Quarantäne : Kantone wollen Passagierdaten von Risikoland-Flügen
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Quarantäne Kantone wollen Passagierdaten von Risikoland-Flügen

Der Bund kündigt Stichproben an, um zu prüfen, ob Rückkehrer aus Serbien oder den USA wirklich in Quarantäne gehen. Kantonsärzte hoffen, dass sie bald an die Passagierlisten kommen.

von
Daniel Waldmeier
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Wer aus Kosovo und 28 weiteren Staaten zurückkehrt, muss zehn Tage lang in Quarantäne.

Wer aus Kosovo und 28 weiteren Staaten zurückkehrt, muss zehn Tage lang in Quarantäne.

Keystone
An einer Medienkonferenz in Bern kündigte der Bund Stichproben an.

An einer Medienkonferenz in Bern kündigte der Bund Stichproben an.

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Die Kantone hätten die Passagierlisten lieber heute als morgen in der Hand.  Laut der Berner Kantonsärztin Linda Nartey würden sie das Contact Tracing erleichtern.

Die Kantone hätten die Passagierlisten lieber heute als morgen in der Hand. Laut der Berner Kantonsärztin Linda Nartey würden sie das Contact Tracing erleichtern.

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Darum gehts

  • Der Bund reagiert auf die Kritik und will Rückkehrer aus Risikogebieten nun doch kontrollieren.
  • Helfen sollen Passagierlisten von Airlines und Fernbussen.
  • Eine flächendeckende Kontrolle ist laut dem BAG jedoch unmöglich.

Rund ein Viertel der Corona-Fälle ist derzeit aus dem Ausland importiert. Wer aus einem der 29 Staaten mit einem erhöhten Infektionsrisiko (siehe Box) in die Schweiz einreist, muss darum seit Montag für zehn Tage in Quarantäne.

Die Rückkehrer müssen sich dabei innerhalb von zwei Tagen selbst beim Kanton melden. Die Behörden setzen auf Freiwilligkeit, obwohl Ferien-Rückkehrer mit einem Lohnausfall rechnen müssen, wenn sie sich in Quarantäne begeben. Die fehlenden Kontrollen sorgten in den letzten Tagen für Kritik. Am Donnerstag hat Stefan Kuster, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten des Bundesamts für Gesundheit (BAG), doch Stichprobenkontrollen angekündigt.

Bund will «nachjustieren»

Mit der Liste der Risikoländer habe man schnell reagiert und ein Zeichen gesetzt. «Man war nicht perfekt bereit», sagt Kuster. Deshalb justiere der Bund jetzt nach. Denkbar sei, an der Grenze die Nummernschilder der einreisenden Autos zu kontrollieren. Ausserdem prüft der Bund, die Passagierlisten von Flügen aus Risikogebieten einzufordern. Bislang geschah dies nur nachträglich, wenn ein Fluggast positiv getestet wurde. Listen könnten auch Reisebusanbieter liefern.

Die Kantone hätten die Listen lieber heute als morgen in der Hand. Laut der Berner Kantonsärztin Linda Nartey gibt es mit Rückkehrern aus dem Ausland «leider auch unangenehme Erfahrungen»: Die Quarantäne werde schlecht eingehalten, Mitarbeiter des Kantons gar beschimpft. Die Passagierlisten würden ihnen das Contact-Tracing erleichtern, sagte Nartey: «Wir würden die Personen sicher kontaktieren.»

Auf Facebook werden Schlupflöcher gesucht

In Facebook-Gruppen wurden bereits kurz nach Veröffentlichung der Verordnung Tricks ausgetauscht, wie die Quarantäne am besten umgangen werden könnte. So diskutierten Kosovo-Reisende Optionen mit Flügen über Friedrichshafen (D) oder Albanien, das nicht auf dem Index steht.

Laut dem Bund ist klar, dass flächendeckende Kontrollen nicht möglich sein werden. Wer über einen Flughafen in einem Nicht-Risikoland reist und etwa noch die Airline wechselt, wird laut BAG-Kuster kaum auffliegen. Solche Fälle seien mit vertretbarem Aufwand kaum zu überprüfen.

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