«Eher inoffizielle Kontakte»: Karsai bestätigt Gespräche mit Taliban
Aktualisiert

«Eher inoffizielle Kontakte»Karsai bestätigt Gespräche mit Taliban

Lange wurde es gemunkelt, jetzt ist es offiziell: Die Regierung Afghanistans führt schon seit einiger Zeit geheime Gespräche mit den Taliban.

Hamid Karsai verfolgt einen Versöhnungsplan – unterstützt von der internationalen Gemeinschaft.

Hamid Karsai verfolgt einen Versöhnungsplan – unterstützt von der internationalen Gemeinschaft.

«Wir haben mit den Taliban von Landsmann zu Landsmann geredet», antwortete Hamid Karsai, als er von US-Talkmaster Larry King auf einen Bericht der «Washington Post» über hochrangige Gespräche zwischen der Regierung in Kabul und den Taliban angesprochen wurde. Das CNN-Interview sollte am Montag ausgestrahlt werden, Auszüge des daraus wurden am Sonntag (Ortszeit) vorab veröffentlicht.

Die Gespräche liefen bereits «seit einiger Zeit», sagte Karsai. Es handele sich nicht um einen «regulären offiziellen Kontakt zu den Taliban mit einer festgelegten Adresse», sondern um «eher inoffizielle persönliche Kontakte».

Gespräche mit Mullah Omar?

Die «Washington Post» hatte am Dienstag unter Berufung auf afghanische und arabische Quellen berichtet, es gebe geheime Friedensgespräche. Daran seien offenbar erstmals auch Vertreter der Quetta-Schura, der von Pakistan aus agierenden Talibanbewegung von Mullah Mohammed Omar, beteiligt.

Am Donnerstag nahm der afghanische Friedensrat seine Arbeit auf, der in Karsais Auftrag Gespräche mit den Taliban führen soll. «Jetzt, wo der Friedensrat ins Leben gerufen wurde, werden diese Gespräche weiter gehen und sie werden offiziell weiter gehen und ich hoffe entschiedener», sagte Karsai im CNN-Interview.

Der Friedensrat wird von Ex-Staatspräsident Burhanuddin Rabbani (1992-96) angeführt. Rabbani war von den Taliban von der Macht vertrieben worden.

Westen will Versöhnung mit «moderaten» Taliban

Karsai verfolgt unterstützt von der internationalen Gemeinschaft einen Versöhnungsplan. Das Programm richtet sich an solche Taliban, die der Gewalt abschwören und an jene, die sich eher aus finanziellen statt aus ideologischen Gründen dem Aufstand angeschlossen haben.

Bedingung für eine Wiedereingliederung ist, dass sie keine Verbindung zu internationalen Terrororganisationen wie Al-Kaida haben und die afghanische Verfassung akzeptieren.

Karsai verhandelt auch mit Hardlinern

Allerdings will Karsai im Gegensatz zum Westen auch mit den Hardlinern verhandeln. Er forderte die Taliban und Mullah Omar wiederholt zu Verhandlungen auf. Die Islamisten machten jedoch immer den Abzug der NATO-geführten Truppen zur Vorbedingung für Gespräche.

Taliban-Chef Mullah Omar soll sich in Pakistan versteckt halten. Nach seinem Sturz 2001 durch die US-geführten Truppen in Afghanistan hatte er in der pakistanischen Stadt Quetta die Quetta-Schura (Ratsversammlung) gegründet. Er lehnte bislang Verhandlungen mit Karsai ab. Mullah Omar sieht in Karsai eine Marionette der USA.

Zudem gilt Al-Kaida-Chef Osama bin Laden als enger Freund von Mullah Omar. Die Taliban hatten während ihrer Herrschaft in Afghanistan (1996-2001) der sunnitischen Extremistenorganisation Bin Ladens in Afghanistan Unterschlupf gewährt. (dapd)

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