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Kantonsrat in der Synagoge

Historischer Anlass in Zürich: Erstmals hat ein Parlament ein Amtsjahr mit einer Feier in einer Synagoge begonnen. Gewürdigt wurde die staatliche Anerkennung zweier jüdischer Gemeinden im Kanton Zürich.

Mit der seit diesem Jahr geltenden Kantonsverfassung sind die Israelitische Cultusgemeinde Zürich (ICZ) und die Jüdische Liberale Gemeinde (JLG) vom Staat anerkannt worden. Deshalb begann der Kantonsrat sein Amtsjahr am Montagmorgen für einmal nicht mit einem ökumenischen Gottesdienst, sondern mit einer Feier in der Synagoge an der Löwenstrasse.

Die Synagoge war denn auch fast bis auf den letzten Platz gefüllt. 500 Gäste waren zur stimmungsvollen Feier mit Reden und Gesang gekommen, darunter viele Kantonsrätinnen und Kantonsräte aller Parteien, der gesamte Zürcher Regierungsrat, einige Zürcher Stadträte, Vertreter der Landeskirchen und der Botschafter Israels.

Meilenstein

Regierungsrat Markus Notter sprach von einem Meilenstein im für die Juden mühevollen Weg zur Gleichberechtigung: Mit der Feier werde ein Zeichen gesetzt zum friedlichen Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft und Überzeugung.

«Vieles trennt uns, der Wille zum friedlichen Zusammenleben aber eint uns», sagte der Justizdirektor. In der Tatsache, dass Juden, Christen und Muslime an einen Gott glauben, müsste doch mehr Gemeinsames als Trennendes enthalten sein.

«Weltweit einmalig»

Die grosse Bedeutung dieses historischen Anlasses für die Juden strichen ICZ-Präsident Harry Berg und JLG-Präsidentin Nicole Poëll heraus: «Weltweit einmalig» ist er gemäss Berg. Er habe nicht nur für die Zürcher Juden symbolhafte Bedeutung, sondern auch für die ganze Schweiz und für Minderheiten in der ganzen Welt.

«Wir wollen uns einordnen, ohne unsere Identität zu verstecken oder gar zu leugnen», sagte Poëll als Vertreterin der «Minderheit in der Minderheit». Ihre liberale Gemeinde Or Chadasch besitzt nun zwar die staatliche Anerkennung, Mitglied im Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund ist sie aber nicht.

Attenhofer neuer Präsident

Mit einem Priestersegen wurden die Parlamentarierinnen und Parlamentarier in den Kantonsrat entlassen. Dieser wählte den 57- jährigen Hartmuth Attenhofer (SP) aus Zürich mit 137 von 152 massgebenden Stimmen zum Präsidenten für das neue Amtsjahr.

Attenhofer tritt die Nachfolge von Hans Peter Frei (SVP, Embrach) an. Ursula Moor (SVP, Höri) wurde mit 138 Stimmen zur ersten Vizepräsidentin und Regula Thalmann (FDP, Uster) mit 109 Stimmen zur zweiten Vizepräsidentin gewählt.

Kurze Voten, nicht schwatzen

Attenhofer ermahnte den Kantonsrat in seiner Antrittsrede zu mehr Effizienz: «Wenn das Parlament effizient arbeiten will, muss es den Weg über Vorstösse wählen, die eine strategische Ausrichtung haben.» Die Budgetdebatte stehe für Ineffizienz.

Er wünsche sich kurze Voten, die sofort zum Kern der Sache kommen, sagte Attenhofer. Und ein Parlament dürfe hart debattieren. Nur eines dürfe man nicht: schwatzen.

(sda)

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