Aktualisiert 15.02.2006 14:02

Karikaturenstreit: Drei Tote in Pakistan

Gewaltsame Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen haben am Mittwoch in Pakistan einen achtjährigen Jungen das Leben gekostet: Eine in die Menge abgefeurte Kugel traf ihn im Gesicht.

Nach Polizeiangaben kam in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar ein Demonstrant ums Leben, als ein Strommast auf ihn fiel. Augenzeugen berichteten, bei den Ausschreitungen sei ausserdem ein siebenjähriger Junge gestorben.

In der ostpakistanischen Stadt Lahore kam es trotz einem Demonstrationsverbot zu Zusammenstössen zwischen Studenten und Polizisten, bei denen nach Medienberichten ein Mensch getötet wurde.

Das Demonstrationsverbot in Lahore war verhängt worden, nachdem dort am Dienstag zwei Demonstranten bei anti-westlichen Ausschreitungen ums Leben gekommen waren. Die Zahl der Toten in Pakistan bei den seit zwei Tagen andauernden schweren Unruhen hat sich damit trotz Appellen der Regierung zu Zurückhaltung und Mässigung auf mindestens fünf erhöht.

Im benachbarten Afghanistan starben bei Protesten gegen die Karikaturen mindestens neun Menschen.

In Peshawar, der Hauptstadt der Nordwest-Grenzprovinz, steckten Randalierer am Mittwoch wie tags zuvor in Lahore ein Restaurant der US-Imbisskette Kentucky Fried Chicken in Brand. Augenzeugen sagten, ausserdem seien zwei Kinos und eine Tankstelle angezündet worden.

Nach Spitalangaben wurden übef 40 Menschen verletzt. Schätzungen zufolge demonstrierten in Peschawar rund 10 000 Menschen. Auch in der Stadt Tank im Nordwesten und in Faisalabad im Osten des Landes protestierten mehrere tausend Menschen. Die grossen politischen Parteien Pakistans haben aufgerufen, vom kommenden Sonntag an, landesweit gegen die Karikaturen zu protestieren.

(dapd)

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