Den Haag: Karadzic: Waffen für Muslime verlängerten Krieg

Aktualisiert

Den HaagKaradzic: Waffen für Muslime verlängerten Krieg

Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic hat illegale Waffenlieferungen an bosnische Muslime für die lange Dauer des Bosnienkriegs Anfang der neunziger Jahre verantwortlich gemacht.

Der Waffenschmuggel für die muslimisch-bosnische Armee habe den Krieg verlängert, sagte Karadzic am Montag vor dem UNO- Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, wo er sich wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg (1992 bis 1995) verantworten muss.

«Der Krieg wäre andernfalls viel früher beendet gewesen», sagte er. Die serbische Seite sei gezwungen gewesen, ihr blosses Überleben zu sichern. «Diese Waffen wurden gegen uns eingesetzt, um uns zu töten», sagte der 64-Jährige in Anwesenheit von Vertretern aus Deutschland, Frankreich, dem Iran und Kroatien.

Den Ländern wirft er indirekt vor, an den Lieferungen beteiligt gewesen zu sein und damit ein von der UNO auferlegtes Waffenembargo gebrochen zu haben.

Die «Quellen dieser Waffen» seien in vielen Ländern zu finden, die heute das Haager Tribunal unterstützten, sagte Karadzic. Die Lieferungen seien vom Iran aus per Schiff und Flugzeug nach Bosnien geliefert worden, jedoch sei dies «unmöglich gewesen ohne die Hilfe von Ländern wie Kroatien».

Karadzic hatte die Vertreter der Länder aufgefordert, dem Gericht alle verfügbaren Dokumente und Informationen in dem Fall vorzulegen. Die deutsche Vertretung erklärte, die geforderten Informationen seien «unwichtig und nicht aussagekräftig». Auch die anderen Länder verwiesen darauf, bereits alle verfügbaren Dokumente übermittelt zu haben. (sda)

Prozess soll am 1. März fortgesetzt werden

Radovan Karadzic ist vorerst mit seinem Versuch gescheitert, seinen Prozess weiter zu verzögern. Eine Sprecherin des Haager Kriegsverbrechertribunals der Vereinten Nationen sagte nach einer Anhörung am Montag: «Der Prozess wird wie geplant am 1. März fortgesetzt.» Sie wollte allerdings nicht völlig ausschliessen, dass Karadzic weiter auf Zeit spielen könnte.

Der Angeklagte hatte beantragt, die Fortführung der Verhandlung zu vertagen. Er will sich selbst verteidigen und argumentiert, er brauche mehr Zeit zur Vorbereitung seiner Verteidigung. Der Prozess hatte am 26. Oktober vergangenen Jahres begonnen, war aber wenige Tage später unterbrochen worden.

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