Karadzic-Prozess stockt: Karadzic beklagt sich über Verfahrenstempo

Aktualisiert

Karadzic-Prozess stocktKaradzic beklagt sich über Verfahrenstempo

Drei Monate nach der Festnahme des wegen Völkermordes angeklagten ehemaligen Führers der bosnischen Serben ist der Prozess gegen Radovan Karadzic kaum vorangekommen. Das beklagte der amtierende UNO-Richter Iain Bonomy.

«Im Kern sind wir noch nirgendwo hingekommen», erklärte der sichtlich verärgerte Bonomy, der am Dienstag nach einer weiteren Anhörung eine Vertagung bis zum 20. Januar 2009 verkündete. Das sei «ausserordentlich enttäuschend».

Zu Beginn der erneuten Anhörung vor dem Kriegsverbrecher- Tribunal für das ehemalige Jugoslawien hatte Karadzic geltend gemacht, dass ihm die serbokroatische Übersetzung der aktualisierten Anklageschrift erst am Montag übergeben worden sei.

Er habe deshalb nicht genügend Zeit gehabt, um sich auf den Gerichtstermin vorzubereiten und könne sich nicht zu der neuen Anklageschrift äussern, machte Karadzic geltend.

Beweismaterial nicht übersetzt

Bei der Anhörung stellte sich ausserdem heraus, dass grosse Teile des Beweismaterials noch nicht in übersetzter Fassung vorliegen. Bonomy kritisierte den schleppenden Verlauf der Vorbereitung des Hauptverfahrens.

Neben der Staatsanwaltschaft machte er dafür Karadzic verantwortlich, der trotz wiederholter Warnungen vor Komplikationen auf einen Rechtsanwalt verzichtet und nun offenbar Schwierigkeiten damit habe, sich selbst zu verteidigen.

In der überarbeiteten Anklage wird Karadzic nunmehr Völkermord in zwei verschiedenen Fällen vorgeworfen, die vorher zusammengefasst waren. Zudem hat die Staatsanwaltschaft die Zahl der einzelnen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die dem ehemaligen Serbenführer zur Last gelegt werden, von 41 auf 27 reduziert.

Damit solle die Führung des Hauptverfahrens gegen Karadzic effektiver werden, hiess es zur Begründung.

Verzögerung ungeklärt

Warum die neue Anklageschrift, die in Englisch bereits seit dem 22. September vorliegt, in Serbokroatisch erst einen Tag vor der neuen Anhörung fertiggestellt werden konnte, wurde zunächst nicht bekannt. Karadzic war Ende Juni nach mehr als einem Jahrzehnt auf der Flucht überraschend in Belgrad verhaftet und wenig später an das UNO-Tribunal in Den Haag ausgeliefert worden.

(sda)

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