Aktualisiert 08.11.2019 10:28

Neue BewilligungenAm Sonntag dürfen jetzt mehr Läden offen halten

An immer mehr Bahnhöfen ist die uneingeschränkte Sonntagsöffnung erlaubt. Das widerspreche dem Volkswillen, sagen Kritiker.

von
Stefan Ehrbar
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An sieben weiteren Bahnhöfen dürfen Läden und Dienstleister seit kurzem sonntags öffnen – nämlich in Bülach, Burgdorf, Dietikon, Lenzburg, Morges, Renens und Thalwil.

An sieben weiteren Bahnhöfen dürfen Läden und Dienstleister seit kurzem sonntags öffnen – nämlich in Bülach, Burgdorf, Dietikon, Lenzburg, Morges, Renens und Thalwil.

Keystone/Gaetan Bally
Insgesamt dürfen neu an 45 Bahnhöfen und 6 Flughäfen nicht nur Kioske und Bäckereien, sondern etwa auch Coiffeure, Kleider- oder Elektroläden sonntags öffnen.

Insgesamt dürfen neu an 45 Bahnhöfen und 6 Flughäfen nicht nur Kioske und Bäckereien, sondern etwa auch Coiffeure, Kleider- oder Elektroläden sonntags öffnen.

Keystone/Peter Schneider
Die Ausnahmeregeln gehen auf eine Abstimmung von 2005 zurück, als das Stimmvolk knapp den Sonntagsverkauf in «Zentren des öffentlichen Verkehrs» erlaubte.

Die Ausnahmeregeln gehen auf eine Abstimmung von 2005 zurück, als das Stimmvolk knapp den Sonntagsverkauf in «Zentren des öffentlichen Verkehrs» erlaubte.

Keystone/Ennio Leanza

Mit dem Segen des Bundes haben Kantone weitere Ausnahmebewilligungen für die dauerhafte Sonntagsöffnung erteilt. Waren es bisher 38 Bahnhöfe, sind es seit September 45. Der Bund hat sieben Bahnhöfe – Bülach, Burgdorf, Dietikon, Lenzburg, Morges, Renens und Thalwil – in die entsprechende Verordnung aufgenommen.

An diesen Bahnhöfen dürfen nicht nur Kioske und Bäckereien geöffnet sein. Auch Coiffeure, Elektronik- oder Kleiderläden können dort sonntags ihre Waren verkaufen und Personal beschäftigen. Neben grossen Bahnhöfen wie dem Zürcher Hauptbahnhof oder Bern gilt die Sonderregelung auch für kleinere wie Baden, Thun oder Visp (siehe Box).

«Volkswille missachtet»

Noch 2006 waren erst 29 Bahnhöfe auf dieser Liste aufgeführt. Ein Jahr zuvor hatte die Stimmbevölkerung mit 50,6 Prozent Ja-Anteil entschieden, dass die Geschäfte in «Zentren des öffentlichen Verkehrs» sonntags geöffnet sein dürfen. Der Bundesrat versprach damals: In den Genuss der Ausnahmeregelungen kämen nur Bahnhöfe mit hohem Reiseverkehr und vielen Umsteigern. «So wird ausgeschlossen, dass kleine Bahnstationen zu Verkaufszentren umgewandelt werden», schrieb er in einer Botschaft.

Dieses Versprechen habe der Bund gebrochen, heisst es bei der Gewerkschaft Unia. Sprecherin Leena Schmitter sagt: «Damals war die Rede von 25 grossen Bahnhöfen. Dass es heute deutlich mehr sind, überrascht leider nicht.»

Die Sonderöffnungszeiten seien eigentlich nur für Reisende gedacht gewesen. «Man sieht jetzt aber, dass die Ladenketten sehr viel Geld in die Werbung für Sonntagsshopping investieren und sich die Bahnhöfe in Shoppingzentren verwandeln, ohne dass die Läden eine Sozialpartnerschaft eingehen oder Kompensationen für das Personal anbieten.»

«Geldmacherei der SBB»

Sonntagsarbeit sei in der Schweiz verboten. Die Lücke an Bahnhöfen höhle das aus, sagt Schmitter. Es gehe aber auch anders. Nachdem die Stimmbevölkerung 2013 entschied, dass auch Tankstellenshops sonntags und in der Nacht geöffnet sein dürfen, hätten die Arbeitgeber einen GAV ausgehandelt, lobt Schmitter. Bei den Bahnhöfen sei das anders: Hier gehe es um «Geldmacherei der SBB» und um eine «Entwicklung ohne jegliche Sozialverantwortung.»

Damit an einem Bahnhof oder Flughafen die Sonntagsöffnung erlaubt wird, muss der entsprechende Betrieb – etwa die SBB – beim Standortkanton ein Gesuch einreichen. Dieser prüft, ob die Voraussetzungen gegeben sind, und bewilligt den Sonntagsverkauf unter Vorbehalt der Zustimmung des Bundes. Der Bund «plausibilisiert» die Gesuche, heisst es beim Staatssekretariat für Wirtschaft. Es sei auch schon vorgekommen, dass man Antragsstellern kommuniziert habe, dass ihr Gesuch chancenlos sei, worauf diese Anträge zurückgezogen worden seien.

Detailhandel begrüsst Ausnahmen

Für die IG Detailhandel, in der etwa Coop, Migros und Manor vertreten sind, gehen die neuen Ausnahmebewilligungen in die richtige Richtung. «Wir begrüssen die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten und die Aufnahme weiterer Bahnhöfe», sagt Sprecherin Athéna Martinez.

Diese Anpassung trage veränderten Konsumgewohnheiten Rechnung. «Dazu gehört das Bedürfnis, auch am Sonntag einkaufen zu können.» Zudem würden die Rahmenbedingungen für den stationären Detailhandel verbessert und Arbeitsplätze geschaffen – in einem «schwierigen Marktumfeld».

Hier ist Sonntagsverkauf erlaubt

Bahnhöfe:

Aarau, Baden, Basel Badischer Bahnhof, Basel SBB, Bellinzona, Bern, Biel, Brig, Bülach, Bulle, Burgdorf, Chur, Dietikon, Frauenfeld, Freiburg, Genf, Genf Flughafen, Lausanne, Lenzburg, Lugano, Luzern, Morges, Neuchâtel, Nyon, Olten, Renens, Schaffhausen, Sion, Solothurn, St. Gallen, Thalwil, Thun, Uster, Vevey, Visp, Wil, Winterthur, Yverdon-les-Bains, Zug, Zürich Flughafen, Zürich-Altstetten, Zürich-Enge, Zürich Hauptbahnhof, Zürich-Oerlikon, Zürich-Stadelhofen

Flughäfen:

Bern-Belp, Genf-Cointrin, Lugano-Agno, Sion, St. Gallen-Altenrhein, Zürich-Kloten.

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