Aktualisiert 30.11.2011 13:40

Fall Lisa

Kantonsgericht zeigte Rechtsanwalt an

Justizstreit im Kanton Schwyz: Ein Rechtsanwalt reichte Anzeige gegen das Kantonsgericht ein – jetzt schlägt dieses seinerseits mit einer Anzeige zurück.

von
Daniela Gigor
Berufsverbot im Kanton Schwyz? Bruno Steiner gegen Martin Ziegler. Bilder: srf

Berufsverbot im Kanton Schwyz? Bruno Steiner gegen Martin Ziegler. Bilder: srf

Der Zürcher Rechtsanwalt Bruno Steiner vertritt die Interessen eines Elternpaares aus dem Kanton Schwyz, dessen Mädchen Lisa* aufs Schändlichste missbraucht worden ist (siehe Box). Obwohl der Täter geständig war und die Staatsanwaltschaft eine Haftverlängerung beantragt hatte, wurde er auf Anordnung des Kantonsgerichts aus der Untersuchungshaft entlassen. Seither lebt der ehemalige Hauswart wieder unter demselben Dach wie das Opfer. Um den Vorfall zu klären, reichte Steiner laut der «SonntagsZeitung» Mitte September Anzeige wegen Amtsmissbrauch und Amtsgeheimnisverletzung gegen Martin Ziegler, Präsident des Schwyzer Kantonsgerichts, ein.

Das Kantonsgericht wollte dies offenbar nicht auf sich sitzen lassen und schlägt jetzt ­zurück. Wie Recherchen von 20 Minuten ergeben haben, hat das Kantonsgericht Aufsichtsanzeige eingereicht und will via Aufsichtskommission über Rechtsanwälte «vorsorgliche Massnahmen» prüfen lassen. «De facto geht es um ein Berufsverbot im Kanton Schwyz. Dies zeigt, wie das Kantonsgericht mit kritischen Anwälten umgeht», ärgert sich Steiner.

Das Kantonsgericht wollte mit Verweis auf die laufenden Verfahren gegenüber 20 Minuten keine Stellung nehmen.

*Name der Redaktion geändert

Von Hausabwart missbraucht

Die damals 12-jährige Lisa* wurde 2010/2011 von einem Hauswart über ein Jahr lang sexuell missbraucht. Das Urteilsvermögen des Mädchens ist etwa auf dem Stand einer Fünfjährigen, weil sie zu früh zur Welt kam. Darum lernte Lisa erst im vergangenen März im Aufklärungsunterricht der Sonderschule, dass der heute 63-Jährige Verbotenes von ihr verlangte. Das Mädchen vertraute sich seiner Lehrerin an, diese informierte die Polizei.

*Name geändert

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