Aktualisiert 08.10.2017 17:04

Antifa-DemoKapo Bern markiert auch auf Twitter Präsenz

Eine angekündigte unbewilligte Demonstration aus dem linken Lager hielt die Kapo Bern am Freitag auf Trab – auch in den sozialen Medien.

von
cho
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Polizisten kontrollieren den Platz um den Zytgloggenturm in der Kramgasse.

Polizisten kontrollieren den Platz um den Zytgloggenturm in der Kramgasse.

Keystone/Peter Klaunzer
Polizisten kontrollieren den Platz um den Zytgloggenturm in der Kramgasse.

Polizisten kontrollieren den Platz um den Zytgloggenturm in der Kramgasse.

kein Anbieter/Franziska Scheidegger
Und auch den Kornhausplatz.

Und auch den Kornhausplatz.

Keystone/Peter Klaunzer

Eine angekündigte unbewilligte Antifa-Demonstration beschäftigte die Kapo Bern am Freitag – weniger in der realen, dafür umso stärker in der virtuellen Welt. Zum ersten Mal während einer Demo verfolgte die Polizei eine offensive Kommunikationsstrategie. Neben relevanten Meldungen wie:

wurden auch weniger ernste Tweets abgesetzt.

Die offene Kommunikation fand grossen Zuspruch in der Community. «Gefällt mir, eure Berichterstattung», twittert etwa Ann Brita Dähler. Nutzer Markus Zürcher zwitschert: «Merci! Auch für die stets aktuellen Informationen! Gut gemacht!»

Verhaftungen bei Demonstration in Bern

Die Polizei versucht die illegale Demonstration zu unterbinden. Video: Tamedia/20 Minuten

Reine PR?

Jedoch hatten nicht alle Freude am Twitter-Ticker der Kapo, wie ein Tweet von Stadtrat Manuel C. Widmer zeigt.

Auf Anfrage sagt der GFL-Politiker: «Solche Live-Berichterstattung bin ich mir von Medien gewohnt – jedoch nicht von der Polizei.» Widmer findet die Strategie fahrlässig. Mit dieser Live-Berichterstattung würde das Kommunikationsteam der Kapo riskieren, dass Demoteilnehmer Unfug treiben, um einen Tweet gewidmet zu kriegen.

Er spricht von einer reinen PR-Aktion. «Die Polizei hat damit nur Werbung für sich gemacht. Das soll die Polizei auch dürfen – jedoch erst nach der Demo.»

Lob vom Experten

Social-Media-Experte Jürg Kobel spricht von einer gelungenen Aktion: «Das Kommunikationsteam hat sich vorbereitet und gut geplant.» Die Strategie sei aufgegangen: «Bei der Mehrheit der Twitter-Community kam die Aktion gut an», so der Thuner. Ein besonderes Lob gibt es von ihm etwa, weil die Kapo auch in den Dialog mit den Nutzern trat.

Twitter-Schlagabtausch blieb aus

Nicht nur die Polizei war während der Demo auf Twitter aktiv. Auch die Demo-Organisatoren waren in der virtuellen Welt unterwegs. Sie informierten ebenfalls über die aktuelle Lage.

Von den Demo-Organisatoren gab es denn auch mal mehr oder weniger starke Seitenhiebe Richtung Polizei.

Auf diese reagierte die Kapo jedoch nicht: «Wir gehen nicht auf alle Bemerkungen ein und lassen uns nicht provozieren», so Mediensprecher Christoph Gnägi. Wie oft die neue Kommunikationsstrategie zum Einsatz komme, ist laut Gnägi noch unklar – jede Situation werde einzeln geprüft. In diesem Fall sei die Strategie zweckdienlich gewesen: «Viele Polizeiwachen im Kanton waren geschlossen. Das Informationsbedürfnis der Bevölkerung war entsprechend vorhanden.»

An dieser Aussage stosst sich Stadtrat Widmer. Die Bevölkerung zu informieren sei Sache der Medien: «Und die Polizei ist noch immer kein Medienunternehmen.»

Antifa-Demo zum Jahrestag

Just zehn Jahre nach der «Schande von Bern» hatten Linksautonome zu einer unbewilligten antifaschistische Demonstration in Bern aufgerufen. Schon am frühen Abend glich Bern einer Festung. An zahlreichen Stellen in der Innenstadt standen Polizeikräfte in Vollmontur bereit. Passanten wurden kontrolliert und durchsucht, 29 Personen wurden auf den Posten gebracht. Zu einer grösseren Kundgebung kam es jedoch nicht. Einzig beim Bubenbergplatz konnte sich eine Gruppe von mehreren Dutzend Personen lautstark bemerkbar machen und dann Richtung Reitschule abziehen.(sda)

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