Appenzell-Ausserrhoden: Kantonsrat gegen Zeugnisnoten in der Primarschule
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Appenzell-AusserrhodenKantonsrat gegen Zeugnisnoten in der Primarschule

Das Ausserrhoder Volk hat das letzte Wort zur Wiedereinführung von Zeugnisnoten in der Primarschule. Der Kantonsrat empfahl die Schulnoten-Initiative der SVP klar zur Ablehnung. Auf einen Gegenvorschlag wird verzichtet.

Die SVP verlangt in ihrem Volksbegehren, die Wiedereinführung von Schulnoten ab der 4. Klasse. Leistungen und Verhalten der Schüler sollen mit Zielvereinbarungen festgehalten werden. Ab der 4. Klasse sollen Leistungsvergleiche durchgeführt werden. Die Initiative wurde von 1200 Ausserrhodern unterzeichnet; 300 Unterschriften wären nötig gewesen.

Zuvor war die SVP im Parlament mit demselben Anliegen gescheitert. Dem Initiativ-Komitee gehören auch Mitglieder von FDP, CVP sowie Parteilose an. Begründet wurde das Volksbegehren vor allem mit dem schlechten Abschneiden von Schweizer Schülern in der Pisa-Studie.

Noten radikal abgeschafft

Ausserrhoden schaffte als einziger Ostschweizer Kanton im Jahr 2000 mit dem neuen Schulgesetz die Zeugnisnoten auf Primarstufe radikal ab. Nur Basel-Stadt kennt ebenfalls keine Zeugnisnoten in der 1. bis 6. Klasse.

Die Regierung lehnt die Initiative ab. Das System der lernziel- und förderorientierten Leistungsbeurteilung habe sich bewährt, sagte Bildungsdirektor Rolf Degen im Kantonsrat. Weder Lehrerschaft noch Gemeinden hätten diese Beurteilung kritisiert. Vom 7. Schuljahr an würden die Lernenden mit Noten beurteilt. In dieser Phase gewinne die Selektion für Aussenstehende an Bedeutung.

Der Ausserrhoder Verzicht auf Ziffern-Beurteilung werde gesamtschweizerisch als fortschrittlich, konsequent und innovativ wahrgenommen, stellte Degen fest. Das Schulkonkordat HarmoS sehe gesamtschweizerische Leistungsüberprüfungen nach der 2. und der 6. Klasse vor. Jährliche Leistungsvergleiche seien nicht sinnvoll.

Schlag ins Gesicht

Die Initiative sei ein Schlag ins Gesicht der Lehrkräfte, die eine fördernde Lernkultur entwickelt hätten, aber auch von Eltern und Kindern, kritisierte der SP-Sprecher. Die SVP konterte, Wortbeurteilungen seien trügerisch. Die Kinder müssten früher lernen, mit Noten umzugehen. Es gehe um ein «Sowohl-als-auch», nicht um ein «Entweder-oder».

CVP, EVP und FDP lehnten die Initiative mehrheitlich ab. Ins Zeug legten sich die Lehrer: Die Initiative suggeriere fälschlicherweise Disziplin, Ordnung und Leistung. Das Gegenteil sei der Fall. Notengebung habe keinen Zusammenhang mit Leistung.

Schlechte Schüler könnten nicht einmal bewertet werden - dazu bräuchte es Minus-Noten. Gute Schüler könnten mit besonderen Aufgaben gefördert werden, beispielsweise im Rahmen von «Jugend forscht».

Der Kantonsrat sprach sich schliesslich mit 43 Nein zu 19 Ja und einer Enthaltung gegen das Volksbegehren aus. Einstimmig beschloss er, auf einen Gegenvorschlag zu verzichten. Bis Ende Oktober läuft die Volksdiskussion. Das ist eine allgemeine Vernehmlassung, an der jeder teilnehmen kann. (sda)

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