Baselbieter Kantonsangestellte sollen Corona-Impfung in der Freizeit machen
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«Frechheit»Bitte in der Freizeit impfen – Personal empört über Schreiben von Kanton

Falls es nicht möglich ist, einen Termin ausserhalb der Arbeitszeit zu bekommen, schreibt der Kanton, der sich gerne als Impf-Musterschüler rühmt, seinen Angestellten maximal eine Stunde für den Piks gut.

von
Lukas Hausendorf
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Soll Impfen auf die Arbeitszeit gehen? Der Kanton Baselland wünscht sich von seinen Angestellten, dass sie den Termin möglichst in der Freizeit wahrnehmen.

Soll Impfen auf die Arbeitszeit gehen? Der Kanton Baselland wünscht sich von seinen Angestellten, dass sie den Termin möglichst in der Freizeit wahrnehmen.

URS JAUDAS/TAMEDIA AG
Dabei können Impfwillige zurzeit ihre Termine gar nicht wählen, sondern bekommen ihr Aufgebot vom Impfzentrum zugeteilt.

Dabei können Impfwillige zurzeit ihre Termine gar nicht wählen, sondern bekommen ihr Aufgebot vom Impfzentrum zugeteilt.

Urs Jaudas/Tamedia AG
Der Kanton Baselland schreibt seinen Angestellten maximal eine Stunde gut, wenn der Termin auf die Arbeitszeit entfällt.

Der Kanton Baselland schreibt seinen Angestellten maximal eine Stunde gut, wenn der Termin auf die Arbeitszeit entfällt.

Nicole Pont / Tamedia AG

Darum gehts

  • Im Kanton Baselland sollen Kantonsangestellte sich in der Freizeit impfen lassen.

  • Dieser Wunsch des Regierungspräsidenten wird von Angestellten und Gewerkschaften kritisiert.

  • Die Termine für die Impfung kann man nämlich nicht selbst wählen.

Der Baselbieter Regierungspräsident Anton Lauber hat am Freitag allen Baselbieter Kantonsangestellten eine Mitarbeiterinformation per Mail zugestellt. Darin werden diese angehalten, «den Impftermin in die Freizeit zu legen». Der «Basler Zeitung» wurde das Mail von einem empörten Mitarbeiter zugespielt. Dieser findet die Aufforderung seines Arbeitgebers «eine Frechheit».

Erhalte man das Aufgebot zur Covid-19-Impfung während der Arbeitszeit, dürfe man den Termin schon wahrnehmen. «In diesem Fall kann maximal eine Stunde als Arbeitszeit angerechnet werden», heisst es in Laubers Schreiben weiter. Als ob die Angestellten eine Wahl hätten. «Ist sich die Regierung eigentlich bewusst, dass man den Termin nicht einfach frei wählen kann?», ärgert sich SP-Präsidentin Miriam Locher in der Zeitung.

Die Stunde reiche kaum, sagt der Angestellte. Arbeite man in Liestal und werde nach Laufen zum Impfen aufgeboten, sei die Stunde schon mit der Hin- und Rückfahrt aufgebraucht. Zudem fordert der Krisenstab des Kantons alle Impfwilligen aktiv auf, sich in allen drei Impfzentren anzumelden, weil das die Chancen auf einen früheren Termin erhöhe.

«Kleinlich und kurzsichtig»

Der Kanton gehe mit seinen Angestellten «kleinlich und kurzsichtig» um, kritisiert auch Samira Marti, Präsidentin der Vpod Region Basel. Die Gewerkschaft vertritt das Personal der öffentlichen Dienste. Mit den drei dezentralen Impfzentren in Lausen, Laufen und Muttenz setze der Kanton bei privaten Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern ein hohes Mass an Flexibilität voraus, das er bei seinen eigenen Angestellten vermissen lasse. Die Gewerkschaft fordert nun, dass der Kanton die Regelung anpasse und auf Arbeitszeit geimpft werden kann.

Der Kanton wehrt sich im Bericht gegen den Vorwurf, die eigenen Angestellten zu benachteiligen. Das Gegenteil sei der Fall: Er unterstütze die Mitarbeitenden, indem sie beim Impftermin eine Stunde als Arbeitszeit anrechnen könnten. Zudem könne sich das noch ändern mit der fixen Zuteilung der Impftermine. In Deutschland und Frankreich, wo zahlreiche Mitarbeitende des Kantons wohnen, sei es teilweise schon möglich, Zeitfenster für den eigenen Impftermin anzugeben, führt Regierungssprecher Nic Kaufmann gegenüber der «BaZ» aus.

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