Aktualisiert 01.06.2010 10:03

AbgezocktKarten-Betrüger machen die WM unsicher

Die Zahl der Bankkarten-Delikte steigt stetig an: Nun befürchtet das deutsche Bundeskriminalamt, dass die WM zum Tummelplatz der Betrüger werde – und hat vorgesorgt.

von
amc

Die Technik wird immer raffinierter, die Banden immer professioneller und der Schaden immer höher: Die aktuellste Einschätzung des deutschen Bundeskriminalamts (BKA) an einer internationalen Konferenz zum Thema «Zahlungskartenkriminalität» in Berlin lässt aufhorchen. Gemäss BKA gab es in Deutschland noch nie so viele Opfer von Kartenbetrügern wie 2009: Rund 120 000 Kartenbesitzer wurden mit Hilfe von 964 veränderten Automaten ausspioniert und ihre Bankdaten missbraucht. Alleine bei den EC-Karten beträgt die Deliktsumme rund 40 Millionen Euro.

Gemäss BKA steigt auch die Zahl der manipulierten Geldautomaten im Ausland: Wurden 2003 noch die Daten von 103 Deutschen im Ausland abgegriffen, waren es 2009 bereits 619 Fälle. «Das ist aber nur die Hellziffer», sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Die Dunkelziffer liege vermutlich noch deutlich höher. Viele Banken handeln gemäss Ziercke aus Angst vor Imageverlusten solche Fälle kulant ab. Aufgrund der steigenden Zahlen im In- und Ausland befürchtet das BKA nun, dass die WM nicht nur zum Fest für Fussballfans, sondern auch für Kartenbetrüger werden könnte.

Karten-Banden sind «extrem raffiniert»

Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, seien die Besucher der WM gemäss BKA gefährdet, gewieften Kartenbetrügern zum Opfer zu fallen. Das BKA habe deshalb im Februar und März Mitarbeiter nach Pretoria und Kapstadt entsandt, die mehrere hundert Polizeibeamte vor Ort geschult haben.

Die deutsche Hilfe im Kampf gegen die Kartenbetrüger können die heimischen Beamten gut gebrauchen. Die Techniken der organisierten Karten-Banden sind mittlerweile extrem raffiniert und weltweit im Einsatz: So greifen die Banden teilweise bereits über den elektronischen Türöffner von Banken die Kartendaten ab. Der Pin wird dann mit Kameras oder manipulierten Tastaturen ausspioniert. Die eingesetzte Technik ist dabei oftmals von normalen Kunden gar nicht zu bemerken, wie das BKA berichtet. Zwischen dem Abgreifen der Daten und dem Einsatz der gefälschten Karten vergehen oftmals nur wenige Stunden.

Konkrete Zahlen in der Schweiz sind rar

Das Schweizer Bundesamt für Polizei hat sich an der Aktion der deutschen Kollegen nicht beteiligt, wie es auf Anfrage von 20 Minuten Online heisst. Die Gefahr zum Opfer von Betrügern zu werden, sei grundsätzlich vorhanden – auch ausserhalb der WM. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz auch keine zentrale Statistik, in denen die Zahl der manipulierten Geldautomaten aufgeführt wird. «Die Zahl der Betrugsfälle hat aber auch in der Schweiz deutlich zugenommen», sagt Bernhard Wenger, Sprecher der Six Group.

Die Six Group kümmert sich um den grössten Teil des Zahlungsverkehrs und steht in Kontakt mit den Banken in der Schweiz. In der Bankenbranche sei man zwar sehr zurückhaltend mit den Informationen zu den Betrugsfällen, sagt Wenger, dennoch gebe keinen Zweifel am wachsenden Trend der Manipulationen.

Anstieg lässt sich erahnen

Die steigende Zahl der manipulierten Geldautomaten in der Schweiz lässt auch eine Anfrage bei den unterschiedlichen Polizeistellen erahnen: Die Kriminalpolizei der Kapo Bern hat 2009 85 Fälle von kopierten Bankdaten verzeichnet, die Zahl hat sich damit im Vergleich zu 2008 mit 33 registrierten Betrugsfällen mehr als verdoppelt. Die Kantonspolizei Zürich verzeichnet pro Jahr «eine Hand voll» von manipulierten Geldautomaten. Wie viele es letztlich wirklich sind, sei schwierig zu sagen, da die Banken oft keine Meldung machten. Die Bundeskriminalpolizei hat im vergangenen Jahr rund 170 Anfragen wegen Betrugsfällen verzeichnet, im laufenden Jahr sind es 60. Jedoch sind dabei nicht nur manipulierte Bancomaten erfasst, sondern verschiedene Betrugsarten, die unter dem Sammelbegriff «Skimming» gezählt werden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.