Viele positive Klassenpools – «Kantone, die aufs Testen verzichten, spielen mit dem Feuer»

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Viele positive Klassenpools«Kantone, die aufs Testen verzichten, spielen mit dem Feuer»

Im Kanton Baselland kehren Klassen erst ins Klassenzimmer zurück, nachdem sie getestet wurden. Die Zahl der positiven Pools ist gross. Die Strategie sei goldrichtig, sagt der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland.

von
Lukas Hausendorf
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Im Kanton Baselland erfolgt die Rückkehr ins Klassenzimmer gestaffelt. Zuerst werden alle getestet.

Im Kanton Baselland erfolgt die Rückkehr ins Klassenzimmer gestaffelt. Zuerst werden alle getestet.

20min/Taddeo Cerletti
Von den 711 Pools fielen am Montag 101 positiv aus. Rund 2500 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen müssen zum Nachtest.

Von den 711 Pools fielen am Montag 101 positiv aus. Rund 2500 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen müssen zum Nachtest.

20min/Taddeo Cerletti
Am Mittwoch kehren die ersten Klassen zurück in den Präsenzunterricht. «Das war die goldrichtige Strategie», sagt Philipp Loretz, Vizepräsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland.

Am Mittwoch kehren die ersten Klassen zurück in den Präsenzunterricht. «Das war die goldrichtige Strategie», sagt Philipp Loretz, Vizepräsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

Die ersten Klassen kehren im Kanton Baselland erst am Mittwoch zurück ins Klassenzimmer – am dritten Tag nach dem regulären Schulstart. Andere erst später. Denn: Im Baselbiet müssen Klassen zuerst zum Pooltest antraben. Negativ Getestete dürfen zurück in den Präsenzunterricht, in positiven Pools müssen zunächst die Infizierten isoliert werden. Dieses Vorgehen ist schweizweit einzigartig.

Auf Anfrage von 20 Minuten legten beide Basel ihre Testdaten vom Montag offen. Im Kanton Baselland waren von den 711 Pools am Montag 101 positiv, also knapp jeder siebte. Getestet wurden insgesamt 9438 Kinder und Lehrpersonen. «Die sehr hohe Zahl an positiven Pools zeigt, wie wichtig das repetitive Testen ist», kommentiert Andrea Bürki, Sprecherin des Kantonalen Krisenstabs, das Ergebnis. Bis zu 2500 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen mussten in der Folge noch am Montag oder dann am Dienstag zum Nachtesten.

Die Positivitätsraten der Pooltests dürften in beiden Kantonen neue Spitzenwerte erklommen haben. In Basel-Stadt lag diese in der Primar- und Sekundarstufe 1 vor den Weihnachtsferien bei knapp über acht Prozent. In Basel-Stadt waren am Montag von 222 Pools 24 positiv. Dort kehrten alle Schülerinnen und Schüler schon am Montag zurück in ihre Klassenzimmer. In Baselland wird die Positivitätsrate der Pooltests nicht ausgewiesen.

«Das war das einzig Vernünftige»

Im Kanton Baselland, wo am Montag Hunderte in Liestal vor dem Regierungsgebäude gegen die ausgedehnte Masken- und Testpflicht für alle Schulstufen demonstriert hatten, ist die Lehrerschaft froh über die strengen Schutzmassnahmen. «Das war die goldrichtige Strategie», sagt Philipp Loretz, Vizepräsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland. Nach den Schulferien habe man schon im vergangenen Jahr wiederholt beobachten können, wie die Fallzahlen gestiegen seien. Zuletzt am stärksten vor Weihnachten. Da sei der gestaffelte Einstieg nun «das einzig Vernünftige».

Loretz sagt darum auch: «Kantone, die nicht testen, spielen mit dem Feuer.» So setzt etwa der Kanton Bern weiterhin auf das sogenannte Ausbruchstesten. Dabei werden Massentests erst nach einem Covid-19-Ausbruch vorgenommen.

Lehrpersonen am Limit

Der LVB erhielt auch bereits Rückmeldungen aus anderen Kantonen. Gehe es nach der Lehrerschaft, würde das Baselbieter Modell Schule machen. Loretz weiss, viele Lehrpersonen sind am Limit, die Furcht vor Impfdurchbrüchen ist weit verbreitet, mehrere Lehrpersonen sind auch schon trotz doppelter Impfung erkrankt. Aufsehen erregte etwa der Fall der Landrätin und Kindergärtnerin Miriam Locher (SP), die sich nach ihrer Infektion auf Twitter den Frust von der Seele schrieb.

«Die jetzt ergriffenen Massnahmen erhöhen den Schutz für Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler», sagt er. Er verstehe zwar, dass Masken keinen Spass machen. «Aber was ist das grössere Übel?», fragt er. Vor dem Hintergrund drohender Schulschliessungen fällt seine Antwort klar aus.

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