Kefikon TG/ZH: Kantonsgrenze verläuft mitten durch Wohnhaus
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Kefikon TG/ZHKantonsgrenze verläuft mitten durch Wohnhaus

Die Kantonsgrenze zwischen Zürich und Thurgau «entzweit»das Dorf Kefikon – und sogar ein Wohnhaus: Die einen Bewohner sind Thurgauer, die anderen Zürcher.

von
luh

Die kuriose Grenze im Video. (Video: fej)

«Ja, die Kantonsgrenze verläuft durch unser Haus», sagt Corinne Hegetschweiler gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Hegetschweiler wohnt mit ihrer Familie in Kefikon. Die Ortschaft zählt 700 Einwohner und liegt direkt auf der Grenze zwischen den Kantonen Zürich und Thurgau. Der Zürcher Dorfteil gehört zur Gemeinde Wiesendangen, der Thurgauer Teil zu Gachnang. An der Menzengrüterstrasse führt die Grenze mitten durch das Wohnhaus, in dem Hegetschweiler lebt. Die 40-jährige Lehrerin bewohnt den Zürcher Hausteil. Ihre Nachbarn wohnen unter dem gleichen Dach, jedoch im Kanton Thurgau.

Wie es zu diesem sonderbaren Grenzverlauf kam, ist nicht restlos klar. Jedenfalls dürfte Kefikon älter sein als die Kantonsgrenze. Ab 1427 verlief diese zwischen den Grafschaften Kyburg und Thurgau mitten durch den Ort. «Offenbar hat es im Verlauf der Jahrhunderte mehrere Grenzbereinigungen gegeben. Und während zwei Drittel des Hauses am 18. Dezember 1861 bei einer solchen Grenzbereinigung dem Kanton Thurgau zugewiesen wurden, blieb unser Hausteil dem Kanton Zürich zugehörig», so Hegetschweiler.

Die Grenze spürt man selten

Als sie vor sechs Jahren zugezogen sind, habe ihr der Makler gesagt, ein Zimmer der Wohnung sei im Kanton Thurgau, erzählt Hegetschweiler. Das störe sie nicht: «Wir pflücken in unserem Garten Johannisbeeren aus dem Kanton Thurgau und Brombeeren aus dem Kanton Zürich.»

Der spezielle Grenzverlauf macht sich bei Familien mit Kindern im Schulalter spürbar: Die Kinder im Zürcher Teil besuchen die Schulen in Wiesendangen, die Kinder im Thurgauer Teil gehen in Gachnang in den Unterricht. «Das ist schon blöd für die Kinder; sie wachsen zusammen auf, spielen zusammen und dann müssen sie in verschiedene Schulhäuser», sagt Barbara Bolli (64).

Bolli ist direkte Nachbarin von Corinne Hegetschweiler. Sie wohnt im Thurgau, ihr Gartenzaun bildet die Kantonsgrenze. «Früher hatten wir einen gemeinsamen Friedhof und die Gachnanger Feuerwehr war für ganz Kefikon zuständig. Heute kommt bei einem Brand im Zürcher Dorfteil die Wiesendanger Feuerwehr», so Bolli.

Ein Dorf – eine Gemeinschaft

Auch beim Steuersatz machen sich Unterschiede bemerkbar. Die Thurgauer zahlen mehr Steuern als die Zürcher Dorfbewohner.

Im Dorf gebe es zwar auch verschiedene Autonummern und Postleitzahlen, aber nur ein Wappen und ein Dorf. Die Alteingesessenen haben sich mit dem Sonderfall längst arrangiert. Hegetschweiler: «Ich finde es lustig, dass es diese spezielle Situation bei uns gibt.»

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Mitten durch Kefikon verläuft die Kantonsgrenze zwischen Zürich und Thurgau.

Mitten durch Kefikon verläuft die Kantonsgrenze zwischen Zürich und Thurgau.

An der Menzengrüterstrasse gehts sie gar mitten durch dieses Haus.

An der Menzengrüterstrasse gehts sie gar mitten durch dieses Haus.

Der Gartenzaun ist gleichzeitig auch die Kantonsgrenze.

Der Gartenzaun ist gleichzeitig auch die Kantonsgrenze.

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