Kein Konto für den Schlächter: Karadzic droht Beschlagnahmung seines Vermögens
Aktualisiert

Kein Konto für den SchlächterKaradzic droht Beschlagnahmung seines Vermögens

Dem früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic drohen neben dem Kriegsverbrecherprozess auch Schadenersatzklagen und die Beschlagnahmung seines Vermögens.

Da Karadzic nach elf Jahren im Untergrund gefasst worden sei, könnten Gerichte jetzt versuchen, Entschädigungsleistungen für Opfer des Bosnienkrieges bei ihm einzutreiben, erklärte der US- Diplomat Raffi Gregorian am Freitag in Sarajevo.

Opfer des Krieges von 1992 bis 1995 hatten Karadzic in den USA verklagt. Ende der 90er Jahre waren ihnen mehrere Milliarden Dollar als Entschädigung zugesprochen worden. Das Büro des internationalen Bosnien-Beauftragten Miroslav Lajcak prüft nun die Beschlagnahmung seines Vermögens.

Karadzic droht zudem eine Anklage wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel. Es gebe Beweise, dass er im Frühjahr 1997 umgerechnet 28 Millionen Dollar beiseitegeschafft habe, hatte der Ministerpräsident der bosnisch-serbischen Republik, Milorad Dodik, im Jahr 2005 gesagt.

Auslieferung steht bevor

Karadzic war am Montag in Serbien verhaftet worden. Er wird möglicherweise noch am Wochenende oder Anfang kommender Woche dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag überstellt. Karadzic-Anwalt Svetozar Vujacic wollte am Freitagabend Widerspruch gegen die Auslieferung einlegen. Es wird jedoch erwartet, dass ein Gericht den Einspruch abweist.

Der Präsident des UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Fausto Pocar, wies am Freitag den Fall Karadzic der Ersten Strafkammer des Gerichts zu. Deren Vorsitzender, der Niederländer Alphons Orie, muss nun entscheiden, welche Richter seiner Kammer das Verfahren übernehmen.

Karadzic war vermutlich in Wien

Die österreichischen Behörden bestätigten am Freitag in Teilen Zeitungsberichte, nach denen Karadzic sich voraussichtlich während seiner Flucht unter falschem Namen auch in Wien aufgehalten hatte und dort als Alternativheiler Patienten behandelte.

«Es verdichten sich die Indizien, dass er sich tatsächlich in Wien aufgehalten hat», sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die Wiener Polizei habe im Mai vergangenen Jahres nach einem Mord an einem Serben in Wien mehrere Wohnungen durchsucht. In einer hätten Beamten einen Mann angetroffen, der wie der nun festgenommene Karadzic ausgesehen habe.

Da der Mann aber einen auf den ersten Blick gültigen kroatischen Pass besass, sei man der Sache nicht weiter nachgegangen, so der Sprecher. In Zusammenarbeit mit serbischen und kroatischen Behörden will Österreich nun klären, ob es wirklich der gesuchte mutmassliche Kriegsverbrecher war.

Wunderheiler «Pera»

Die Wiener Zeitung «Der Kurier» hatte berichtet, dass Karadzic als Wunderheiler in Wien tätig gewesen sein soll. Er habe unter dem Namen «Pera» in der österreichischen Hauptstadt Patienten behandelt. Er sei mehrfach nach Wien gereist und habe auch als Heiler in Italien praktiziert.

In Wien habe er stets bei serbischen Familien gewohnt und dort seine Patienten behandelt. Das Innenministerium schloss nicht aus, dass es sich bei «Pera» um den selben Mann handelte, den auch die Polizisten in der Wohnung überprüften.

(sda)

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