegenüber der «SonntagsZeitung» keine Stellung.

Ein weiteres Dokument belegt eine Überweisung aus einer Offshore-Firma an die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Auch diese wolle zum konkreten Fall aus Bankgeheimnisgründen nichts sagen. Aus anderen Unterlagen gehe hervor, dass ein ZKB-Mitarbeiter mit aggressiven Mitteln versucht habe, reiche Offshore-Kunden zu gewinnen.

Bündner KB zweifelt an Echtheit der Dokumente

Auch die St. Galler Kantonalbank taucht in den «Offshore Leaks»-Dokumenten auf. Portcullis Trustnet, eine der Firmen, die Offshore-Gesellschaften anbietet und deren Daten der «SonntagsZeitung» vorliegen, bewirbt die Tochterfirma Hyposwiss der Ostschweizer Bank als ideale Geschäftspartnerin. Die St. Galler Kantonalbank erklärt, Hyposwiss habe «zu keiner Zeit Hand geboten, um die nun breit diskutierten Offshore-Vehikel zu gründen oder zur Verfügung zu stellen».

Selbst die Graubündner Kantonalbank kommt in den E-Mails vor. Die Graubündner Kantonalbank hat laut einem E-Mail aus dem Offshore-Leaks Beziehungen zu den Steuerparadiesen. Die Bank zweifelt die Echtheit des Dokuments an und will sich weiter zur Sache nicht äussern.

Banken reagieren zurückhaltend

ZKB-Sprecher Urs Ackermann sagte am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, dass das Errichten von Briefkastenfirmen in Steueroasen grundsätzlich nicht illegal sei. Zudem seien die besagten Dokumente schwer einzuordnen.

Es gebe in den Dokumenten viele Namen, bei denen nicht eruiert werden konnte, in welchem Verhältnis sie zur ZKB stünden. «Fakt ist aber, dass wir nie eine Partnerin zur Konstruktion von Offshore-Firmen waren», sagte Ackermann. Dazu fehle es der Bank schlicht an Know-how.

Die St. Galler Kantonalbank bläst ins selbe Horn. Ihre Tochter Hyposwiss habe «zu keiner Zeit Hand geboten hat, um die nun breit diskutierten Offshore-Vehikel zu gründen oder zur Verfügung zu stellen», sagte ein Sprecher auf Anfrage der SDA. Er bestätigte damit Informationen der «SonntagsZeitung».

Die Graubündner und die Luzerner Kantonalbank waren am Sonntag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

«Millionen hinterziehen ist nicht richtig»

Die Kantone reagieren auf die Enthüllungen. Bern will nun das Steuerdossier des verstorbenen Playboys und Millionenerbens Gunter Sachs überprüfen.

Der Staat müsse konsequent einschreiten, betont auch Christian Wanner, der Präsident der Konferenz kantonaler Finanzdirektoren (FDK). «Mit den einen streiten wir um kleine Abzüge wegen Berufsunkosten, andere können Millionen hinterziehen. Das ist weder moralisch noch richtig», sagt der FDP-Politiker im Interview mit der «SonntagsZeitung».

Auch der Zuger Finanzdirektor Peter Hegglin - designierter Nachfolger Wanners als FDK-Präsident - sagte in der gleichen Ausgabe: «Der Bund muss im Rahmen von internationalen Organisationen, wie beispielsweise UNO, OECD oder G-20, darauf hinwirken, dass internationale Standards gesetzt werden.» Diese müssten sicherstellen, dass Trustvermögen korrekt besteuert werden.

Mario Tuor vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen betonte gegenüber der SDA, dass diese Standards schon lange auf internationaler Ebene gefordert würden - «auch ohne Enthüllungen». Diese würden jedoch die Strategie des Bundes bekräftigen. Zudem zeige die Affäre, dass andere Finanzplätze im Fokus stünden: «Für einmal sind nicht wir die Bösen.» (hhs/sda)

Ex-SPD-Finanzminister Hans Eichel lobt die Schweiz

Einer der ehemals schärfsten Kritiker des Schweizer Finanzplatzes findet nach der Enthüllung globaler Steueroasen nun lobende Worte. Hans Eichel war als SPD-Finanzminister von 1999 bis 2005 mitverantwortlich für den deutschen Kampf gegen das «helvetische Steuerschlupfloch». Jetzt erklärt der Finanzplatzspezialist im Interview mit der Zeitung «Schweiz am Sonntag», die Schweiz stehe bezüglich Schwarzgeld und Geldwäscherei im internationalen Vergleich heute «wesentlich besser» da. Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf stärker betroffene Staaten wie Singapur, die USA und vor allem Grossbritannien. Eichel betont deshalb: «Wenn jetzt immer mehr Veröffentlichungen über Steuerhinterzieher im Hoheitsgebiet Grossbritanniens kommen, ist das am wirksamsten.» (hhs)

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