Taliban-Anschlag: Karsai gibt USA die Schuld am Attentat
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Taliban-AnschlagKarsai gibt USA die Schuld am Attentat

Nach dem Anschlag der Taliban in Kabul fordert Afghanistans Präsident Hamid Karsai die USA zur Bekämpfung des Terrorismus auf. Beim Attentat starben 21 Menschen, darunter 13 Ausländer.

Die afghanische Polizei teilte mit, dass mehr als ein Dutzend der Toten Ausländer seien. (Video: Reuters)

Der afghanische Präsident reagiert nicht nur mit einer Verurteilung auf den Anschlag auf ein Restaurant im Kabuler Diplomatenviertel. Doch seine Kritik bleibt vage.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat den USA und der Nato nach dem Selbstmordanschlag im Kabuler Diplomatenviertel vorgehalten, nicht genug im Kampf gegen Terrorismus zu tun. Karsai verurteilte am Samstag den Anschlag auf das bei Ausländern beliebte Restaurant «Taverna du Liban», bei dem am Freitag 21 Menschen getötet wurden. «Wenn die Nato und in deren Führung die USA mit dem afghanischen Volk kooperieren und vereint sein wollen, müssen sie den Terrorismus ins Visier nehmen», sagte er.

21 Tote - 13 davon sind Ausländer

Karsai führte nicht weiter aus, was die USA seiner Ansicht nach genau tun sollten. Er sagte lediglich, sie hätten eine Politik verfolgt, «die in Afghanistan viele Opfer gefordert hat und die im vergangenen Jahrzehnt nicht erfolgreich war.» Karsai hat seine Unterschrift unter ein Sicherheitsabkommen mit Washington verweigert, nach dem 10'000 US-Soldaten für weitere zehn Jahre in Afghanistan bleiben sollen. Er will es erst nach der Präsidentenwahl am 5. April unterschreiben. Den USA ist das für ihre Planung zu knapp; sie haben angedeutet, dass Karsais Verzögerungstaktik zum völligen US-Abzug führen könnte.

Anschlag bei Präsidentenpalast in Kabul

Unter den 21 Toten waren 13 Ausländer und acht Afghanen - alles Zivilisten. Deutsche waren trotz einer Drohung der Taliban, auch ranghohe deutsche Beamte treffen zu wollen, nicht darunter: Nach Behördenangaben wurden zwei Amerikaner, zwei Briten, ein von den Vereinten Nationen als Amerikaner-Somalier beschriebener Mann, zwei Kanadier, zwei Libanesen, ein Däne, ein Russe, ein Malaysier und ein Pakistaner getötet.

Taliban-Anschlag

Unter den Toten waren der Repräsentant des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Libanese Wabel Abdallah, und der Leiter der UN-Mission für politische Angelegenheiten, der Russe Wadim Nasarow. Nasarows Afghanistan-Erfahrung reicht bis in die 80er Jahre; er war einer der erfahrensten UN-Mitarbeiter in Afghanistan. Er war einer von laut afghanischer Polizei vier UN-Mitarbeitern, die bei dem Anschlag getötet wurden.

Der Anschlag wurde von einem Selbstmordattentäter ausgeführt, der sich mit einer Sprengstoffweste vor dem Lokal in die Luft sprengte, und zwei bewaffneten Angreifern. Sie wurden von Wachleuten erschossen.

Washington verurteilt Anschlag

Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag, der sich gegen «ausländische Invasoren» gerichtet habe. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid bezeichnete Ausländer, die «mit viel Alkohol zu Abend essen», in einer E-Mail als «Invasoren» und «Feinde».

Washington verurteilt das Attentat, es gebe keine Rechtfertigung.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete den «schrecklichen Anschlag» als «völlig inakzeptabel» und als «eklatanten Bruch des humanitären Völkerrechts». Er forderte ein sofortiges Ende solcher Angriffe. (sda)

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