Aktualisiert 15.01.2015 09:27

Zürich

Kantonsrat will weniger Therapien für Gefangene

Um Geld zu sparen, fordern SVP, FDP und GLP weniger Behandlungen für Häftlinge. Fachleuten zufolge hätte das gravierende Folgen.

von
fro
Im Zürcher Strafvollzug sollen 6,5 Millionen Franken gespart werden.

Im Zürcher Strafvollzug sollen 6,5 Millionen Franken gespart werden.

Der Zürcher Strafvollzug gilt als vorbildlich, weil er explizit darauf achtet, die Rückfallquoten von Gefangenen zu senken. Dieser Vorzeigestatus wird nun vom Kantonsrat bedroht. Wenn die im letzten Dezember beschlossenen Sparvorgaben umgesetzt werden, werden Behandlungen von straffälligen Personen massiv reduziert. Dadurch sollen 6,5 Millionen Franken eingespart werden. Die SVP, FDP und GLP haben diesem Antrag zugestimmt. Das Amt für Justizvollzug hat dafür jedoch kein Verständnis.

Fachleute sind überzeugt, dass dadurch die Sicherheit gefährdet wird. «Es ist total unvernünftig, einen rückfallgefährdeten Täter nicht ausreichend zu therapieren», sagte Frank Urbaniok, Leiter des Psychatrisch-Psychologischen Dienstes, zum «Tages-Anzeiger». «Es kann ja nicht ernsthaft die Idee sein, dass diese Leute dann unbehandelt wieder aus dem Gefängnis kommen.» Eine solche Einschränkung würde auch eine schlechtere Risikoeinschätzung mit sich bringen. Ausserdem würde die Qualität der Behandlungen sinken.

Auch Gefängnisse sind besorgt

Die Gefängnisse haben die Befürchtung, dass nicht nur die Strafen sich verlängern, sondern dass sich auch die psychiatrische Grundversorgung verschlechtert. In Gefängnissen habe es mehr Menschen mit psychischen Problem, die behandelt werden müssen. «Blieben diese unbehandelt, hätte das gravierende Folgen, es gäbe mehr Schlägerein unter den Gefangenen, mehr Arresteinweisungen, mehr Übergriffe auf das Personal, mehr Suizide», sagte Andreas Naegeli, Direktor der Pöschwies, zum «Tages-Anzeiger».

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