Vor Gericht: Karadzic nimmt Überlebende ins Kreuzverhör
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Vor GerichtKaradzic nimmt Überlebende ins Kreuzverhör

Der wegen Massenmord angeklagte ehemalige Serbenführer Radovan Karadzic versucht sich in Den Haag zu verteidigen - und nimmt Zeugen der Greueltaten ins Kreuzverhör.

Der frühere Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, hat am Mittwoch vor dem UN-Kriegsverbrecher-Tribunal die belastenden Aussagen zweier Zeugen zurückgewiesen.

Karadzic verteidigt sich selbst. Er nahm beide Zeugen ins Kreuzverhör, dem einen warf er vor, die Vorwürfe erfunden zu haben. Die Ankläger erhoffen sich von den Aussagen, die Vorwürfe des Völkermords und anderer Verbrechen gegen Karadzic zu untermauern. Dieser soll die Taten geplant und befohlen haben.

Opfer mussten ihre eigenen Gräber graben

Der bosnische Muslim Ahmet Zulic hatte am Dienstag dem Gericht im niederländischen Den Haag von brutalen Übergriffen serbischer Kämpfer berichtet. Nach der Erstürmung seines Dorfes zu Beginn des Bosnienkrieges 1992 hätten etwa 20 Männer ihre eigenen Gräber ausheben müssen, bevor sie von Serben ermordet worden seien. Er selbst sei nur davongekommen, weil sich ein ehemaliger Lehrer für ihn eingesetzt habe, sagte Zulic. Karadzic nahm den Zeugen am Mittwoch drei Stunden lang ins Kreuzverhör und behauptete, dieser habe sich die Vorwürfe ausgedacht.

Danach berichtete der Zeuge Sulejman Crncalo unter Tränen von dem Einschlag einer Artilleriegranate auf einem belebten Markt in Sarajevo, bei dem seine Frau ums Leben kam. Laut Anklage schossen Serben damals absichtlich in die Menge, um die Einwohner der Stadt zu terrorisieren. Dabei seien 43 Menschen getötet und 75 weitere verletzt worden. Es handelte sich um eines der schlimmsten Verbrechen in dem Krieg und löste die NATO-Luftangriffe gegen bosnisch-serbische Milizen aus. Karadzic sagte, er und die Serben seien nicht für die Tat verantwortlich. (dapd)

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