Karikaturenstreit: Selbsternannter Rächer erhängte sich
Aktualisiert

Karikaturenstreit: Selbsternannter Rächer erhängte sich

Der Freitod eines pakistanischen Untersuchungshäftlings in Berlin sorgt in seiner Heimat für Aufsehen. Strenggläubige Abgeordnete in Islamabad erhoben Foltervorwürfe und setzten am Freitag durch, dass der Fall in der Nationalversammlung erörtert wird.

Der 28-Jährige war im März verhaftet worden. Er soll versucht haben, mit einem Messer bewaffnet in den Axel-Springer-Verlag einzudringen und für die umstrittenen Mohammed-Karikaturen Vergeltung zu üben.

Am Mittwoch wurde der Student Aamir C. tot in seiner Zelle in Moabit gefunden, wie Justizsprecherin Juliane Baer-Henney berichtete. Er habe aus seiner Kleidung eine Schlinge geknüpft und sich am Fenstergitter erhängt. Hinweise auf Fremdverschulden gebe es nicht, betonte die Sprecherin. Nach Justizangaben sass der Mann seit 20. März wegen des Verdachts der Nötigung und Widerstands gegen Vollzugsbeamte in Untersuchungshaft.

Ein Vertreter der pakistanischen Botschaft in Berlin berichtete, der Student habe mit einem Messer bewaffnet in den Axel-Springer-Verlag eindringen wollen, sei aber schon bei der Sicherheitskontrolle aufgehalten worden. Ihm sei vorgeworfen worden, er habe das Sicherheitspersonal bedroht und den Chefredakteur der «Welt» angreifen wollen. Die Tageszeitung hatte die Karikaturen des Propheten Mohammed nachgedruckt, die zuerst in einem dänischen Blatt erschienen waren und in der islamischen Welt heftigen Protest ausgelöst hatten. (dapd)

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