St. Gallen : Kantonsgericht spricht Schokokuss-Verkäufer frei
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St. Gallen Kantonsgericht spricht Schokokuss-Verkäufer frei

Markus Heim hatte im Sommer 2020 verkleidet Schokoküsse der Marke Dubler verkauft und wurde der Rassendiskriminierung beschuldigt. Nun erhält der Mann auch vom Kantonsgericht einen Freispruch.

von
Leo Butie
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Der heute 59-jährige Markus Heim verkaufte im Juni 2020 in Rorschach SG verkleidet Schokoküsse der Firma Dubler.

Der heute 59-jährige Markus Heim verkaufte im Juni 2020 in Rorschach SG verkleidet Schokoküsse der Firma Dubler.

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Heim wurde im März 2021 vom Kreisgericht in Rorschach SG vom Vorwurf der Rassendiskriminierung freigesprochen.

Heim wurde im März 2021 vom Kreisgericht in Rorschach SG vom Vorwurf der Rassendiskriminierung freigesprochen.

20Min/shz
Heim erwartete auch in zweiter Instanz einen Freispruch, «weil ich nichts Rassistisches getan habe», wie er am Dienstag zu 20 Minuten sagte. 

Heim erwartete auch in zweiter Instanz einen Freispruch, «weil ich nichts Rassistisches getan habe», wie er am Dienstag zu 20 Minuten sagte. 

20Min/Ths

Darum gehts

Der heute 59-jährige Markus Heim verkaufte im Sommer 2020 in Rorschach SG verkleidet Schokoküsse der Marke Dubler. Nun erhält der Mann vom Kantonsgericht St. Gallen den zweiten Freispruch. Zu Beginn hatte Heim einen Strafbefehl wegen Rassendiskriminierung erhalten, gegen den er Einsprache erhob. Deshalb wurde der Fall im März 2021 vor dem Kreisgericht Rorschach verhandelt.

Der Richter entschied sich für einen Freispruch. In der Urteilsverkündung sagte der Richter damals, dass es nicht Aufgabe des Gerichts sei, über schlechten Geschmack zu urteilen. Die Staatsanwaltschaft St. Gallen legte anschliessend Berufung gegen das Urteil ein, weshalb es am Dienstag zur Verhandlung vor dem Kantonsgericht kam. Wie die Staatsanwaltschaft gegenüber 20 Minuten sagte, erhoffte man vom Kantonsgericht einen «Grundsatzentscheid».

Einen weiteren Freispruch

Dieser ist nun eingetroffen. Wie am Mittwochnachmittag bekannt wurde, hat das Kantonsgericht die Berufung abgewiesen und das Urteil des Kreisgerichts bestätigt. Somit wurde Heim auch in zweiter Instanz vom Vorwurf der Rassendiskriminierung freigesprochen. Heim muss jedoch ein Zehntel der Berufungskosten bezahlen, was 856 Franken entspricht.

Gemäss Staatsanwaltschaft wollte der Beschuldigte mit seiner Verkaufsaktion und der Verkleidung «das Produkt der Firma Dubler promoten», nachdem dieses einige Tage zuvor bei den grossen Detailhändlern aus dem Sortiment gestrichen worden war. Nach der Überzeugung des Kantonsgerichts «hat auch ein unbefangener, durchschnittlicher Dritter die Aktion in diesem Sinne und somit nicht rassendiskriminierend verstanden», heisst es in einer Mitteilung. 

«Unsensibel und gedankenlos»

Dieser Schluss dränge sich bereits deshalb auf, weil der Beschuldigte alle 350 Süssprodukte in nur zwei Stunden an zahlreiche Personen verkauft hat, unter anderem auch an dunkelhäutige Menschen. «Hinzu kommt, dass er sich weder vor, während oder nach dem Verkauf in irgendeiner Weise abwertend über dunkelhäutige Menschen geäussert hat», heisst es weiter. 

Zwar wird die Aktion in der Mitteilung als «unsensibel und gedankenlos» bezeichnet, sei aber aufgrund der konkreten Umstände nicht rassendiskriminierend im Sinne des Gesetzes.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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