Nur 20 Kinder: Kantonsrat ist gegen limitierte Klassengrössen

Aktualisiert

Nur 20 KinderKantonsrat ist gegen limitierte Klassengrössen

Dem Kantonsrat geht die Klassengrössen-Initiative, die eine Höchstzahl von 20 Schülern pro Klasse anstrebt, zu weit. Er hat jedoch beschlossen dem Gegenvorschlag zuzustimmen.

von
som
Nur 20 Kinder pro Klasse: Die Initiative der FDP geht dem Kantonsrat zu weit.

Nur 20 Kinder pro Klasse: Die Initiative der FDP geht dem Kantonsrat zu weit.

Die Mehrheit des Zürcher Kantonsrat fand am Montag, die starre Höchstzahl an allen Schulstufen der Volksschule sei schwierig umsetzbar und zu teuer. Es bräuchte über 1350 Lehrpersonen zusätzlich. Dafür sei mit jährlichen Mehrkosten von 120 Millionen Franken zu rechnen.

Der Gegenvorschlag der Klassengrössen-Initiative der FDP wurde als flexible Lösung präsentiert. Er bedeutet für die Gemeinden jährliche Mehrkosten von 12 Millionen Franken und für den Kanton von 3 Millionen Franken. Es sollen Ressourcen geschaffen werden, die dort eingesetzt werden könnten, wo sie wirklich zur Lösung von Problemen nötig seien.

Kein Giesskannenprinzip

Der Kantonsrat entscheidet nach der zweiten Lesung über den Gegenvorschlag und beschliesst seine Abstimmungsempfehlung zur Volksinitiative «Mehr Qualität im Unterricht dank kleinerer Klassen (Klassengrösseninitiative)». SVP und FDP wollen zweimal Nein sagen, SP und EVP zweimal Ja. Die übrigen Parteien lehnen die Initiative ab, unterstützen aber den Gegenvorschlag.

Mit dem Gegenvorschlag werde nicht das Giesskannenprinzip angewendet, sondern «dort gelöscht, wo es wirklich brennt», sagten verschiedene Ratsmitglieder. Grosse Klassen seien nicht grundsätzlich ein Problem, sagte Res Marti (Grüne, Zürich). Wenn es aber in grossen Klassen auch grosse Leistungsdifferenzen gebe, werde die Belastung für die Lehrkräfte gross.

Klassengrösse geänderten Anforderungen anpassen

Der Gegenvorschlag sei zwar nicht das Gelbe vom Ei, aber ein Kompromiss, fand Stefan Hunger (BDP, Mönchaltorf). In diesem Umfang lohnt sich gemäss Corinne Thomet (CVP, Kloten) der Mitteleinsatz. «Das können und sollen wir uns leisten», meinte Andreas Erdin (GLP, Wetzikon).

Es sei das «politisch Machbare», aber im Umfang zu bescheiden, sagte Moritz Spillmann (SP, Ottenbach). Die Anforderungen an den Unterricht seien in den letzten Jahren gestiegen, die Klassengrössen seien jedoch konstant geblieben. Die Idee der Initiative sei «richtig und umsetzbar».

Warnung vor Kostenwachstum

In überfüllten Klassenzimmern könnten moderne Unterrichtsformen «nur sehr eingeschränkt oder gar nicht» angewendet werden, sagte Johannes Zollinger (EVP, Wädenswil). Um den Qualitätsanforderungen an die Volksschule gerecht zu werden, brauche es die Obergrenze von 20 Schülerinnen und Schüler pro Klasse. Nur die Annahme der Volksinitiative biete Gewähr, dass die Klassengrösse nicht bei der nächsten Sparübung wieder erhöht werde.

Sabine Wettstein (FDP, Uster) warnte vor einem «enormen Kostenwachstum» bei einer Annahme der Initiative. Zu den zusätzlichen Lohnkosten kämen auch die Kosten für die nötigen Schulräume. Es gebe auch keine wissenschaftlichen Belege, dass der Unterricht mit 20 Kindern besser sei als mit 21. Der Gegenvorschlag ist für Wettstein «ein hilfloser Versuch», der keine wesentliche Qualitätsverbesserung bringe.

Das Geld «so effizient wie möglich einsetzen» will laut Rochus Burtscher (Dietikon) die SVP. Sowohl mit der Initiative wie auch mit dem Gegenvorschlag begebe man sich auf einen falschen Weg. Auch der Regierungsrat lehnt «mit Blick auf die Finanzlage» sowohl die Initiative wie auch den Gegenvorschlag ab, wie Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) sagte. Es gebe aber auch inhaltliche Gründe. Für eine zusätzliche Unterstützung für «schwierige Klassen» sei schon heute gesorgt.

«Kleinster gemeinsamer Nenner»

Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) begrüsst laut einer Mitteilung den Gegenvorschlag als «kleinsten gemeinsamen Nenner». Er führe zwar zu einer gewissen Entlastung der Lehrpersonen. Mit durchschnittlich etwa 0,5 Stellen pro Schulgemeinde wäre diese laut ZLV jedoch «letztlich kaum spürbar». Der Verband werde deshalb in der Volksabstimmung auch die EVP-Initiative unterstützen.

Die Gewerkschaft VPOD spricht sich auch klar für die Initiative aus, er begrüsst aber auch «die Einsicht des Kantonsrates». Indem er auf den Gegenvorschlag eingetreten ist, habe er den «Handlungsbedarf in Sachen Klassengrösse» anerkannt. (som/sda)

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