Aktualisiert 06.07.2018 07:56

Personalmangel im Zivilschutz

Kantone wollen den Zivildienst abschaffen

Die Attraktivität des Zivildiensts bringe den Zivilschutz in Personalnot, kritisieren die Kantone und schlagen deshalb eine radikale Massnahme vor.

von
pam
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«Die Bestände des Zivilschutzes werden durch die steigenden Zulassungen zum Zivildienst bedroht», sagt Alexander Krethlow, der Generalsekretär der Regierungskonferenz für Militär, Zivilschutz und Feuerwehr.

«Die Bestände des Zivilschutzes werden durch die steigenden Zulassungen zum Zivildienst bedroht», sagt Alexander Krethlow, der Generalsekretär der Regierungskonferenz für Militär, Zivilschutz und Feuerwehr.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Die Kantone fordern deshalb vom Bundesrat, den Zivildienst mit dem Zivilschutz zu einem einzigen Katastrophenschutz zu verschmelzen. «So könnte auch die Alimentierungsfrage gelöst werden», sagt Krethlow.

Die Kantone fordern deshalb vom Bundesrat, den Zivildienst mit dem Zivilschutz zu einem einzigen Katastrophenschutz zu verschmelzen. «So könnte auch die Alimentierungsfrage gelöst werden», sagt Krethlow.

Davide Agosta
Letztes Jahr entschieden sich 6785 junge Männer für den Zivil- statt für den Militärdienst. 2011 waren es noch 4670 Personen gewesen.

Letztes Jahr entschieden sich 6785 junge Männer für den Zivil- statt für den Militärdienst. 2011 waren es noch 4670 Personen gewesen.

Keystone/Christian Beutler

Letztes Jahr entschieden sich 6785 junge Männer für den Zivil- statt für den Militärdienst. 2011 waren es noch 4670 Personen gewesen. Aufgrund dieser Entwicklung will der Bundesrat die Hürde für die Zulassung erhöhen, weil er die Armeebestände in Gefahr sieht. Nun folgt laut den «Schaffhauser Nachrichten» ein weiterer Angriff auf den Zivildienst.

Die Kantone intervenieren diese Woche beim Bundesrat und fordern einen Systemwechsel bei Zivildienst und Zivilschutz. Der Hintergrund: «Auch die Bestände des Zivilschutzes werden durch die steigenden Zulassungen zum Zivildienst bedroht», sagt Alexander Krethlow, der Generalsekretär der Regierungskonferenz für Militär, Zivilschutz und Feuerwehr.

Die Armee brauche jedes Jahr 18'000 ausexerzierte Rekruten. «Doch vor allem wegen der Abgänge in den Zivildienst ist dies zur jährlichen Zitterpartie geworden.»

Zivildienst und Zivilschutz sollen fusionieren

Der von den Kantonen vorgeschlagene Systemwechsel sieht vor, Zivildienst und Zivilschutz in der sogenannten Sicherheitsdienstpflicht zu verschmelzen. «Zivildienst und Zivilschutz würden aufgelöst und daraus würde neu ein ‹Katastrophenschutz› geschaffen», sagt Krethlow.

Taugliche würden also entweder der Armee oder dem Katastrophenschutz zugeteilt. Dies käme faktisch der Abschaffung des Zivildiensts gleich. Krethlow ist überzeugt: «So könnte auch die Alimentierungsfrage gelöst werden. Weder die Armee noch der Zivilschutz hätten ein Problem damit, genügend Leute zu finden.»

Beim Schweizerischen Zivildienstverband Civiva stösst das Vorhaben auf harsche Kritik. Samuel Steiner, Co-Präsident von Civiva, sagte zu den «Schaffhauser Nachrichten»: «Davon halte ich gar nichts. Das wäre komplett absurd, schliesslich zeigt sich, dass der Zivildienst viel erfolgreicher ist als der Zivilschutz.»

«Wenn schon, müsste der Zivildienst den Zivilschutz übernehmen»

Die Zivilschützer hätten immer weniger Aufgaben, weil sie etwa weniger Bunker zu betreiben hätten, so Steiner. «Nun also, da sie um ihre eigene Existenz fürchten, wollen sie dem erfolgreichen Zivildienst an den Kragen.»

Der Zivi-Vertreter findet: «Wenn schon ein neuer Katastrophenschutz, dann müsste der Zivildienst die Aufgaben des Zivilschutzes übernehmen.»

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