Kasparow: Fünf Tage Haft

Aktualisiert

Kasparow: Fünf Tage Haft

Eine Woche vor den Parlamentswahlen in Russland ist Oppositionsführer Garry Kasparow bei einer Demonstration gegen Präsident Wladimir Putin unsanft festgenommen worden. Er muss für fünf Tage ins Gefängnis.

Der frühere Schachweltmeister und einer seiner Leibwächter wurden nach einem Handgemenge mit Sicherheitskräften in einem Polizeibus abtransportiert, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP beobachteten.

Eine Mitarbeiterin Kasparows sagte, der Oppositionspolitiker sei von Polizisten auf den Boden geworfen und geschlagen worden. Auch der Vorsitzende der National-Bolschewistischen Partei, Eduard Limonow, wurde vorübergehend festgenommen. Der frühere Schach-Weltmeister ist noch am Samstag zu fünf Tagen Haft verurteilt worden.

An der Kundgebung gegen Präsident Wladimir Putin beteiligten sich mehrere tausend Menschen. Mehr als 1000 Einsatzkräfte der Sicherheitspolizei OMON bewachte die Versammlung. Die Polizei sprach von einer «gezielten Provokation» der Demonstranten.

Kundgebung Ja, Protestmarsch Nein

«Für das Putin-Regime ist unser Land nur eine Quelle der Bereicherung», sagte Kasparow vor seiner Festnahme. Boris Nemzow, Chef der liberalen Oppositionspartei Union der Rechten Kräfte (SPS), sagte auf der Veranstaltung: «Putin ist ein Feigling. Wir haben einen Feigling gewählt. Er hat Angst vor friedlichen Menschen.»

Die Demonstranten wollten zum Büro der zentralen Wahlkommission ziehen und dort eine Petition einreichen, in der die Wahlen als unfair verurteilt werden. Die Behörden hatten die Kundgebung genehmigt, aber eine Mitarbeiterin Kasparows sagte, die Stadt habe keine «klare Antwort» gegeben, ob sie den Protestmarsch zulässt.

Dutzende Festnahmen

Auch in anderen russischen Städten nahm die Polizei laut Medienberichten Dutzende Menschen fest, die an den Kundgebungen der Opposition teilnehmen wollten. In der Kaukasusrepublik Inguschetien demonstrierten zwischen 500 und 600 Regierungsgegner. Die Kundgebung in Nasran wurde nach Angaben von «Echo Moskwy» gewaltsam aufgelöst. Etwa hundert Menschen seien festgenommen worden.

Wenige Stunden vor der Kundgebung hatte die Kriminalpolizei zudem eine Razzia in den Büroräumen vorgenommen, in denen die Internetseite von Anderes Russland entsteht, wie eine Sprecherin des Bündnisses mitteilte. Sie bezeichnete die Aktion, deren Ziel unklar gewesen und bei der nichts herausgekommen sei, als Einschüchterungsversuch im Zusammenhang mit der Demonstration.

(SDA/AP)

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