Steigende Infektionszahlen – «Kantonaler Alleingang macht keinen Sinn»
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Steigende Infektionszahlen«Kantonaler Alleingang macht keinen Sinn»

Kantone mit hoher Inzidenz ergreifen Massnahmen wie Masken und 3G-Pflicht. Und sie sprechen sich mit den Nachbarn ab.

von
Claudia Blumer
Bettina Zanni
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Der Bundesrat überlässt das Ergreifen von Massnahmen den Kantonen. 

Der Bundesrat überlässt das Ergreifen von Massnahmen den Kantonen.

20min/Michael Scherrer
Vor allem die Ost- und Innerschweizer Kantone weisen eine ungünstige Lage auf. 

Vor allem die Ost- und Innerschweizer Kantone weisen eine ungünstige Lage auf.

20min/Celia Nogler
Am besten steht der Kanton Tessin da. 

Am besten steht der Kanton Tessin da.

Bettina Zanni

Darum gehts

  • Der Bundesrat verzichtet auf schweizweite Massnahmen und fordert Kantone mit einer ungünstigen Corona-Lage zum Handeln auf.

  • Da wenig Intensivbetten belegt sind, halten einige Kantone Massnahmen zurzeit für unnötig.

  • Andernfalls wünschen die Kantone ein einheitliches Vorgehen.

Der Bundesrat fordert die Kantone quasi auf, etwas gegen die steigenden Infektionszahlen zu machen. Nicht alle Kantone, aber diejenigen mit einer ungünstigen epidemiologischen Lage. Es sind vor allem die Ost- und Innerschweizer Kantone. Angeführt wird die Liste von Schwyz, Nidwalden, beiden Appenzell, Thurgau und St. Gallen, wie Daten von SRF zeigen. Sie weisen die höchste 7-Tage-Inzidenz auf. Am besten steht der Kanton Tessin da.

Wie reagieren die Kantone, die jetzt zum Handeln aufgefordert sind? In Ausserrhoden diskutiert der Regierungsrat nächste Woche eine Masken- und 3G-Pflicht für Alters- und Pflegeheime sowie Spitäler, für Personal und Besuchende. Entschieden sei noch nichts, doch es gehe in diese Richtung, sagt Gesundheitsdirektor Yves Noël Balmer (SP). Auch werde jetzt schon mehr getestet an Schulen.

Hospitalisierungen seien im Sommer höher gewesen

Entscheiden wird der Regierungsrat in Appenzell Ausserrhoden kommende Woche, nachdem sich die Ostschweizer Gesundheitsdirektoren am Montagmorgen an einer Telefonkonferenz besprochen haben. Ein kantonaler Alleingang mache wenig Sinn, sagt Balmer. Dennoch hält er es für richtig, dass der Bundesrat sich zurückhält. Die Hospitalisierungen seien zwischen Sommer- und Herbstferien deutlich höher gewesen, heute sei stattdessen die Positivitätsrate höher, während die Hospitalisierungen auf tiefem Niveau blieben bisher. «Und der Bundesrat hat im Sommer gesagt, dass er, sobald alle Impfwilligen geimpft sind, nur noch Massnahmen zur Entlastung des Gesundheitswesens ergreifen wird.»

Der Kanton Thurgau plant aktuell keine Massnahmen. «Nicht die Anzahl Fälle, sondern die Anzahl Hospitalisierungen ist matchentscheidend», sagt der Thurgauer Gesundheitsdirektor Urs Martin. Zurzeit lägen im Thurgau weniger Covid-Patientinnen und -Patienten als vor zwei Monaten im Spital oder auf der Intensivstation. Die Entwicklung sei schwierig vorauszusehen. «Wir schauen genau, was in Österreich und in Bayern passiert.» Klar sei, dass der Kanton die Kapazitäten für die Boosterimpfung maximal hochfahre. «Alle, die eine dritte Impfung wollen, können sich dafür anmelden.»

Regionale Abstimmung sei wichtig

Ähnlich klingt es im Kanton Schwyz. Zusätzliche Massnahmen seien derzeit nicht geplant, da eine Überlastung der Intensivstation nicht unmittelbar drohe, sagt Petra Steimen-Rickenbacher (FDP), Innendirektorin und Landammann im Kanton Schwyz. Für den Fall, dass Massnahmen ergriffen werden müssten, wäre es wichtig, sie regional abzustimmen.

Zwar beobachte man im Kanton Schwyz die Fallzahlen und Spitaleintritte «mit einer gewissen Sorge», sagt Petra Steimen, «insbesondere in Kombination mit der tiefen Impfquote im Kanton». Wichtig seien deshalb die Booster-Impfungen für ältere und vulnerable Personen, das konsequente Testen, Abstand halten und Maske tragen. Die Selbstverantwortung der Mitbürgerinnen und -bürger sei wichtig.

«Kein Flickenteppich»

Skeptisch äussert sich der Kanton Nidwalden, der am Montag wieder eine Maskenpflicht für alle Lehrpersonen sowie für Lernende ab der Sekundarstufe I eingeführt hat. Dem Kanton Nidwalden sei es ein Anliegen, dass es keinen Flickenteppich an Massnahmen über die ganze Schweiz gebe, sollte die Verschlechterung der Situation anhalten, heisst es beim Kanton auf Anfrage. «Dennoch denkt auch der Nidwaldner Regierungsrat in Szenarien und erarbeitet gegenwärtig weitere kantonale Schutzmassnahmen für den Fall, dass sich die epidemische Lage in den nächsten Tagen weiter verschärft und Auswirkungen auf die Zahl der Hospitalisationen befürchtet werden müssen.»

Bedenken hat auch die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) zum Vorgehen des Bundesrats. Die Entwicklung sei schweizweit ungünstig, sagt Mediensprecher Tobias Bär. «Und die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass kantonal unterschiedliche Massnahmen bei einer Dynamik, wie wir sie derzeit sehen, in der Bevölkerung auf wenig Verständnis stossen.»

Aus der Sicht der GDK müsse mit Vorlauf auch über weitere nationale Massnahmen diskutiert werden, sagt Bär. In Frage kämen auf nationaler Ebene etwa eine Ausweitung der Maskenpflicht primär in Innenräumen, vermehrtes Homeoffice oder Kapazitätsbeschränkungen.

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