Aktualisiert 01.06.2010 11:30

VerkauftKarton Deisswil in neuen Händen

Eine Schweizer Unternehmergruppe übernimmt die Kartonfabrik Deisswil, darf dort aber keinen Karton mehr produzieren. Wie das Areal künftig genutzt wird, ist noch nicht bekannt.

Die Nachricht kommt überraschend: Arbeitnehmer und Öffentlichkeit werden erst am Freitag informiert. Auch die Gewerkschaft tappt im Dunkeln, wie Roland Herzog von der Unia am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Er kämpft mit den 253 Entlassenen seit Wochen um einen besseren Sozialplan, biss beim bisherigen österreichischen Besitzer Mayr- Melnhof (MM) aber auf Granit.

Am Dienstag wollte der MM-Vorstandsvorsitzende Wilhelm Hörmanseder nach Bern reisen, um neue Bewegung in die Verhandlungen zu bringen. Der Besuch wurde kurzfristig abgesagt, denn nach dem Verkauf der Karton Deisswil AG an die Schweizer Unternehmer brauchen sich die Österreicher nicht mehr um den Sozialplan zu kümmern.

Was die Schweizer Investoren im Schilde führen, ist Herzog nicht bekannt. «Wir können nur spekulieren.» Karton produzieren dürfen sie jedenfalls nicht, das hat die Mayr-Melnhof Gruppe im Kaufvertrag festschreiben lassen, wie die Karton Deisswil AG mitteilte.

Der österreichische Konzern begründet dies mit der «weltweiten Überkapazität». Er glaubt zwar selber nicht mehr an die Rentabilität des Standorts im Worblental, will aber offensichtlich auch keine neue Konkurrenz im Kartongeschäft zulassen.

Gemeindepräsident zufrieden

Dass die Kartonfabrik nun wieder in Schweizer Hände kommt, ist für die Standortgemeinde Stettlen grundsätzlich erfreulich. Er sei zufrieden mit der vorliegenden Lösung, sagte Gemeindepräsident Lorenz Hess auf Anfrage der SDA.

Das Ziel der Gemeinde und auch der Unternehmergruppe sei es, in Deisswil «wann immer möglich Arbeitsplätze zu schaffen». Die Gemeinde habe sich dafür eingesetzt, dass auf dem Fabrikgelände weiterhin gearbeitet werde und die Räume nicht als Lofts und dergleichen genutzt würden.

Bis die definitive neue Nutzung vorliege, werde noch einige Zeit verstreichen, sagte Hess. In der Zwischenzeit wünsche sich die Gemeinde möglichst eine oder meherere Zwischennutzungen. «Wir haben immer gesagt, dass wir kein Industriebrachland möchten», betonte Hess.

Blockade dauert an

Arbeiter und Gewerkschafter setzten am Dienstag ihre Blockade der Fabrik fort. Um Druck auf die laufenden Verhandlungen um einen Sozialplan zu machen, verhindern Arbeiter seit vergangenen Donnerstag die Anlieferung von Altpapier, das im Rahmen laufender Abnahmeverträge noch verarbeitet werden sollte.

(sda)

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