Aktualisiert 12.02.2015 16:54

16 Jahre Haft

Kapitän Schettino will weiterkämpfen

Francesco Schettino will auch nach der Verurteilung zu 16 Jahren Haft weiterkämpfen. Er ist überzeugt, dass ihm mit dem Urteil Unrecht getan wurde.

von
cho
1 / 14
11. Februar 2015: Schettino zeigt sich kurz vor dem Ende des Prozesses emotional. Er wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt.

11. Februar 2015: Schettino zeigt sich kurz vor dem Ende des Prozesses emotional. Er wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt.

Keystone/AP/Gregorio Borgia
26. Januar 2015: Die Staatsanwaltschaft von Grosseto fordert 26 Jahre und drei Monate Haft für Francesco Schettino, Kapitän der 2012 verunglückten Costa Concordia.

26. Januar 2015: Die Staatsanwaltschaft von Grosseto fordert 26 Jahre und drei Monate Haft für Francesco Schettino, Kapitän der 2012 verunglückten Costa Concordia.

Keystone/AP/Giacomo Aprili
Am 12. Mai 2014 sagten erstmals Überlebende der Costa Concordia vor Gericht aus.

Am 12. Mai 2014 sagten erstmals Überlebende der Costa Concordia vor Gericht aus.

Keystone/AP/Andrew Medichini

«Ich werde beweisen, dass ich die 'Costa Concordia' nicht verlassen habe», sagte Unglückskapitän Schettino in der Nacht zu Donnerstag in einer ersten Reaktion auf den Richterspruch. Hinterbliebene reagierten enttäuscht auf das Urteil.

Seine Anwälte hatten Berufung gegen das Urteil angekündigt. Bis das Verfahren durch die weiteren Instanzen gegangen ist, können Jahre vergehen. Schetttino bleibt derweil auf freiem Fuss.

16 Jahre ins Gefängnis

Das Gericht im toskanischen Grosseto hatte den Kapitän des Kreuzfahrtschiffes am Mittwochabend in erster Instanz unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Janaur 2012 mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der italienischen Insel Giglio auf einen Felsen gefahren und gekentert. 32 Menschen starben.

Das Gericht sprach Schettino in allen Anklagepunkten schuldig, blieb jedoch deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 26 Jahren und drei Monaten Haft.

«Übertriebene Strafe»

«Es ist eine übertriebene Strafe, die viel, viel zu hoch ist. Aber das Wichtige ist, dass er nicht verhaftet wurde, das ist eine positive Sache», sagte Schettinos Anwalt Domenico Pepe, der einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert hatte. «Jetzt werden wir sehen, ob dieses Urteil im Berufungsprozess bestätigt wird.»

Schettino hatte sich nach dem Unglück zuerst selbst gerettet und Tausende Menschen an Bord des Schiffes zurückgelassen. Als Grund nannte er, in ein Rettungsboot gefallen zu sein.

Enttäuschung und Genugtuung

Überlebende und Angehörige zeigten sich nach dem Urteil enttäuscht: «Sechs Monate Strafe für jeden Verstorbenen, aber für die Familien ist es nicht 16 Jahre, sondern für immer. Wie kann ich mich fühlen, ich bin einfach nur traurig», sagte die Französin Anne Decré. «16 Jahre für 32 Opfer sind gar nichts», sagte Giovanni Girolamo, der seinen Sohn bei dem Unglück verloren hatte.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich in einer ersten Reaktion zufrieden. «Die Richter haben entschieden, alle unsere Anklagepunkte anzuerkennen und zu bestätigen», erklärten sie.

Für Sergio Ortelli, den Bürgermeister der Insel Giglio, ist das Urteil ein Teilerfolg. «Wichtige Dinge wurden anerkannt, etwa der Image-Schaden für Giglio und die Verantwortung von (der Reederei) 'Costa Crociere'.»

Die Reederei wurde wie auch Schettino vom Gericht dazu verurteilt, Entschädigungszahlungen an die Nebenkläger zu leisten, darunter auch die Insel Giglio. Die Passagiere sollen mit jeweils 30'000 Euro entschädigt werden. Der Anwalt der Reederei, Marco De Luca, erklärte: «Es ist ein ausgewogenes Urteil, das alle Interessen berücksichtigt.» (cho/sda)

Was geschieht mit dem Wrack der Costa Concordia?

Seit Ende Juli wird das Wrack der «Costa Concordia» im Hafen der norditalienischen Stadt Genua verschrottet.

Damals war das Kreuzfahrtschiff vom Unglücksort vor der Insel Giglio durch das Mittelmeer nach Genua geschleppt worden.

Das Verschrotten soll insgesamt fast zwei Jahre dauern und Mitte 2016 abgeschlossen sein. Rund 1000 Arbeiter sind damit beschäftigt.

Im ersten Schritt werden die Einrichtung und lose Gegenstände aus dem Schiff entfernt, diese Phase soll noch bis März dauern. Danach wird die «Costa Concordia» noch einmal innerhalb des Hafens in einen anderen Bereich geschleppt, wo sie schliesslich Stück für Stück zerteilt wird. Rund 80 Prozent der Materialien des früheren Luxusschiffs sollen recycelt werden. (SDA)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.