Auf Empfehlung von Swissmedic: Kantone halten tausende Dosen für Zweitimpfungen zurück
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Auf Empfehlung von SwissmedicKantone halten tausende Dosen für Zweitimpfungen zurück

Swissmedic empfiehlt den Kantonen, für jeden Erstgeimpften eine Zweitimpfung zu lagern. Einige Kantone impfen aber jetzt schon schneller. GLP-Nationalrat Martin Bäumle fordert eine nationale Strategie.

von
Leo Hurni
Daniel Graf
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Sollen in der Schweiz weniger Leute zweimal geimpft werden und dafür mehr Leute eine Erstimpfung erhalten? Das empfiehlt Andreas Widmer, Präsident des nationalen Zentrums für Infektionsprävention Swissnoso.

Sollen in der Schweiz weniger Leute zweimal geimpft werden und dafür mehr Leute eine Erstimpfung erhalten? Das empfiehlt Andreas Widmer, Präsident des nationalen Zentrums für Infektionsprävention Swissnoso.

20min/Simon Glauser
Derzeit ist der Impfstoff noch knapp. Die Impfstrategien der Kantone unterscheiden sich stark. 

Derzeit ist der Impfstoff noch knapp. Die Impfstrategien der Kantone unterscheiden sich stark.

20min/Taddeo Cerletti
Im Kanton Wallis lagert man etwa genug Impfdosen, damit  für alle Erstgeimpften auch die Zweitimpfung garantiert werden kann. Zurzeit sind das rund 10’000 Dosen.

Im Kanton Wallis lagert man etwa genug Impfdosen, damit für alle Erstgeimpften auch die Zweitimpfung garantiert werden kann. Zurzeit sind das rund 10’000 Dosen.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Swissmedic empfiehlt den Kantonen, genügend Impfstoff zu lagern, damit für alle Erstgeimpften auch die Zweitimpfung garantiert werden kann.

  • Gewisse Kantone halten sich daran und lagern Impfstoff – auch wenn weitere Lieferungen angekündigt sind. Das sorgt bei einigen Experten für Unverständnis.

  • Andere verimpfen in Erwartung weiterer Lieferungen mehr Impfstoff, als von Swissmedic empfohlen.

In der Debatte rund um die Impfstrategie der Schweiz wird der Ruf nach mehr Erstimpfungen lauter, um möglichst schnell eine Herdenimmunität zu erreichen und so den Lockdown zu beenden. Swissnoso-Präsident Andreas Widmer rät den Kantonen, jetzt sämtlichen Impfstoff zu verwenden, um möglichst viele Erstimpfungen durchzuführen. Damit könne man aus dem Lockdown gehen und die damit verbundenen «immensen» Kosten verhindern.


Rund 10’000 Impfdosen allein im Wallis auf Lager

Viele Kantone orientieren sich an den Empfehlungen der Zulassungsstelle Swissmedic und lagern genug lmpfstoff, um auf jeden Fall auch Zweitimpfungen garantieren zu können (siehe Box). So auch der Kanton Luzern. Gemäss Empfehlungen des Bundes landen in Luzern von jeder Impflieferung 50 Prozent im Lager, um die Zweitimpfung auf jeden Fall zu garantieren. Diese Praxis werde überprüft und gegebenenfalls angepasst, «wenn der Bund seine Strategie ändert oder die Impfstofflieferungen regelmässig in grossen Mengen eintreffen», erklärt David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport.

Die Lagerung ist auch im Kanton Wallis ein Thema. «Das BAG empfiehlt, die zweite Dosis zu verimpfen, ohne allzulange zu warten. Um das sicherzustellen und auch wie von Swissmedic empfohlen, lagern wir genug Impfdosen, damit wir sicher für alle die Zweitimpfung garantieren können», sagt Nicolas Troillet, stellvertretender Kantonsarzt. Zurzeit seien das rund 10’000 Impfdosen. Die Lagerung sei aber nicht mehr notwendig, sobald der Bund genug Impfstoff liefere.

Lieferungen fest eingeplant

Andere Kantone rechnen bereits fest mit den vom Bundesrat versprochenen Lieferungen. So legt der Kanton Zürich aufgrund der grösseren Liefermengen und der vom Bund bekräftigten Liefersicherheit nicht mehr sämtliche Zweitimpfdosen zurück. Dank weiteren Lieferungen stehen dem Kanton alleine im April rund 330'000 Impfungen zur Verfügung.

Auch kleinere Kantone verzichten teilweise auf eine Impflagerung. «Wir verimpfen derzeit etwa 80 Prozent des gelieferten Impfstoffes, denn wir wissen, dass wir bald sehr viel mehr Impfstoff erhalten werden. Eine unnötige Lagerung macht für uns daher keinen Sinn», sagt die Schwyzer Kantonsapothekerin Regula Willi-Hangartner.

«Es braucht eine nationale Koordination»

Dass jeder Kanton eine eigene Strategie verfolgt, ist für GLP-Nationalrat Martin Bäumle nicht nachvollziehbar: «So bleibt unnötig viel Impfstoff in den Lagern. Kleinere Kantone könnten problemlos den ganzen Impfstoff verimpfen. Sollte es zu Lieferschwankungen kommen, könnte das durch die grösseren Kantone ausgeglichen werden.»

Schwierig wäre für Bäumle, wenn plötzlich weder der Bund noch die Kantone Dosen für Zweitimpfungen zurückhalten würde. «Wenn es dann zu Lieferverzögerungen kommt, haben wir ein Problem.» Bäumle fordert deshalb eine nationale Koordination: «Beim Impfen zählt jeder Tag. Der Bund muss sicherstellen, dass schweizweit so viele Erstimpfungen wie nur möglich gemacht werden, ohne dass allfällige Lieferverzögerungen gleich die ganze Impfstrategie gefährden.»

Die Empfehlungen von Swissmedic

Swissmedic empfiehlt zusammen mit der eidgenössischen Komission für Impffragen (EKIF) den Kantonen, genügend Impfung zu lagern, damit für alle Erstgeimpften auch die Zweitimpfung garantiert werden kann. Diese soll sechs Wochen nach der ersten Impfung gemacht werden. Denn die zweite Impfdosis sei für die Immunantwort wichtig, erklärt Alex Josty, Mediensprecher bei Swissmedic. Antikörper für einen genügenden Schutz seien erst nach der zweiten Dosis entwickelt. Zudem fehlten bisher Daten aus klinischen Studien, die belegen können, dass mit nur einer Dosis schwere Verläufe verhindert werden können.

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Deine Meinung

42 Kommentare
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fillo 52

09.04.2021, 20:21

Ich 69 zig , seid 2 Monaten angemeldet zum impfen! Im Aargau hats 8000 Termine frei, da passiert nichts ? Bitte Impfung vorantreiben und die Politiker in die Ferien schicken ha ha

RagnarRök

09.04.2021, 19:23

Laut Tagesschau SRF wird es nun schon August bis alle die impfen wollen geimpft sind. Woll gemerkt mit dem Hinweis, jetzt geben wir gas. Lach lach lach

Jurist007

09.04.2021, 11:21

Wer garantiert dass wir Impfstoff in Grössen Mengen erhalten. Dem BR glaube ich nicht.