Aktualisiert 19.08.2011 14:19

Hooliganismus

Kantone wollen schärfere Massnahmen

Künftig sollen Fussballspiele bewilligungspflichtig werden. Die Kantone arbeiten dafür die gesetzlichen Grundlagen aus. Damit dürfte auch das sogenannte Kombi-Ticket kommen.

von
mdr
Fussballspiele sollen künftig eine Bewilligung brauchen, wobei die Behörden Auflagen erlassen könnten: Polizisten nach dem Cupfinal in Basel am 29. Mai 2011.

Fussballspiele sollen künftig eine Bewilligung brauchen, wobei die Behörden Auflagen erlassen könnten: Polizisten nach dem Cupfinal in Basel am 29. Mai 2011.

Die Kantone machen im Kampf gegen den Hooliganismus vorwärts. Neu sollen Fussball- und Eishockeyspiele zumindest der obersten Ligen bewilligungspflichtig werden. Das würde den Behörden erlauben, den Clubs gewisse Massnahmen zur Sicherheit sowie zur Anreise vorzuschreiben. Dies hat der Vorstand der Justizdirektorenkonferenz KKJPD am Donnerstag beschlossen, wie Generalsekretär Roger Schneeberger bestätigt. Faktisch ermöglicht dies auch die Einführung des sogenannten Kombi-Tickets, bei dem Gästefans nur ins Stadion dürfen, wenn sie mit einem organisierten Zug anreisen. Diese Massnahme stiess bei Fans und Clubs bisher mehrheitlich auf Ablehnung.

Ebenfalls neu sollen Rayonverbote gegen gewalttätig gewordene Fans landesweit verfügt werden können. Zudem will der KKJPD-Vorstand Meldeauflagen einfacher aussprechen können. Diese verpflichten Personen, sich am Spieltag zu bestimmten Zeiten bei der Polizei zu melden. Um diese drei Massnahmen umzusetzen, wollen die Kantone das interkantonale Konkordat gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen revidieren. Bis Ende Jahr führt die KKJPD eine Vernehmlassung bei den Kantonen und weiteren interessierten Kreisen durch.

Einheitliche Polizeitaktik

Die drei Massnahmen der KKJPD finden auch bei Vertretern der öffentlichen Hand, die sich am Freitag in Zug getroffen hatten, Rückhalt. Sie unterstützen weitere Massnahmen wie die Einführung von Charterzügen oder die Identitätskontrolle von Fangruppen. Im Oktober und November führt das Bundesamt für Polizei (Fedpol) dazu einen Feldversuch durch. Schliesslich wurde am Treffen, an dem auch die Städte, die SBB und das Fedpol vertreten waren, auch eine Vereinheitlichung der Polizeitaktik befürwortet. Dazu sollen in den Polizeikorps flächendeckend sogenannte Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten eingeführt werden. Der Kanton St. Gallen kennt ein solches Vorgehen bereits.

Diese Vorschläge werden am 1. September anlässlich des Runden Tisches in Bern wieder ein Thema sein. Dabei sind auch Vertreter der Clubs, der Sportverbände sowie der Fanarbeit anwesend. Doch der Runde Tisch, eingeführt im Vorfeld der Euro 2008, hat keine eigentliche Entscheidungskompetenz, weshalb er als Papiertiger in der Kritik steht. Die jüngsten Vorschläge von Städten und Kantonen sind zudem Ausdruck einer Skepsis, ob der Fussballverband sowie gewisse Clubs an wirksamen Massnahmen überhaupt ein Interesse haben.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.