Aktualisiert 23.04.2013 15:39

Immobilienmarkt

Kantone und Gemeinden als grosse Profiteure

Der anhaltende Immobilien-Boom beschert Kantonen und Gemeinden Steuereinnahmen in Rekordhöhe. Doch der Staat sollte sich nicht an die Zusatzeinnahmen gewöhnen, warnen Experten.

von
Balz Bruppacher

Der Staat als Profiteur des Immobilienbooms: Auf diesen Nenner bringt die Beratungsfirma Wüest & Partner ihr neuestes Immobilien-Monitoring. Das überraschende Resultat der Studie: Im Jahr 2010 sind über Immobilien 6,6 Milliarden Franken an Abgaben, Gebühren und Steuern in die Staatskassen geflossen. Das sind 39 Prozent mehr als 2002.

«Immobilien stellten in den vergangenen Jahren nahezu perfekte Steuerobjekte dar», heisst es. In den Boom-Jahren hat sich durch die rasante Bautätigkeit nicht nur die Zahl der Miet-, Einfamilien- und Geschäftshäuser erhöht. Auch der Marktwert dieser Gebäude zeigte markant nach oben.

71 Prozent mehr Vermögenssteuern

Das freut die kantonalen Finanzdirektoren: Sie können mehr Vermögenssteuern kassieren. Bei marktgerechter Einschätzung des Vermögens an Wohneigentum erhöhten sich diese Steuereinnahmen zwischen 2002 und 2011 um 71 Prozent, von 1,1 auf 2 Milliarden Franken.

Die Grundstück-Gewinnsteuern sind gemäss Studie um 42 Prozent auf 1,5 Milliarden Franken gestiegen. Diese Einnahmen füllen die Kassen der Kantone und teilweise auch der Gemeinden.

St. Moritz profitiert überdurchschnittlich

Besonders lukrativ ist es für den Staat an den sogenannten Hotspots, wo die Immobilienpreise am stärksten in die Höhe schossen und bei Handänderungen entsprechend satte Gewinne anfallen.

Die Experten von Wüest & Partner illustrieren dies am Beispiel von St. Moritz: Im Engadiner Nobelkurort machten die Handänderungs- und Grundstückgewinnsteuern 2011 mit 46 Prozent fast die Hälfte des gesamten Steueraufkommens der Gemeinde aus. Vier Jahre zuvor hatte der Anteil dieser Einnahmen erst 30 Prozent betragen.

Gewöhnungseffekt wäre fatal

Doch was passiert, wenn die Immobilien-Blase tatsächlich platzt und die Preise abstürzen? Die Studie gibt eine für die Kantons- und Gemeinde-Säckelmeister halbwegs beruhigende Antwort: Es bestehe keine Gefahr, dass die sprudelnden Einnahmen völlig versiegen.

Dennoch raten die Autoren, die Zusatzeinnahmen aus dem Immobilienboom nicht als wiederkehrende Selbstverständlichkeit zu betrachten. «Ein Gewöhnungseffekt wäre für die Staatsfinanzen schwerwiegend», heisst es.

Thurgau hofft auf anhaltenden Trend

Das sollten sich insbesondere die Verantwortlichen im Kanton Thurgau hinter die Ohren schreiben. Dort hiess es 2012im Budget: «Die Überhitzung auf dem Liegenschaftsmarkt schlägt sich in sehr erfreulichen Grundstückgewinnsteuererträgen nieder. Es ist zu hoffen, dass dieser Trend auch im Jahre 2012 noch anhält.»

Rekordtiefe Hypozinsen: Mieten steigen trotzdem

Die Mieten in der Schweiz zeigen auch dieses Jahr nach oben. Mit einer geschätzten Zunahme von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fällt die Teuerung allerdings geringer aus als im letzten Jahr (2,3%).

Gemäss Immo-Monitoring muss in den Regionen um Genf und Zürich mit höheren Aufschlägen gerechnet werden. In der Genferseeregion verteuerten sich die Mieten um satte 7,3 Prozent, in der Region Zürich um 3,9 Prozent. Teuer kommt vor allem ein Wohnungswechsel zu stehen, während langjährige Mieter stärker von den tiefen Hypozinsen profitieren.

Immerhin rechnen die Experten von Wüest & Partner in den nächsten 12 Monaten nicht mit einer Erhöhung des Referenzzinssatzes, der für die Berechnung der Mieten relevant ist. (bb)

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