KarstadtQuelle fürs erste gerettet
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KarstadtQuelle fürs erste gerettet

Der angeschlagene Handelsriese KarstadtQuelle mit seinen rund 100.000 Mitarbeitern ist vor der drohenden Insolvenz gerettet.

Die Unternehmensführung einigte sich in zähem Ringen mit widersprechenden Kleinaktionären über eine dringend benötigte Kapitalerhöhung. «Die Hürde ist genommen», verkündete Konzernsprecher Jörg Howe am Donnerstagabend.

«Wir können davon ausgehen, dass die Kapitalerhöhung nunmehr umgesetzt werden kann», sagte er weiter. Das solle noch in diesem Jahr geschehen. Jetzt könne man sich um das «lebenswichtige» Weihnachtsgeschäft kümmern. Am Montag solle das Börsenprospekt erscheinen. «Die Kapitalerhöhung soll im Dezember vollzogen werden», sagte Howe. «KarstadtQuelle hat nun ein sehr solides finanzielles Fundament.»

Der Vorstand verpflichtete sich, dafür Sorge zu tragen, dass der Ausgabekurs der neuen Aktien den Betrag von 5,38 Euro nicht unterschreiten werde, so dass der Gesellschaft ohne zusätzliche weitere Kapitalerhöhung mindestens 500 Millionen Euro zuflössen. Die Aktionäre hatten den ursprünglich vorgesehenen Mindestausgabepreis von 4,00 Euro je Aktie als zu niedrig kritisiert.

Der Vorstand erklärte sich zudem bereit, Zusatzinformationen zu dem von dem Unternehmensberater Roland Berger vorgelegten Sanierungsgutachten bereitzustellen. Ausserdem erklärte sich die Konzernführung bereit, im Geschäftsbericht 2004 einen ausführlichen Risikobericht vorzulegen, der auf die Ursachen der derzeitigen Krise des Unternehmens eingehe, auf die sich daraus ergebenden «notwendigen Änderungen des internen Kontrollsystems» sowie den Stand der Umsetzung dieser Massnahmen erläutere. Ausserdem soll darin beschrieben werden, «aus welchem Grunde der vom Abschlussprüfer geprüfte Risikobericht aus dem Februar 2004 sowie die Informationen auf der Hauptversammlung im Mai 2004 die dramatische Verschlechterung der Lage des Unternehmens nicht erkennen liessen», teilte das Unternehmen mit.

Geld an die Kleinaktionäre ist nach Worten Howes nicht geflossen. Sondervorteile oder Kostenerstattungen wurden den Angaben zufolge nicht gewährt. Sie seien von den widersprechenden Aktionären auch zu keiner Zeit gefordert worden, erklärte der Konzern.

Bedauern über «diffamierende Äusserungen»

In der offiziellen Erklärung äusserte der Konzern Bedauern über «die in der Presse getätigten diffamierenden Äusserungen einiger Aufsichtsratsmitglieder gegenüber diesen Aktionären, die weder mit dem Vorstand noch mit dem Aufsichtsrat abgestimmt waren, noch der Auffassung des Unternehmens entsprechen». In diesem Zusammenhang seien den Aktionären gegenüber entsprechende Unterlassungserklärungen abgegeben worden. Die Aktionäre erklärten dazu, dass «gerade auch diese gewerkschaftsverbundenen Personen dem Aufsichtsrat beziehungsweise Betriebsrat des Unternehmens seit vielen Jahren angehören und insoweit Gelegenheit hatten, auf die Ursachen Einfluss zu nehmen, die zu der derzeitigen Situation des Unternehmens geführt hätten».

Einige Kleinaktionäre hatten auf der Hauptversammlung des Konzerns Anfang der Woche Widerspruch gegen die dringend benötigte Kapitalerhöhung des Unternehmens eingelegt. Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff und Konzernchef Christoph Achenbach hatten gewarnt, dass ein Widerspruch die Existenz des Handelsriesens gefährden und KarstadtQuelle in die Insolvenz führen könne. (dapd)

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