Den Haag: Karadzic weicht Fragen des Gerichts aus
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Den HaagKaradzic weicht Fragen des Gerichts aus

Der frühere Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, ist am Mittwoch erstmals als Zeuge vor dem internationalen Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien aufgetreten.

In der Berufungsverhandlung seines Freundes und politischen Verbündeten Momcilo Krajisnik weigerte er sich aber, auf zentrale Fragen zu den Gräueltaten serbischer Einheiten während des Bosnienkriegs zu antworten. Krajisnik war 2006 verurteilt worden, weil er an der Ermordung und Vertreibung Tausender Nicht-Serben während des Krieges beteiligt gewesen sein soll. Die Anhörung galt als Test für Karadzic eigene Verteidigung, wenn wahrscheinlich im nächsten Jahr der Prozess gegen ihn selbst beginnt.

Karadzic war im Juli nach 13 Jahren Flucht festgenommen worden. Die Vorwürfe gegen ihn lauten auf Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Karadzic hat dazu bislang nicht Stellung genommen, weshalb das Tribunal in seinem Namen auf nicht schuldig plädierte.

Karadzics amerikanischer Anwalt verhinderte am Mittwoch einige Male Antworten seines Mandanten auf die Fragen der Staatsanwaltschaft in Den Haag. Die Fragen seien «durchsichtige Versuche, seine Antworten in seinem Prozess gegen ihn zu verwenden».

Wenn Karadzic antwortete, dann ging er so sehr ins Detail, dass Staatsanwalt Alan Tieger von einer Verzögerungstaktik sprach. Karadzics politischer Mentor, der inzwischen verstorbene frühere jugoslawische Staatspräsident Slobodan Milosevic, hatte mit langen Monologen seinen Prozess mehr als vier Jahre in die Länge gezogen. (dapd)

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