27.02.2020 20:07

Gleichstellung

Kantonsrat erteilt den Frauen eine Abfuhr

Der Zuger Kantonsrat will nichts wissen von den Forderungen des Frauenstreik-Manifests. Begründung: Die Forderungen seien teilweise bereits erfüllt.

1 / 8
Die Zuger SP-Kantonsrätin Anna Spescha ist mit ihren Frauen-Anliegen im Zuger Kantonsrat abgeblitzt.

Die Zuger SP-Kantonsrätin Anna Spescha ist mit ihren Frauen-Anliegen im Zuger Kantonsrat abgeblitzt.

Keystone
Mit ihrer Petition wollte Spescha unter anderem die Anliegen der Spitex Kanton Zug unterstützen.

Mit ihrer Petition wollte Spescha unter anderem die Anliegen der Spitex Kanton Zug unterstützen.

Spitex Kanton Zug
Im Juni 2019 haben über 700 Personen am Frauenstreik in Zug teilgenommen.

Im Juni 2019 haben über 700 Personen am Frauenstreik in Zug teilgenommen.

Facebook Frauenstreik Zug

Vom Frauenstreik-Manifest hat der Zuger Kantonsrat Kenntnis genommen – unterstützen will das Parlament die Massnahmen aber nicht, die in der Petition gefordert wurden. Dies hat der Kantonsrat am Donnerstag entschieden und begründet die ablehnende Haltung damit, dass die Forderungen zum Teil schon erfüllt seien.

Abfuhr nicht unerwartet

Mit diesem Nein folgte der Rat dem Antrag der Justizprüfungskommission deutlich mit 53 zu elf Stimmen. Auch die Kommission war der Ansicht, dass beispielsweise die Forderung, eine Frau als Vertretung nach Bern zu schicken, bereits erfüllt sei. Dies darum, weil im Herbst 2019 die Grüne Manuela Weichelt-Picard als erste Frau in Zug in den Nationalrat gewählt wurde. Weitere Gründe, die zur Ablehnung des Manifests führten, waren teilweise auch Ansprüche, die beispielsweise eine Änderung des Bundesgesetzes voraussetzen würden, wie Kommissionspräsident Thomas Werner (SVP) betonte.

Mit der Petition forderte das Zuger Frauenstreik-Komitee unter anderem mehr Frauen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung, Lohngleichheit, Schutz vor sexueller Belästigung sowie Anerkennung und Ausbau der Care-Arbeit. Auf Anfrage sagte Anna Spescha (SP), die Abfuhr im Kantonsrat komme für sie nicht unerwartet: «Zug ist ein bürgerlicher Kanton.» Sie hatte die Petition namens des Frauenstreik-Komitees im Parlament eingereicht.

Breitere Abstützung

Nun gehe es darum, mit dem Komitee zu besprechen, welche Forderungen als nächstes gestellt würden. Spescha möchte keine Themen priorisieren. Sie erwähnt aber die Unterstützung für die Anliegen von Angestellten der Spitex des Kantons Zug. Auch die unbezahlte Care-Arbeit hat sich das Komitee auf die Fahne geschrieben.

Bevor diese und weitere Themen aber wieder auf politischem Weg behandelt werden sollen, will sich Spescha der Organisation dem kommenden Frauenstreik vom 14. Juni widmen. Sie verweist auch auf die Jubiläen im Zusammenhang mit der Gleichstellung der Frau, die 2021 anstehen. So etwa das Frauenstimmrecht, das am 7. Februar 1971 eingeführt wurde. Um die politischen Ziele dennoch zu erreichen, will Spescha versuchen, weitere Frauen-Bünde und -Organisationen ins Boot zu holen. (sda)

Fehler gefunden?Jetzt melden.